aufmerksam, feminin, glaubhaft

Ihr Standort wird neu berechnet: Wenn wir uns fragen, wo wir uns im Leben gerade befinden

Am Wochenende besuchte ich einen Theater-Workshop, den Hin- und Rückweg fuhr ich mit der S-Bahn. Während ich in meinem Buch schmökerte, schaute ich gelegentlich hoch, wenn wir in eine Station einfuhren, um meinen Bahnhof nicht zu verpassen. Da das Display in den Waggons manchmal falsche Haltestellen anzeigt (und die Ansage ebenfalls gelegentlich falsche Stationen durchsagt), verrenkte ich mir den Kopf, um im Dunkeln die Schilder draußen lesen zu können.
Denn nichts ist so doof, wie sich auf die falsche Ansage zu verlassen und zu kurz oder zu weit zu fahren.

Neulich war genau diese falsche Beurteilung des eigenen Standorts Thema in einem Gespräch. Mein Gegenüber hatte eine lange Leidenszeit hinter sich und fühlte sich darin immer noch gefangen. Ich hatte im Gebet den Eindruck, dass die schmerzhafte Phase der Entwicklung hinter ihr lag und es Zeit war, die Flügel auszubreiten und zu fliegen: Hinein in ein positives Lebensgefühl und neue Horizonte. Darüber war sie sehr erleichtert und freute sich, dass es „nur noch“ die Anpassung der eigenen Perspektive an die veränderten Verhältnisse brauchte, um endlich wieder Freude am Leben zu haben.
So geht es uns oft: Wir haben ein verrutschtes Gefühl für die Lebensstation, die wir gerade passieren oder in der wir stehen.
Wir glauben den Ansagen der anderen, wo sie meinen, dass wir uns im Leben befinden. Oft unterschätzen uns unsere Mitmenschen und entmutigen uns (bewusst oder unbewusst), statt uns dabei zu unterstützen, unser ganzes Potenzial auszuleben. Meist deshalb, weil sie sich selbst nicht trauen, den nächsten Schritt zu tun und deshalb anderen den eigenen Entwicklungsweg abschneiden wollen.
Oder wir verharren in alten Gedankenmustern und Gefühlswelten, die uns vorgaukeln, dass wir zu klein und zu schwach sind, um wirkmächtig unseren Einflussbereich auszuweiten. Gerade nach Zeiten der Krisen, des inneren Umbaus und damit des seelischen Wachstums fällt es uns schwer, zu bemerken, wann wir uns häuten und in einer veränderten Identität in die Luft heben können. Dann glauben wir, eine Station zurück zu liegen, statt zu sehen, dass wir längst ein neues Ziel erreicht haben.

„Ich habe oft darüber nachgedacht, warum manche Menschen mit ihrem Leben Großartiges bewirken, während andere nur wenig bis gar nichts anpacken. Ich weiß, dass das, was wir mit unserem Leben erreichen, nicht nur von Gott abhängt, sondern auch von dem, was in uns ist. Jeder von uns muss sich entscheiden, ob er sich ein Herz fasst und den Mut aufbringt, durch alles hindurch zu gehen: Durch Zeiten der Furcht, Fehler, unfairer Behandlung durch andere, offensichtliche Ungerechtigkeiten und durch all die Herausforderungen des Lebens. Das kann niemand anderes für uns tun. Das müssen wir selbst tun.
Ich möchte Sie ermutigen: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben und für das, was Sie in Ihrem Leben erreichen. Was werden Sie mit dem tun, was Gott Ihnen gegeben hat? Werden Sie Ihre Talente und Ihre Zeit einsetzen oder werden Sie alles verstecken, weil Sie Angst haben?“
Joyce Meyer in „Gib niemals auf“

Damit wir wissen, was in unserem Leben dran ist, müssen wir wissen, wo wir stehen:
Im Stau, wo es weder vor noch zurück geht und wir geduldig im Gebet nach Antworten suchen sollen?
Auf der Überholspur, wo alles wunderbar läuft, aber wir vor lauter Tempo vielleicht den Blick auf das Wesentliche verlieren?
Auf irgendeinem Bahnhof, wo wir schon diverse Chancen verpasst haben, weil wir uns nicht trauten, eine Entscheidung zu treffen und in einen der (Lebens-)Züge einzusteigen?
Eine Station hinter dem Bahnhof, auf dem wir meinten bereits zu sein, sodass es Demut erfordert, bewusst zurück zu gehen und uns neu zu justieren?
Eine Station weiter vorwärts, als gedacht, wo wir es kaum wagen, dem Frieden zu trauen, weil so viel Trauer und Krise hinter uns liegen?

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Licht ins Dunkel tragen: Ideen für uns und andere

Licht ist momentan Mangelware und allgegenwärtig zugleich.
Das Tageslicht fehlt, künstliche Beleuchtung begleitet uns durch den Tag. Oft warten wir im übertragenen Sinn auf Licht, um Durchblick zu haben oder uns innerlich hell und hoffnungsvoll zu fühlen. Vergangene Woche wartete ich auf Licht, da erst nach dem Anbringen der Lichterkette der große Tannenbaum in der Lobby geschmückt werden kann. Mir halfen drei Damen jenseits der achtzig beim Dekorieren der Zweige, während ich oben auf der Leiter herum turnte.

Wenn wir uns nach Aufhellung der Stimmung sehnen, ist die erste Frage, was wir selbst gegen die Dunkelheit tun.
Dunkelheit, die unser Herz verfinstert, können negative Gedanken sein, die wir unbewusst pflegen: Vorurteile, Groll gegen uns selbst oder andere und Lebenslügen, die wir glauben. Enttäuschungen, die uns bis heute klein halten und von denen wir uns die Zukunft begrenzen lassen. Ängste, denen wir uns unterwerfen. Schlechte Angewohnheiten, die uns körperlich und seelisch aus dem Gleichgewicht bringen.
Es hilft wenig, sich nach Licht zu sehnen, wenn wir gleichzeitig die Dunkelheit in unserem Alltag regieren lassen. Ja, auch die Finsternis im Kleinen trägt dazu bei, dass unser Leben nicht die Leuchtkraft entwickelt, die wir uns wünschen.

Kerzen von meinem „Laternen-Nachmittag“ zum Festhalten von Ideen, wie wir Licht zu anderen bringen möchten

 

„Herr, du machst die Finsternis um mich hell,
du gibst mir strahlendes Licht.
Mit dir kann ich meine Feinde angreifen;
mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen.“

Die Bibel, Psalm 18, Verse 29  -30

Ich glaube, dass wir in uns selbst kein Licht entzünden können. Es ist Gottes Liebe und Gnade, die uns berührt und erhellt. Darum können wir konkret bitten.

„Der Herr ist mein Licht, er rettet mich.
Vor wem sollte ich mich noch fürchten?
Bei ihm bin ich geborgen wie in einer Burg.
Vor wem sollte ich noch zittern und zagen?“

Die Bibel, Psalm 27, Vers 1

Wenn wir bewusst Helligkeit und Gutes in unserem Leben etablieren wollen, hilft es, Dankbarkeit zu pflegen. Beispielsweise abends die Rückschau auf den Tag mit den bekannten „Drei Momenten oder Dingen, wofür ich heute dankbar bin“. Gutes einzuladen in Form von Gebeten und Segen für uns und andere hellt den Alltag auf. Ich bin sehr dankbar dafür, dass seit einigen Monaten schon beim Aufstehen fröhliche Lieder als Ohrwurm in meinem Kopf spielen, die Gott loben und mich ermutigen. Oft bin ich schon vor dem Frühstück im Internet auf der Suche nach dem passenden Lied zu der Zeile, die mir in den Ohren klingt, und starte mit Gottes Lob in den Tag.
Wer anderen bewusst offen und freundlich begegnet, erlebt gelungene Begegnungen, die in uns und dem Gegenüber Positives aufleuchten lassen. Ein lieber Kartengruß, ein Telefonat mit lang verschollenen Freundinnen, ein Tannenzweig für die Nachbarn: Statt zu fragen, wer unser Leben aufhellt, können wir selbst Licht in das Dunkel der Mitmenschen tragen. „Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“

Und wenn das viel zu anstrengend ist, weil der Verlust eines Familienmitglieds zu schwer wiegt, der Arbeitsplatz eingespart wird oder eine Depression scheinbar bewegungslos über unserem Leben hängt?

In mir ist es finster,
aber bei dir ist Licht.

Ich bin einsam,
aber du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig,
aber bei dir ist die Hilfe.

Ich bin unruhig,
aber bei dir ist Frieden.

In mir ist Bitterkeit,
aber bei dir ist die Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

Dietrich Bonhoeffer

aufmerksam, glaubhaft

Die Macht der Erwartung

Bildung für jedes Alter und jede Herkunft ist ein wichtiges Thema für mich. Daher möchte ich auf diese Sendung im NDR hinweisen, die sich damit beschäftigt, wie uns die Herkunft und der äußere Eindruck von Menschen beeinflussen.
Was entscheidet den schulischen sowie den anschließenden beruflichen Erfolg: Das Elternhaus? Die eigene Intelligenz? Fleiß und der gute Wille?

Wenn ein ungepflegter Mann sich mitten in der Fußgängerzone an´s Herz greift, taumelt, keucht und zu Boden geht – wer hilft? Und wann? Wer hilft nicht – und warum?
Wenn der gleiche Mann frisch gewaschene Haare hat, einen gepflegten Bart und einen Anzug trägt – was ändert sich an der gleichen Szene?

Können wir überhaupt objektiv anderen Menschen begegnen oder sind wir so schnell mit oberflächlichen Beurteilungen beschäftigt, dass ein zweiter Blick nur schwer möglich ist?

Das Experiment mit Linda Zervakis, Mediathek des NDR

 

Helligdomsklipperne

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Jeunesse dorée

Normalerweise benutze ich mein Blog als Forum, um über Themen zu schreiben, die zu Kreativität einladen, erheitern, bilden, Ästhetik feiern, zum Nachdenken anregen.
Ich vermeide es, über Themen zu referieren, die mich aufregen.
Einfach, weil es genug Negatives in dieser Welt gibt und weil ich viele Menschen treffe, die lieber lästern und abwerten, statt das Wertvolle zu schätzen.
Aber heute muss ich meinen Unmut äußern.
Es regt mich in gewissen Abständen aus bestimmten Situationen heraus auf, wenn ich erlebe, wie Jugendliche durch Gruppendruck und Markenwahn das Geld ihrer Eltern verprassen. Wenn eine Freundin mir erzählt, dass am örtlichen Gymnasium (das ihre beiden Kinder inzwischen Richtung Universität verlassen haben) das Tragen einer bestimmten teuren Jacke notwendig ist, um in der Clique zu bestehen. Alle Welt stolziert nun in dieser besagten Jacke über den Schulhof, Hautsache „gleich“:
An dieser Stelle denke ich an das Zitat „Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher.“ aus „Farm der Tiere“ von George Orwell.
Mir wäre es mit 16 Jahren nie in den Kopf gegangen, warum ich die gleiche Jacke wie bestimmte MeinungsmacherInnen tragen soll. Ich finde es beunruhigend, dass über der Individualität offensichtlich (auch an vielen weiteren Gymnasien Hamburgs) das stromlinienförmige Erscheinungsbild steht.
Seit wann ist die Pubertät dazu da, unreflektiert Standpunkte und Erscheinungsbilder zu übernehmen? Bedeutend erheiternder fand ich damals und jetzt, wenn sich Jugendliche auf der Suche nach einem Sinn und Ziel im Leben unter anderem mit dem eigenen Äußeren beschäftigten und dabei allerhand Kuriositäten entstanden. Wunderbar! Den Mathelehrer interessiert es sowieso nicht! Wenn nicht jetzt experimentieren und „spinnen“, wann dann?
Wenn alle das Gleiche tragen, egal wie die Kleidungsstücke hergestellt werden, wie überteuert sie sind und welches Menschenbild die Marke propagiert (ich sage nur: Abercrombie&Fitch sowie Tochterfirma Hollister), dann ist das in meinen Augen „Verdummen auf hohem Niveau“.
Wer verdient denn das Geld für die „angesagten Teile“?
Im seltensten Fall das verwöhnte Kind selbst. Im „besten Fall“ haben die Eltern keinerlei finanzielle Sorgen, sodass es sich von selbst ergibt, dass das Kind die Konsumgewohnheiten der Eltern übernimmt und es sich, ohne je dafür einen Handschlag getan zu haben, leisten kann, auf jeder modischen Welle zu surfen.
Im „schlechtesten Fall“ versucht das Kind krampfhaft, die weniger begüterten Eltern und sein sparsames Elternhaus gegenüber den KlassenkameradInnen vergessen zu machen, indem es um jeden Preis die überteuerten Markenpullover ebenfalls bekommen möchte.
Wenn Jugendliche Nebenjobs annehmen, um sich ihr Konsumverhalten finanzieren zu können, finde ich es insofern dämlich, als dass Konsumgewohnheiten anderer unkritisch übernommen werden. Es ist aber in meinen Augen allemal korrekter und verantwortungsbewusster, als die Eltern für die eigenen, unausdifferenzierten Wünsche Überstunden machen zu lassen.
Zu meinen Zeiten hieß es noch „Das Aufziehen von Kindern kostet von der Geburt bis zum Auszug einen Lamborghini“.
Ich behauptet, dass es heute „Das Aufziehen von Kindern kostet eine Privatinsel in der Karibik.“ heißen muss.
Traurig, besonders, wenn sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und es offensichtlich schon in Kindertagen wichtig ist, auf „der richtigen Seite“ zu landen.

Koste es, was es wolle.

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Männer und Glaube. Männer und Gottesdienst. Eine schwierige Kombination?

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „AufAtmen“ hat als Schwerpunkt das Thema „Männerglaube“.
Die Autoren beleuchten, warum außerhalb von Vorstand und Renovierungsarbeiten so wenig Männer in der Kirche unterwegs sind – warum sind unsere Gottesdienste und unsere Freizeit-Angebote so intellektuell und einfühlsam, dass Männer damit oft wenig anfangen können? Warum gibt es im Bereich der Jugendreisen Kanu-Abenteuer en masse, aber für Männer maximal öde Gesprächskreise?

Einige Zitate aus der Ausgabe:
„Es müsste mehr klare Vision in der Kirche sein, eine konkrete Orientierung, wozu denn überhaupt Kirche da ist. Zudem haben es die meisten Männer gern, wenn sie ganz konkrete Projekte oder Ziele „in Angriff nehmen“ können. Sie wollen etwas bewegen. Sie wollen es auch in der Regel auf jeweils ihre Weise leidenschaftlich, kämpferisch und mutig tun. Eine Gemeinde, in der man zusammenhockt, weil man sich lieb hat, aber sonst nichts weiter geschieht, trägt für viele meiner Artgenossen in sich den Keim der Langeweile. Romantik ist bei 75% der Männer nicht die primäre Ausdrucksweise des Lebens. Das sollte man auch beim Liedgut bedenken.“
Dr. Heinrich Christian Rust, Pastor

„Mir scheint: So wie Männer Beziehungen auf ihre Art gestalten, gibt es auch eine männliche Art zu glauben. (…) Ein türkischer Kollege brachte es auf den Punkt. Als ich mich mit einer Kollegin darüber austauschte, weshalb unsere Söhne so ungern in den Gottesdienst gehen, sagte er scherzhaft: „Was ihr ihnen bietet, ist nicht attraktiv für sie. Schickt sie zu uns. Wir gehen nach dem Freitagsgebet auf die Straße und protestieren oder stürmen Botschaften. Das wird sie mehr begeistern als eure langweiligen Gottesdienste.“
Was er so scherzhaft und karikierend sagte, hinterfragt unsere Gemeinden und Angebote für Männer treffend. Bibelarbeiten und Gesprächskreise sind nicht jedermanns Sache. (…)
Ich glaube, dass Gott mir die Gaben des Mutes, der Kreativität und der Ausdauer gegeben hat. In den vorgegebenen Fahrrinnen des Alltags aber erlebe ich diese Gaben kaum. Ich bin mir ihrer nicht mehr sicher. In einer verlassenen Gegend im Regen stehend, ohne zu wissen, wo und wie es weitergehen kann, bestätigt er diese Gaben und hilft mir, sie auch dann einzusetzen, wenn im Alltag Dinge anders laufen als geplant.“
Jürgen Deuerlein, Ingenieur

„Eine wichtige Bedeutung hat auch das Bier. Ich will es zwar nicht theologisch überhöhen und die Freunde vom Blauen Kreuz mögen mir verzeihen: Fast alle Männer gaben zu, dass sie die Ausschreibung (Donauradtour für Pilger und Bierliebhaber) ohne den „Bier-Faktor“ zu langweilig gefunden hätten. Die verschiedenen Klosterbrauereien waren am Abend ein Muss. Keiner hat sich betrunken – aber der zungenlösende Einfluss des Bieres beflügelte die offenen und intensiven Gespräche. Da frage ich doch mal provozierend, ob es gegen das Schaffen einer guten Gruppen- und Gesprächsatmosphäre für Männer unter Zuhilfenahme von Bier irgendwelche praktisch-theologischen Bedenken gibt? Für roten Tee kann ich einen positiven Einfluss auf das Gesprächsverhalten von Männern jedenfalls eindeutig ausschließen.“
Stefan Pahl, Pfarrer

 

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Gegen die Sozialisation durch Rollenklischees: Puppenhaus spielen einmal anders!

Meine Reaktion auf das Anschauen der Reportage gestern:
Heute morgen stand ich mit einem kleinen Mädchen, das zum Erstkontakt kam, vor dem Spieleschrank. Ich hatte ihr gesagt, dass wir beide mal schauen, was sie sich zum Spielen aussuchen mag, damit ich erstmal mit Mama reden kann. Nun zeigte ich ihr im Schrank sowohl die Autos und die Baustelle und die Murmelbahn als auch das Puppenhaus, damit sie sich völlig frei von Erwartungen an das Spielverhalten kleiner Mädchen etwas aussuchen kann. Leider waren ihr die Baustelle, die Autos und die Murmelbahn total egal – sie wollte das Puppenhaus. Nun ja, selbst schuld, wenn man eines besitzt…..
Also führte ich mit der Mutter die Anamnese durch und stand anschließend während des Spielens zum Kontaktaufbau mit dem kleinen Mädchen vor der schwierigen Aufgabe, gender-pädagogisch sinnvoll zu spielen.

Dazu ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass anhand der Impulse, die die Erwachsene zu Beginn des Spieles gibt, ganz unterschiedliche Scripte entstehen können – zwei mögliche Szenen der gleichen Ausgangslage:
Szene 1: „Komm, wir spielen mit dem Puppenhaus! Die Mama kocht und der Papa sitzt auf dem Sofa und schaut fern!“
Szene 2: „Komm, wir spielen mit dem Puppenhaus! Die Mama repariert den Fernseher und der Papa kocht so lange schon mal das Essen!“

Ha, es wäre doch gelacht, wenn man derart Mädchen-prädestiniertes Spielzeug nicht verwandeln und damit den alten Geschlechter-Rollen den Garaus machen kann!
Glücklicherweise hatte das kleine Mädchen nichts gegen diese Aufgabenverteilung, sodass Mama selig am Fernseher schraubte und Papa solange Möhren kochte. Bestens.
Jetzt braucht es „nur noch“ Wirklichkeit zu werden.

 

Puppe

Das Bild stammt von The Graphics Fairy