Schlüssel

 

Die Schlüsselfrage im Leben lautet nicht: “Wie stark bin ich?”,
sondern: “Wie stark ist Gott?”

Max Lucado
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Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue

Anfang der Woche ist meine Wasserkaraffe kaputt gegangen, bevor ich sie das erste Mal benutzen konnte – schade, so musste ich das Wasser weiterhin stillos im Filter servieren.
Heute auf dem Flohmarkt erstand ich einen Wasserkrug, der wesentlich hübscher ist als der Ursprüngliche und sich hoffentlich besser benutzen lässt – Glück gehabt!
So sehr ich mich am Dienstag ärgerte, so sehr freute ich mich heute über den Flohmarkt-Fund.
Am Mittwoch telefonierte ich mit einer Freundin, die von der langwierigen Tagesmutter-Suche berichtete. Am Ende des Gesprächs zitierte ich den Satz “Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm deine Pläne”:
Ein Spruch, den ich nicht mit meinem Gottesbild vereinbaren kann (Als ob Gott einen geheimen Masterplan besitzt und sich freut, wenn wir ihn verpeilen), der meiner Gesprächspartnerin aber gefiel. Allzu oft läuft unser Leben anders als geplant und dabei viel besser, als wir es uns ausgedacht haben. Genau das sagt ebenfalls die gewählte Überschrift: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Die Frage ist nur: Wenn ich mit meinen Vorstellungen nicht weiter komme und Energie in vielen Anläufen vergeude, versuche ich es dann nicht intensiv genug oder soll ich lieber auf die sich öffnende Tür warten?
Das wird uns oft erst im Nachhinein bewusst…

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Was der Mond des Nachts am Himmel tut….

In der neuen Praxis arbeite ich nun auch einen Vormittag im Seniorenheim. Nach dreieinhalb Jahren der Kindertherapie mal wieder etwas ganz Anderes…
Meine letzte (Aphasie-)Patientin ist die Fitteste und ich war ganz stolz, wie gut sie gelesen hat und dass sie sogar einzelne Wörter korrekt schreiben konnte.
Nachdem wir auseinander klamüstert hatten, dass die Aufgabe heißen muss “Die Sterne funkeln. Der Mond scheint,” lehnte sie sich nach mehrmaligem Wiederholen der Lösung zufrieden in ihrem Stuhl zurück und sagte ganz andächtig:
“Ja ja, der Mond schleicht.”

Seitdem muss ich abends immer an den schleichenden Mond am Nachthimmel denken… ;-)

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Unikat: T-Shirt mit Blusenkragen

 

Ich habe vor einiger Zeit im Schlussverkauf eine wunderschöne Bluse in violetten Tönen mit einem großen Muster ornamentartiger Blüten gekauft – einziger Haken daran: Die Bluse hat Größe 42. Optimistisch dachte ich: “Kein Problem, die Bluse werde ich in Größe 34 um-zaubern können!”
Nein, ich konnte nicht – ich begann damit, legte sie frustriert wieder weg, holte sie wieder hervor und scheiterte erneut daran. Nun trennte ich den Kragen ab und hübschte damit dieses T-Shirt auf. Erstmal habe ich es nur gesteckt, um zu schauen, ob es mir gefällt.
Den Rest der Bluse habe ich ebenfalls aufgetrennt und mit einer anderen, hellrosa-gestreiften Bluse kombiniert. Die rosa Bluse gefällt mir, wirkte aber etwas blass. Nun hat sie neue Akzente bekommen, die ich fotografisch festhalten und veröffentlichen werde, sobald es fertig ist.

 

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Umstyling – Segen oder Fluch?

Neulich habe ich auf Empfehlung einer Bekannten eine Umstyling-Sendung im Fernsehen angeschaut – und weil ich es interessant fand, gleich noch ältere Sendungen aus der Mediathek dazu.
Anschließend war ich mit meinem Äußeren und dem Inhalt meines Kleiderschranks von vorn bis hinten unzufrieden. Die Crux an professionellem Styling ist: Einerseits sagt man “Boah, so großartig kann diese unscheinbare Frau also aussehen, das will ich auch!” und andererseits sieht man, dass es nur mit einem ganzen Stab an Make-up-Künstlern und Mode-Profis möglich ist, ein darart vollendetes Bild abzugeben.
Mit Sicherheit kann jede/r von uns besser aussehen, wenn wir mehr in unser Äußeres investieren würden – fragt sich, wie viel Zeit, Energie und Geld das kostet. Und wo die Grenze zwischen “Kann optisch mehr aus sich machen” und “Ist kaufsüchtig und ein überambitioniertes Mode-Opfer” liegt.
Ich habe mir ein “Update” für meinen Kleiderschrank gegönnt und finde den Rest ganz in Ordnung – meist liegt die Wahrheit ja im Mittelweg :-)

 

Neue Hose, neue Schuhe – und den restlichen Inhalt des Kleiderschranks mag ich doch ganz gern, besonders seit ich in mehreren Abschnitten ausgemistet habe….

 

Der Farbton ist als “Mint” zu bezeichnen, und es ist für mich immer wieder verwunderlich, dass Kleidung in dieser Farbe grundsätzlich nicht korrekt von der Kamera wiedergegeben wird: Das Bild oben zeigt den Stoff zu hell, das kleine Bild ist zu blau!

Wer sich weiter für Jeans in Mint interessiert, sei hierher verwiesen.

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Leben ohne Kinder – Warum das Familienmodell für Christen nicht der einzige Lebensentwurf ist

Dieser Artikel ist übernommen von www.erf.de.

Ich wollte schon als Kind keine Kinder. Ich träumte nicht davon, einen Säugling in den Armen zu wiegen, ich malte mir keine Familienidylle aus und Mütter beneidete ich nicht. Nun befinde ich mich ungefähr in der Lebensmitte, aber im Wesentlichen haben sich diese Gefühle bislang nicht geändert. Ich bin verheiratet und habe keine Kinder. Es ist für uns okay so, wie es ist.

Christliche Meinungen
Mit unserer Kinderlosigkeit schien unser christliches Umfeld jedoch ein Problem zu haben. Heißt es in der Bibel nicht: „Seid fruchtbar und mehret euch“ (1Mo 1,28)? Wir kommen also unserem Reproduktionsauftrag nicht nach! Können wir dann „gute Christen“ sein? Sind dies nicht die „faulen Früchte der Emanzipation“?
Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man einige christliche Zeitschriften liest. Anscheinend träumen alle christlichen Frauen davon, Mutter zu sein. Keine Kinder zu haben ist offenbar für viele Christen unvorstellbar. Es scheint das einzig wahre Lebensmodell darzustellen.

Schaden Kinderlose Deutschland?
In manchen christlichen Artikeln melden sich unfreiwillig Kinderlose zu Wort. Sie leiden in der Regel unter ihrem Zustand. Die in Partnerschaften lebenden freiwilligen Kinderlosen hingegen stehen im Verdacht,  Egoisten zu sein und dem gesamten deutschen Volk zu schaden, denn sie setzen keine zukünftigen Steuerzahler, Rentenzahler und Konsumenten in die Welt. Und wer soll die vielen Alten in Zukunft einmal pflegen? So lautet häufig der Tenor in manchen Kommentaren oder Forendiskussionen. Man müsse die Kinderlosen „bestrafen“, indem man sie mehr zur Kasse bittet.
Wenn man Veröffentlichungen zu diesem Thema liest, seien sie christlich oder nicht, fühlt man sich regelrecht unter „Gebärpflicht“ – aus einer zunächst privaten Angelegenheit wird unversehens eine politische. Ob man Kinder hat oder nicht, ist keine rein persönliche Frage mehr, sondern interessiert plötzlich den Rest der Welt. Kinderlose stehen unter Rechtfertigungsdruck.

Nicht jeder ist für Elternschaft geeignet
Ich glaube hingegen daran, dass das Glück, Kinder zu haben, nicht das einzige Lebensglück auf Erden ist. Und wer nicht davon träumt, wer es sich nicht ersehnt und erhofft – warum sollte man ihn dazu zwingen?
Nicht jeder ist gewillt oder dafür geeignet, Vater oder Mutter zu sein. Die Gründe dafür sind unterschiedlich und individuell, es können Prägungen aus der Kindheit, finanzielle Schwierigkeiten oder Krankheiten sein – körperlich oder psychisch. Manch einer hat vielleicht einen besonders großen Lebenstraum, den er nur ohne Familie verwirklichen kann.

Ledig um des Reiches Gottes willen
Es gab auch schon in früheren Zeiten freiwillige Kinderlosigkeit, denn im Neuen Testament findet sich das Modell der Ehelosigkeit für diejenigen, die sich berufen fühlen, ein Leben für Gott zu führen. Jesus sagt: „Und es gibt Menschen, die verzichten auf die Ehe, um Gott besser dienen zu können. Wer es versteht, der richte sich danach!“ (Mt 19,12). Mit dem Verzicht auf die Ehe verzichtete man in der Regel auch auf Kinder.

Jesus, Paulus und Johannes der Täufer entschieden sich somit offenbar freiwillig dafür, keine leiblichen Kinder zu haben. Ich gehe davon aus, dass sie es taten, weil sie für ihr Leben eine andere Berufung sahen und sich konsequent danach ausrichteten. Würde jemand ernsthaft behaupten, ihr Leben sei unglücklich, verfehlt oder gar sinnlos gewesen?

Verantwortung gegenüber der Gesellschaft
Ein Wort zum Thema “Kinderlose würden Deutschland schaden”: Es stimmt, die Kinderlosen ziehen keine zukünftigen Steuerzahler und Rentenzahler groß. Man könnte aber auch provokant umformulieren: Sie ziehen ebenfalls keine zukünftigen Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger groß. Arbeitslosigkeit ist schon seit langer Zeit ein Problem unserer Gesellschaft, Millionen Menschen sind davon betroffen. Das wird voraussichtlich auch in Zukunft so sein. Wenn sich dies nicht ändert, werden viele der heute Geborenen in Zukunft daher keine Rentenzahler, sondern ebenfalls Sozialhilfeempfänger sein.
Im Allgemeinen halte ich jedoch die gesamte Diskussion über zukünftige Steuer- und Rentenzahler und über die demographische Entwicklung für verfehlt. Sie reduziert den einzelnen Menschen auf seine „Nützlichkeit“ für die Gesellschaft. Das halte ich für menschenverachtend.

Leben im Alter
Lange habe ich über das Thema Altern ohne Kinder nachgedacht. Während meines Studiums jobbte ich in der Altenpflege. Später erlebte ich sechs Jahre lang im familiären Umfeld einen besonders schweren Pflegefall. In dieser Zeit kam ich sowohl in der Familie als auch in der Gemeinde mit vielen älteren Menschen in Kontakt. Oft war ich in Krankenhäusern und Altenheimen zu Besuch, außerdem kannte ich persönlich Krankenpfleger und auch den Leiter eines Altenheimes.

So erfuhr ich: Nicht jeder alte Mensch wird pflegebedürftig, nicht jeder pflegebedürftige ältere Mensch wird von seinen Kindern gepflegt. Manches Mal können oder wollen es die Kinder nicht. Dafür gibt es die verschiedensten Gründe.
Kinder schützen auch nicht automatisch vor Einsamkeit im Alter und nicht jeder kinderlose Mensch ist im Alter zwangsläufig einsam.
Man trägt daher auch seinen eigenen Anteil dazu bei, wie es im Alter aussehen wird. Kümmert man sich um soziale Kontakte oder vernachlässigt man sie? Klammert man sich an seine Kinder, auch wenn das Familienleben unglücklich verlaufen ist oder die Kinder weit weg gezogen sind? Besteht man darauf, in der eigenen Wohnung zu verbleiben oder sucht man nach anderen Formen des Lebens und Wohnens?

Und ist es letztendlich nicht Gott, der zusammen mit uns unserem Leben eine Richtung und Bestimmung gibt? Dies betrifft auch unser Schicksal im Alter und unser Sterben. Bei aller Lebensplanung, die wir betreiben, können wir die Zukunft dennoch nicht absichern. Sie liegt in Gottes Hand.

Richtig – ob mit oder ohne Kinder
Diese Gedanken sind nur Impulse für eigene Überlegungen. Es geht mir nicht darum, ein Lebensmodell gegen das andere auszuspielen. Ich bemühe mich genauer hinzusehen. Gott hat uns als Individuen erschaffen – warum sollten wir dann alle gleich „ticken“? Unsere Schicksale, Lebensmodelle und Berufungen können sehr unterschiedlich sein.

Vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und ich bekomme tatsächlich selbst noch Kinder – aber wenn nicht, wird das Leben eben wie bisher auf eine andere Weise verlaufen. Zusammen mit Gott wird es „richtig“ sein, was auch immer kommen mag. Ob mit oder ohne Kinder.

Vielen Dank an die Redaktion von erf.de und die Autorin für diesen differenzierten Artikel!

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Eine Idee zur Verbesserung der Partnerschaft

Folgendermaßen: Es gibt in meinem Bekannten- und Familienkreis zwei Paare, die ich als abschreckendes Beispiel erlebe, was den Umgang miteinander angeht – Namen werden selbstverständlich nicht genannt.
Wenn ich eines der beiden Paare besucht habe, wird im Anschluss daran meist postwendend mein Verlobter angerufen und mit Dankbarkeit überschüttet: Dafür, dass ich ihn als so viel angenehmer empfinde als den Mann der Freundin beziehungsweise den Umgangston des anderen Paares.
Und ich selbst ertappe mich, dass ich denke: Genauso wie die beiden möchte ich meinen Partner nicht behandeln. Jede Form von Abwertung, Anspruchshaltung und fehlende Unterstützung vermeide ich nach einem solchen abschreckenden Beispiel ganz bewusst.
Ich gebe zu, dass ich manchmal mit meinem Verlobten unzufrieden bin und meine Liebe nicht bedingungslos ist. Ich gebe ebenfalls zu, dass ich mich selbst manchmal alles andere als vorbildlich ihm gegenüber verhalte. Dann bin ich froh, wenn mir eine der “Anti-Ehen” einfällt und ich mich daran erinnere, dass ich es besser machen möchte.

 

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Erster Lagebericht aus der neuen Praxis

Für die neugierigen Leser, die es kurz und prägnant haben möchten:
Ich wusel fröhlich und bis über beide Ohren beschäftigt durch die logopädische Praxis und falle abends tot ins Bett.

Für die neugierigen Leser, die es genauer wissen wollen:
Dafür, dass ich erst seit Kurzem den Arbeitsplatz gewechselt habe, läuft es erstaunlich rund. Ich bin gut gelaunt, verstehe mich mit allen Damen aus dem Team gut, mag meine Patienten, fahre wie wild mit dem Rad durch den Stadtteil (Zweigstelle, Seniorenheim) und hübsche die Therapieräume mit Margeriten auf.
Obwohl ich mehr arbeite bin ich, dadurch dass ich die elende Fahrerei mit der S-Bahn spare, trotzdem täglich früher zu Hause.
Und ein ganz wichtiges Kriterium: Jeder Therapieraum hat mehr Material als meine ehemalige Praxis insgesamt – bis ich das alles gesichtet habe, wird noch einige Zeit vergehen.
Das Einzige, was nicht hundertprozentig rund läuft, ist mein Haushalt – abends lege ich nur noch die Füße hoch und lasse die Eindrücke des Tage sacken.
Immerhin bekam ich heute in der Mittagspause von meiner neuen Chefin das Kompliment, dass bei mir offensichtlich alles reibungslos klappt und sie das Gefühl habe, ich sei schon lange dabei. Schön! Ich will auch gar nicht mehr weg – trotz lauter neuer Patienten und komplett anderer Praxis-Organisation fühle ich mich täglich besser als noch vor Kurzem in der alten Routine.
Ich sage nur (und meine es wortwörtlich): Gott sei Dank!

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Werkstatt: Rote Jacke mit grauer Spitze

 

Diese Jacke von “Eddie Bauer” ist aus einer schönen festen und dennoch leichten Baumwolle gefertigt. Sie saß an mir sehr lose und hatte einen Tunnelzug, der unvorteilhaft aussah. So trennte ich den Tunnelzug komplett ab, taillierte die Jacke in den Seitennähten und fügte Brustabnäher ein. Anschließen steppte ich den ehemaligen Stoffstreifen des Tunnelzugs wieder auf, während ich den darunter liegenden Jackenstoff gekräuselt hielt. Das Band für den Tunnelzug legte ich beiseite, es wird (hierfür) nicht mehr gebraucht – vielleicht an anderer Stelle.
Abschließend setzte ich graue Baumwoll-Spitze als Akzent auf die Taschen und den Kragen.
Nun trage ich die Jacke richtig gern und wurde, während ich sie trug, bereits mehrfach angeflirtet – die Verwandlung von bollerig in feminin ist gelungen!

 

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Spontanes Klassentreffen in der U-Bahn

Heute morgen zog ich mir einen wunderschönen leichten Kaschmir-Traum in lebhaftem azurblau an, dazu eine Hose mit Bügelfalten in mitternachtsblau: Einen sehr feminines Outfit für die Kirche, besonders der weiche Schnitt des Kaschmir-Pullis mit großem Ausschnitt und schmaler Taille, in Verbindung mit der edlen Hose angemessen für den Gottesdienst.
Da es heute, im Vergleich zu den letzten Tagen, empfindlich kühl in Hamburg ist, zog ich meinen schwarzen Wollmantel über und schlang mir sogar noch einen grauen Schal um, den ich in der Kirche als Stola benutzen kann, wenn es in meinem Kaschmir-Traum zu kühl sein sollte.
Ich fasse zusammen: Ein feminines, sexy Outfit, das unter einem dunklen Mantel und einem grauen Wollschal verschwand.
Wen entdeckte ich beim Umsteigen in die U-Bahn? Sebastian (Name geändert), einen ehemaligen Mitschüler aus dem Deutsch-Leistungskurs des Gymnasiums, den ich seit der Abitur-Feier nicht gesehen habe.
Meine Gedanken in Sekundenbruchteilen: “Ist das Sebastian? Das muss Sebastian sein! Oh, super, eine Runde schnacken und hören, wie es ihm so ergangen ist! Äh -wie seh ich aus? Langweilig und fade, mit diesem Mantel und der dunklen Hose… Da weiß doch keiner, was ich Schönes anhabe…Mist…. Wenn der mich sieht, denkt er, ich könnte glatt als Nonne durchgehen, so zugeknöpft wirkt das… blödes Wetter…. schade um das tolle Outfit, kommt gar nicht zur Geltung… egal, renn hinterher und ruf ihn!”
Also lief ich los und rief seinen Namen, als ich nah genug dran war und hinter ihm in die U-Bahn sprang. Und richtig, es war Sebastian. Wir schnackten nett und tauschten uns über die letzten Jahre sowie die Zukunft aus (zumindest seine, zu meiner Zukunft kamen wir nicht, weil er aussteigen musste). Beim Verlassen der Bahn sagte er, er habe es schön gefunden, sich getroffen zu haben – was ehrlich klang.
Trotzdem haderte ich die gesamte Predigt bis in das Abendmahl hinein damit, dass ich meine sexy Kleiderwahl durch meinen schwarzen Mantel versaut habe und meinem ehemaligen Mitschüler nicht beweisen konnte, dass ich sowohl Klasse als auch Raffinesse in Bezug auf meine Kleidung habe. Außerdem ärgerte ich mich, dass ich nicht auf die Idee gekommen war, meinen Diamantring blitzen zu lassen – hey, immerhin das hätte ich doch tun können.
Schließlich möchte jede/r einen guten Eindruck machen, wenn ihr/ihm nach langer Zeit ein verschollen geglaubter Sandkastenfreund oder eine ehemalige Mitschülerin begegnet. Wer möchte nicht ein gutes Bild abgeben in Bezug auf Bildung, Persönlichkeit, Einkommen und Lebensstil?
In meinen Augen ist es ganz logisch, dass man sich wünscht, die Erinnerung aus Jugendzeiten an den oder die Andere durch ein optimales Bild des heutigen Selbst zu korrigieren.
Parallel dazu schämte ich mich, weder der Predigt noch dem Abendmahl konzentriert zu folgen, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, über mein Äußeres und meine Wirkung auf andere nachzudenken. Schließlich sollen die inneren Werte zählen sowie das, was man im Gespräch nicht nur mitteilt, sondern im engen Wortsinn teilt – Erfahrungen, Wünsche, Erinnerungen, Hoffnungen.

Also, Sebastian: Schön, dich getroffen zu haben – auch wenn ich ganz wie die Alte wirkte, habe ich mich dennoch verändert. Das haben wir seit dem Abitur alle, manche auf den ersten Blick, manche erst beim genauen Hinsehen.
Gut, dass wir heute ganz Andere sind als damals und dennoch wir selbst geblieben sind.
Auf die Zukunft!

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