aufmerksam, Gäste & Feste, kreativ

Ideen für einen lebendigen Traugottesdienst

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Gefühlt überall finden derzeit wieder Hochzeitsmessen statt, viele Hochzeitspaare schlängeln sich durch das Labyrinth an Ideen, eigenen Vorstellungen und Angeboten von DienstleisterInnen.

Für mich war damals in der Vorbereitung eine große Frage, wie die passende Stimmung im Gottesdienst entsteht: Es sollte natürlich festlich werden, aber auf keinen Fall steif. Feierlich und gleichzeitig natürlich und persönlich. Wie schaffen wir das?
Als sehr wichtig habe ich offene Gespräche mit unserem Pastor erlebt, ebenso die Überlegungen mit dem Ehrenamtlichen, der für die Musik zuständig ist (in vielen Kirchen gibt es eineN angestellteN OrganistIn oder KantorIn).
Wer meint, dass es das Beste sei, viel getragene Orgelmusik zu spielen, durchwirkt von Geigen und geschluchztem „Ave Maria“, kann eine hervorragende Stimmung für einen Trauergottesdienst produzieren. Das habe ich tatsächlich erlebt, danach musste ich monatelang aufpassen, in Gesprächen nicht aus Versehen „Trauergottesdienst“ statt „Traugottesdienst“ zu sagen. Zutiefst dramatische Klassik kann bei den Gästen zu falschen Assoziationen führen… 😕

Lange habe ich mit einer Freundin gerätselt, wie wir den Einzug als Paar sowie den Auszug am Ende des Traugottesdienstes gestalten. Es wurde dann eine Kombination aus traditionellen Elementen und eigenen Vorstellungen, wobei alle aufwendigen Phantasien aussortiert wurden. Denn: Bei allen großartigen Ideen bleibt die Frage, wer sie vorbereitet und umsetzt – meistens nicht die Braut, die genug anderes organisiert.

 

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Heute entdeckte ich mehrere bunte Ideen, was in der Kirche jenseits von Instrumentalmusik zum Einzug passieren kann: Tänze, Flashmobs und ähnlich Kreatives.

Einzug zu „Sing Hallelujah!“

Flashmob vor dem Einzug der Braut im Mittelgang der Kirche

Etwas langatmig, und der komplette musikalische Bruch am Ende irritiert, sonst wirklich fröhlich:
Einzug der Freundinnen und Freunde vor der Braut

Auszug aus der Kirche mit Tanz

♥    ♥    ♥    ♥    ♥

Wer sich irritiert fragt, was das ganze Gezappel im Gottesdienst soll:
Natürlich besteht die Gefahr, dass durch eine unkonventionelle Aktion der Traugottesdienst sich in die Stimmung des Polterabends einreiht. Dass der Party-Charakter der Hochzeit überwiegt und der Moment, in dem es wirklich auf Inhalte und Tiefgang ankommt, durch Kaspereien verdorben wird.
Andererseits finde ich es gut, einen eigenen Zugang zum Gottesdienst zu finden – gerade für jene, die sonst nicht am Sonntag in die Kirche gehen. Warum sollten sie das komplette klassische Prozedere durchziehen, wenn sie sonst nie etwas mit der Liturgie zu tun haben? Sind die BesucherInnen zum korrekten Vollzug eines traditionellen Ablaufs verpflichtet oder stellt sich das Programm im Gottesdienst in den Dienst des Hochzeitspaars und der Gäste?
Im Übrigen finden vorrangig wir EuropäerInnen Tänze und Lachen in der Kirche seltsam, andere Kulturen gestalten Gottesdienste grundsätzlich mit viel Temperament und Bewegung.
Wer die Bibel aufmerksam liest, weiß außerdem, dass es damals jede Menge Rambazamba gab. Zur Ehre Gottes, natürlich, aber dennoch waren Gottesdienste oft ausgelassen und ausdrucksstark.

 

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Und wer sich wirklich, wirklich, wirklich sehr sicher ist, dass die Partnerin oder der Partner heiraten möchte (und einen öffentlichen Antrag schätzt), kann es mit diesem Fundstück aus dem Netz zum Heiratsantrag versuchen.

aufmerksam, glaubhaft

Buchrezension: „Die Bibel & ich. Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen“ von A. J. Jacobs

Der Autor ist Journalist bei einer amerikanischen Zeitschrift, lebt in New York und ist theoretisch Jude, praktisch aber Agnostiker. Weil er wissen möchte, warum Menschen der Bibel glauben, was genau darin steht und was passiert, wenn er sich an alle darin enthaltenen Regeln hält, beginnt er ein Projekt: Ein Jahr lang möchte er nach den Maßstäben der Bibel „das Richtige“ tun und seinen verloren geglaubten Bezügen zum Judentum eine Chance geben.
Da die Bibel sich in das deutlich längere Alte Testament sowie das wesentlich kürzere Neue Testament aufteilt, beschäftigt er sich acht Monate mit der jüdischen Thora (dem Alten Testament in der Bibel der Christen) sowie vier Monate mit dem Neuen Testament (das nur die Christen haben).
Einerseits versucht er strikt, alle Gesetze einzuhalten (besonders in der jüdischen Tradition sind diese schier unendlich), andererseits lernt er Juden und Christen verschiedener Glaubensrichtungen kennen. Was genau ist das Zentrum ihres Glaubens? Wie leben sie? Was hat das mit Gott zu tun? Ist das sinnvoll?

Am Ende der Experiments hat er nicht nur zwölf exzentrische Monate hinter sich (Trage ein weißes Gewand, befestige daran Quasten. Rasiere dich nie. Blase zu jedem Monatsanfang das Widderhorn. Berühre niemals eine menstruierende Frau, auch nicht, wenn ihr verheiratet seid. Schlachte ein Huhn. Baue dir eine Laubhütte und schlafe darin. usw. usf.), sondern schaut aus einem anderen Blickwinkel auf Gott und den Glauben.
Er ist toleranter geworden und geneigt, an etwas zu glauben, dass jenseits des menschlich Fassbaren liegt.

Dieses Buch empfehle ich sowohl Personen, die sich für „Religiöses generell“ interessieren als auch für „christliche Insider“. Erstere erleben einen humorvollen, locker geschriebenen Rundumblick auf zwei monotheistische Religionen und deren Glaubenspraxis, letztere reflektieren sich und ihre Mitmenschen dabei aus einem neuen Blickwinkel.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Warum ich meine Kirchengemeinde liebe

Heute nach dem Gottesdienst.

Während Christian* die Noten vom Bösendorfer sammelt, gehe ich zu ihm hinüber und frage ihn, ob er Zeit hat, uns am 35.89.2014 bei der Trauung musikalisch zu begleiten.
Daraufhin geht ein Strahlen über sein Gesicht, er versichert mir, dort keinesfalls vorzuhaben in den Urlaub zu fahren und gerne die Orgel und den Flügel für uns zu spielen. Voller Begeisterung beglückwünscht er mich zu dem anstehenden Ereignis, notiert es sich sofort im Taschenkalender, und schwärmt anschließend von Hochzeiten und wie gern er für uns das Musikalische übernimmt und wie gern er an die Hochzeit seiner Tochter im letzten Jahr denkt. Und was ich so vorhabe und wie man das instrumentieren könne und dass wir uns bald etwas Passendes dafür ausdenken sollten. Und wer sich noch so alles anbieten würde, zum Beispiel Louise* mit der Violine, und die bekäme doch sicher aus ihrem Orchester noch SpielerInnen dazu organisiert.
Da Christian voller Begeisterung mit der Planung loslegt und ich nicht zu meinem Verlobten zurückkehre (der bisher gemütlich in der Kirchenbank saß), schlendert er nun doch zu uns hinüber und wird von Christian mit großer innerer Anteilnahme beglückwünscht. Angesichts Christians Rührung (der als Wissenschaftler nun wirklich ein gestandener Mann ist, der stets die Ruhe weg hat), werde ich selbst ganz ergriffen.

Wir gehen Richtung Foyer.
Ich nähere mich zwei älteren Damen im Gespräch, warte kurz, bis sie ihre Aufmerksamkeit auf mich richten und begrüße sie: „Guten Morgen Ingrid*, guten Morgen Gertrud*, ich schleiche mich hier so an, weil ich ein Attentat auf euch vorhabe.“
Gertrud, lachend: „Na, Marie, das habe ich mir schon gedacht!“
Ich: „Ja, folgendes: Wir heiraten am 35.89.2014 und ich würde mich freuen, wenn ihr mir beim Sektempfang helft – als Braut kann ich ja schlecht selbst servieren.“ Dann erkläre ich kurz den Ablauf des Tages und werde herzlich von beiden mit Freude überschüttet:
Ingrid: „Ach, das ist aber schön! Wie freu ich mich da für euch! Wir haben hier auch geheiratet…“
Gertrud: „…und wir auch. Da war der Clubraum gerade fertig, aber da passten nur 40 Gäste rein…“
Ingrid: „- ach, aber wir hatten auch nur 40 Gäste und das ging doch alles gut….“
Beide schwelgen in Erinnerungen und freuen sich, wie gut Vergangenheit und nahe Zukunft zusammen passen. Dann werden sie praktisch:
Ingrid: „Ja, dann komme ich so gegen 13.00 Uhr, das schreib ich mir gleich auf. Und ach, die Ingelore* kannst du auch gleich fragen, ob sie mitmacht.“ (Besagte Ingelore hatte mich vor dem Gottesdienst bei der gleichen Bitte liebevoll gedrückt und versprochen, sollte sie nicht mit Ingrid auf Korsika sein, natürlich beim Servieren mitzumachen. Und wie gern sie das doch täte, wo sie sich doch so genau daran erinnert, wie sie damals die Woche vor ihrer Trauung die ganze Zeit Servietten gefaltet hat.)
Gertrud: „Ja, ich bin auch dabei. Was sagst du, Ingrid? 13.00 Uhr? Ist gut, notier ich mir.“
Beide kritzeln eifrig in ihre winzigen Taschenkalender und fühlen sich kein bißchen zu einem pflichtschuldigen Arbeitseinsatz genötigt.

Anschließend treffen wir im Gemeindesaal auf die anderen Gottesdienstbesucher, wo es zu Ehren eines Missionarspaares Dias von ihrer Arbeit, Franzbrötchen und Brezeln für alle (statt nur Kaffee wie sonst) gibt. Die beiden werden seit vielen Jahren von unserer Gemeinde unterstützt, nun sind sie im Rentenalter und immer noch viel im Einsatz. Während die Ehefrau des Missionars die Dias erläutert, zeigt mir Katja* das Fotoalbum ihrer Hochzeit aus dem letzten Jahr. Natürlich war ich bei der Trauung dabei, aber als angehende Braut hat Frau auf die Dekoration der Kirche und die nötigen „Umbaumaßnahmen“ in Gottesdienstraum und Foyer doch einen anderen Blick. So zeigt sie mir eifrig Bilder und wir tauschen uns sehr offen aus, wie viel Budget für welche Posten zu veranschlagen sind.
Beim Hinausgehen werde ich von Annika* umarmt, die ständig überall in der Welt unterwegs ist und gerade mit ihrem englischen Mann für eine Familienfeier nach Deutschland gekommen ist. Ihr erzähle ich kurz, dass ihr Vater mir letzten Sonntag ihr Hochzeitsalbum mitgebracht und gezeigt hat, damit wir uns besser vorstellen können, wie wir das Ganze planen. Daraufhin berichtet sie mir, was für großartige Ideen sie von einer anderen Hochzeit mitgenommen hat (leider war ihre eigene da schon vorbei…). Aber vielleicht ist es für uns das Richtige?

Mein Verlobter auf der Rückfahrt mit der U-Bahn: „Also ihr Baptisten habt schon eine ganz eigene Euphorie, wenn es um die Gemeinschaft geht. Bei uns Katholiken hätten sich auch alle gefreut, aber die Gemeinde hier sprudelt ja vor Begeisterung, bloß weil wir heiraten!“

Darum liebe ich meine Gemeinde:
Wir bilden ein großes Gefüge, in dem JedeR einen Platz findet. Demnächst gibt es wieder eine Gemeindeversammlung: Dann wird es um Finanzielles und die Pläne für das neue Jahr gehen. Die Wellen werden hochschlagen, es werden alle Plädoyers für ihren Standpunkt halten, es wird heftige Streitgespräche und herzliche Dankesreden geben. Eine schier endlose Reihe an Abstimmungen erfolgt ebenfalls. Das nennt man Basisdemokratie, und die ist uns Freikirchlern wichtig.
Zum Schluss werden wir hungrig und etwas sehr erschöpft zu einem verspäteten Mittagessen nach Hause gehen.
Doch letztlich zählt, dass wir uns im Herzen doch trotz der persönlichen Macken alle gern haben und wissen, dass DER, wegen dem wir uns in der Kirche versammeln, uns noch viel mehr liebt, als das Gemeindeglieder untereinander tun können.

 

*Alle Namen wie immer geändert.

aufmerksam, glaubhaft

Buchempfehlung: „Beten – ein Selbstversuch“ von Klaus Douglass

Der Klappentext:
„Lieber Gott, dasselbe wie gestern. Amen.“
Beten – eine mühselige und eintönige Angelegenheit. So empfinden es viele Menschen. Kein Wunder: Es ist ja auch nicht ganz einfach, sich mit einem Wesen zu unterhalten, das man weder sehen noch hören, noch anfassen kann. Doch Beten kann viel spannender sein, als viele ahnen.
„Durch das Beten öffnen wir uns für die Nähe Gottes. Und je vielfältiger unser Gebet ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, etwas von seinen „Signalen“ aufzufangen. Beten macht uns empfänglicher für die Gegenwart Gottes in unserem Leben. Und die ist ermutigend, stärkend, heilsam, inspirierend und tröstend.“ Klaus Douglass

Ich kaufe selten Bücher.
Die meisten leihe ich mir in der Bücherhalle (der Hamburger Begriff für „Bibliothek“) aus, gelegentlich entdecke ich eins im Antiquariat. Viele Bücher gehen durch meine Hände und verlassen mich wieder, und das finde ich völlig in Ordnung so (Meine Bücherregale sind trotzdem reich gefüllt, aber das nur am Rande).
Da die Bücherhallen keine christliche Literatur verleihen, verirrt sich sehr selten Literatur zu Themen des Glaubens in mein Zuhause – schließlich bin ich als Abonnentin der Zeitschrift „AufAtmen“ auch gut mit Themen der Spiritualität und Theologie versorgt. In diesem Fall sprach mich eine Rezension in der „AufAtmen“ so an, dass ich das Buch „Beten – ein Selbstversuch“ in der örtlichen Buchhandlung bestellte. Meist kaufe ich keine Bücher auf Verdacht, erst Recht keine christlichen, weil ich stets amerikanischen Blödsinn erwarte (der leider auch bei Christen den Buchmarkt beherrscht). So viel zu meiner Haltung „Ich kaufe keine Bücher – nur ausnahmsweise.“
In diesem Fall bin ich sehr, sehr froh, diesen Selbstversuch besorgt zu haben:
Das Buch ist tiefgehend, handfest, pragmatisch, fantasievoll, insprierend, lustig, nachdenklich und zielführend.
Ja, es macht Lust auf’s Beten.
Ja, es zeigt konkret, wie ich beten kann.
Der Autor testet fünfzig Tage lang jeweils eine Art zu beten.
Dabei reicht die Spanne von einer katholischen Wallfahrt über das Schreiben eines eigenen Rachepsalms, tanzendes Gebet, das Malen einer Ikone bis zum Übernachten in einer dunklen, alten Kirche. Der Autor besucht aus Neugier einen russisch-orthodoxen Gottesdienst, probiert die „Perlen des Lebens“ (auch Perlen des Glaubens genannt) aus und versucht immer wieder, das Gebet in den Alltag zu integrieren und Beten und Arbeiten zusammen zu bringen.
Da das Buch ähnlich einem Tagebuch geschrieben ist, ist es gleichzeitig ehrlich und subjektiv. Weil Beten eine sehr persönliche Angelegenheit ist, finde ich diese Herangehensweise sehr passend: Niemand kann ein Lehrbuch über das Beten schreiben, da das Gebet die gelebte Beziehung zu Gott darstellt – und die ist zwischen jeder Person und Gott unterschiedlich. So erlebte ich das Buch nah am Leben und nah am Alltag, was das Umsetzen und Nachahmen mancher Ideen sehr erleichtert.
Jeden Morgen habe ich mich auf ein neues Kapitel während des Frühstücks gefreut und fand es wirklich schade, als das Buch sich dem Ende zuneigte.
Auch im Hauskreis fand der Schreibstil und Humor des Autors Anklang.

Kurz: Wer sich dem Glauben annährt und in die „Praxis“ einsteigen will, sollte sich dieses empfehlenswerte Buch ebenso anschaffen wie diejenigen, die schon seit Jahr(zehnt)en glauben und frischen Wind in ihrer Beziehung zu Gott erleben wollen.

aufmerksam, glaubhaft

Gott ist schon da

Er ist schon da!

Denk daran,
wo immer du dich niederlässt:
Er ist schon da!
Der dich getragen, geprägt,
geführt und befreit hat.
Er ist schon dort.
Der dich in Ungeahntes,
Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm.
Erfahr ihn,

wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Geh – du bist nicht verlassen.
Der Herr zieht mit.

Bernhard von Clairvaux

aufmerksam, glaubhaft

Zum heutigen Gottesdienst

Unser Pastor hat heute wieder eine sehr gute Predigt gehalten:

Aus dem Brief an die Römer, neues Testament, die Verse 4 und 7-10:
„Ob jemand mit seinem Tun bestehen kann oder ob er nicht besteht, das zu beurteilen ist einzig und allein Sache seines Herrn, dem er verantwortlich ist. Und er wird bestehen, denn es steht in der Macht des Herrn, ihn zu bewahren. (…)
Keiner von uns lebt für sich selbst, und auch wenn wir sterben, gehört keiner von uns sich selbst. Wenn wir leben, leben wir für den Herrn, und auch wenn wir sterben, gehören wir dem Herrn. Im Leben wie im Sterben gehören wir dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und wieder lebendig geworden, um seine Herrschaft über alle auszuüben – über die Toten und über die Lebenden.
Woher nimmst du dir da noch das Recht, deinen Bruder oder deine Schwester zu verurteilen?“

Er betonte in seiner Predigt, wie individuell jeder in seinem Glauben ist.
Keiner glaubt wie der andere.
Das Wunder daran ist, dass wir glauben, nicht wie gut wir glauben.
Wir Christen sollen uns freuen, dass andere das gleiche Geschenk bekommen haben und auf ihre ganz eigene Art damit leben – und nicht ständig anderen gegenüber dozieren, wie man „richtig“ glaubt. Das betrifft sowohl den Umgang miteinander in der eigenen Gemeinde als auch in der Ökumene, kirchenübergreifend.
Er betonte auch, dass wir bestimmte Maßstäbe haben und anhand dieser nicht jeden Lebensentwurf gelungen und „richtig“ finden – und dass es trotzdem viele Menschen gibt, die eine Sehnsucht nach Gott haben. Die glauben -auch wenn manche Christen meinen, dass Glauben „anders“ geht, nämlich „korrekt“ und nicht so. Und trotzdem lebt Gottes Geist in jedem, der glaubt.

Heute war ich das erste Mal dabei, das Abendmahl auszuteilen – eine ehrenvolle Aufgabe, die in unserer Gemeinde sonst den Mitgliedern des Vorstandes vorbehalten ist.
Mein Gebet, zum Mitbeten oder Weiterverwenden:

Gott,
danke, dass wir von dir so viel empfangen. Alles, was wir sind, sind wir durch dich.
Danke für unsere Persönlichkeit und unsere Begabungen.
Danke für das, was wir können, und für das, was wir haben. Alles kommt von dir, alles sind und haben wir nur durch dich.
Danke auch für unsere Grenzen – durch sie sind wir ehrlich uns und anderen gegenüber. Durch Grenzen wird unser Blick auf dich, der keine Grenzen hat, gelenkt. Und wir erkennen uns in anderen wieder, die ebenfalls nicht fehlerlos sind.
Bitte segne unser Miteinander.
Amen.

aufmerksam, glaubhaft

Zweckfrei

Einige Gedanken aus der letzten Predigt, die mir noch nachgehen:

Unser Pastor sprach von der „Herrschaft der Effektivität“, die heute viele (alle?) Lebensbereiche durchdringt – auch den Gottesdienst.
Wir stellen uns gerne die Frage „Was bringt mir der Gottesdienst?“, das ist sowohl bei langjährigen Gemeindemitgliedern als auch bei Menschen, die mal herein schnuppern, der Fall.
Ich ertappe mich auch manchmal dabei, nach dem Postludium (Nachspiel) aufzustehen und zu denken: „Naja, so dolle war das nicht, aber vielleicht kann ich beim anschließenden Kaffee noch mit jemandem ein gutes Gespräch führen, was das Ganze wieder raus reißt.“
Aber wer stellt sich die Frage anders herum: „Was bringt Gott der Gottesdienst?“
Es ist im Wort enthalten – ich nehme nicht mir selbst zuliebe teil, sondern ich bin in der Kirche, um Gott zu dienen. Theoretisch. Wie oft ist das wirklich der Fall?

Oder, noch ein drittes Mal gefragt: „Was ist, wenn der Gottesdienst niemandem etwas bringt? Wenn es zweckfreie, geteilte, gemeinschaftliche Zeit ist? Ohne Nutzen, ohne Zweck, ohne Effektivität?“

Wäre das schlimm? Oder wäre es erfrischend entspannt – und dadurch wieder lebendig?
Es ist einen Versuch wert.