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Kindermund: Aufklärung

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Aufklärung die Erste: Ich wurde aufgeklärt
Junge, 6 Jahre alt: „Guck mal, ich hab hier so Haare am Fuß,“ rutschte vom Stuhl, kam um den Schreibtisch und legte mir seinen Fuß auf’s Knie.
Ich: „Das ist das Bein, ja, da hast du kleine Härchen.“
Er: „Fühl mal!“
Dann: „Und am Arm, da habe ich auch Haare. Da.“
Während er zurück um den Tisch auf seinen Platz ging: „Mein Papa hat auch Haare. An den Eiern.“
Ich schaute ihn mit großen Augen an, er präzisierte: „Aber ich nicht. Die hat man nur am Pieschermann, wenn man groß ist.“
Daraufhin leitete ich ihn zügig zurück auf unsere ursprüngliche Aufgabe, bevor er meinte, mich noch weiter aufklären zu müssen.

Aufklärung die Zweite: Ich klärte auf (bezüglich EHEC)
Während ich am PC saß und Berichte schrieb, kam mein Chef rein und sah ratlos aus:
„Normalerweise esse ich ja jetzt immer einen Salat………“
Ich: „Jaaa, mach doch. Ich habe gestern Salat gegessen und vorgestern Gurke.“
Er: „Nee! Wie machst du das denn? Mit ganz viel Abwaschen?“
Ich: „Abwaschen – beten – essen.“
Er: „Mariiie!“ und bekam einen Lachanfall.
Ich: „Na, wirkt doch. Ich bin quitschlebendig.“

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Logopädische Therapie jetzt auch für Spatzen!

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Heute fielen wegen plötzlicher, vorgezogener Urlaubslaune mehrere Patienten aus, sodass ich Berichte schrieb und dann auf einen Schnack meine Kollegin im Nachbarzimmer besuchte. Während dessen hatte ich eines der beiden Fenster weit offen, weil die Luft in der Praxis oft sehr stickig ist.
Als ich in meinen Therapieraum zurück kam, erschrak ich plötzlich:
Im Regal saß, mit schiefem Flügel, ein junger Spatz – ausgewachsen, aber noch wie ein Jungvogel aussehend. Vor Schreck hastete ich zurück ins Zimmer meiner Kollegin, die nun gerade telefonierte, was sich mit vielen mitfühlenden „Ja“s und „Hm“s hinzog.
Als sie auflegte und ich ihr die Situation schilderte, rief sie völlig entzückt:
„Ein Spatz! Ohhh, ein Spatz! Na sowas! Wo ist er denn?“
Wenige Sekunden später nahm sie behutsam, aber nachdrücklich den Spatz hoch, trug ihn zum Fenster und ließ ihn weg flattern.
Er segelte mit schiefem Flügel quer über den Platz auf den Kindergarten zu, machte direkt vor der Mauer eine kleine Wendung und sauste nun diagonal dem Wasser entgegen. Den Brückenpfeiler verpasste er knapp und landete holprig auf der Brücke.

Das war noch einmal gut ausgegangen…

 

 

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Buchempfehlung: „West End Girls“ von Jane Green

Das Buch „West End Girls“ spielt in London und handelt von einer Clique junger Erwachsener Anfang dreißig, die sich noch aus Unizeiten kennen:
Cath, die Ich-Erzählerin, hat sich nach einer katastrophalen Beziehung im Single-Dasein eingerichtet, ist mit sich als Person und ihrem Leben insgesamt unzufrieden und gleichzeitig zu ängstlich, um ihre Komfort-Zone zu verlassen.
Tim ist ihr bester Freund, homosexuell (natürlich, wie in allen diesen Romanen) und eifrig auf der Suche nach dem perfekten Mann.
Josh ist ruhig, intelligent und verlässlich, er hat die natürliche und selbstbewusste Lucy geheiratet, die er im Ski-Urlaub kennen lernte. Mit ihr hat er einen Sohn, Max, der die Protagonistin nicht ausstehen kann und sich oft als Flegel aufführt. In ihrem Haus wohnt das schwedische Au-pair-Mädchen Ingrid, das gut mit Max zurecht kommt, ansonsten aber sowohl bei den Figuren des Buches als auch seitens der Leserin viel Antipathie auslöst.
Fehlt nur noch Portia – eine kühle, sarkastische Schönheit, die zu Unizeiten die Clique dominierte und von allen verehrt wurde. Aufgrund ihres intriganten Verhaltens wandten sich gegen Ende des Studiums alle von ihr ab, verfolgten aber doch aus der Ferne mit Neid ihren Aufstieg in der Medienbranche – bis sie plötzlich verschwand.
Der Roman handelt größtenteils davon, wie die Protagonistin Cath sich dem Leben öffnet, Mut fasst und Schritte in eine neue Richtung wagt: Sie gibt ihren Job auf und eröffnet mit Lucy zusammen ein Buchcafé. Dabei ist sie für die Bücher zuständig und Lucy für den kulinarischen Teil. Während dessen lernt Cath viel über sich selbst, erweitert ihren Handlungsspielraum und hat plötzlich sogar einen Verehrer, der ihr Herz verdient. Cath versucht, zu Portia Kontakt aufzunehmen, weil sie es bereut, ihre ehemals beste Freundin aus den Augen verloren zu haben und immer noch eine innere Lücke spürt, die sie hinterlassen hat. Zusätzlich ist der Clique aufgegangen, dass die Lieblings-Serie im Fernsehen, die sie alle sehr gern anschauen, aus Portias Feder stammt und dass sie alle darin vorkommen. Dabei wird keine/r von ihnen positiv dargestellt…
Zur Eröffnung des Buchcafés taucht Portia auf und plötzlich nimmt die Handlung zusätzlich an Fahrt auf, als sich der Verdacht ergibt, dass sie ein weiteres Mal eine Intrige spinnt. Während Cath an James, dem sympathischen Verehrer aus der Nachbarschaft, interessiert ist aber es nicht auf die Reihe bekommt, dies auch zu zeigen, verändert sich auch im Leben der anderen vieles.
Die Moral von der Geschicht: Am Ende des Buches sind alle ein gutes Stück erwachsener und sehen das Leben aus einem neuen Blickwinkel.

Ich empfehle das Buch, weil es sehr realistisch erzählt und dabei gut geschrieben ist:
Detailliert, aber in der Handlung straff. Dass der übliche „beste Freund mit homosexueller Neigung“ vorkommen muss, wie in allen Frauenromanen der letzten Jahre, ist zu verschmerzen.

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Warum sind Frauen „Schlampen“, Männer grundsätzlich nicht?

Heute hatte ich einen kurzen Wortwechsel mit einem Mann, der mir von einer gestrigen Beobachtung erzählte:
Nach dem Angeln gesellte sich die Freundin eines Mannes aus der Runde, Mitte zwanzig, zu ihnen. Sie sei sehr offenherzig bekleidet gewesen (es folgte eine knappe Beschreibung ihres Outfits) und habe sich als Erstes beschwert, dass sie auf dem Weg zum Treffpunkt von fremden Männern „angemacht“ worden sei.
Daraufhin erfolgte (als scheinbar logische Konsequenz) die Antwort meines Gesprächspartners: „Die muss sich doch nicht wundern, wenn sie sich so anzieht!“

Wenn Frauen sich freizügig kleiden, liegt das in ihrer Verantwortung.
Wenn Männer eine freizügig gekleidete Frau sehen, liegt es in ihrer Verantwortung, ihre Zunge zu zügeln und nicht dem Diktat dessen zu folgen, was ihr bester Freund aus der Hose verlauten lässt.

Es ist furchtbar, dass Männer sich das Recht heraus nehmen, Frauen zu beurteilen und zu erwarten, dass Frauen sich diesem Urteil unterwerfen.
Und es ist furchtbar, dass wir Frauen es gar nicht anders erwarten und unseren inneren Seelenfrieden erst erlangen, wenn ER gesagt hat was er von unserem Körper, unserer Kleidung, unserem Beruf, unserer Freizeitgestaltung usw. hält. Dieses Urteil erleben wir (auch ich) als Wahrheit und denken: „Jetzt weiß ich, was ich tun muss, damit ich endlich richtig bin.“

Warum können deterministisch (also grundsätzlich und als festgelegte Regel in dieser Welt) nur Frauen Schlampen sein, Männer aber nie?

Warum dürfen Männer sich alles heraus nehmen, was sie wollen, und ernten brüllendes Gelächter seitens der Kumpels und stillen Respekt seitens der Frauen angesichts ihrer Unverfrorenheit, wohingegen Frauen stets bekrittelt und auf ihr Äußeres reduziert werden?
Warum sind Frauen, die deutliche Worte sprechen, „Zicken“, während dominant auftretende Männer „tolle Typen“ sind?

Wenn ein Mann zu seiner Freundin sagt: „Du musst abnehmen, so lasse ich mich nicht vor anderen mit dir an meiner Seite sehen,“ ist das in Ordnung.
Wenn eine Frau zu ihrem Freund sagt: „Du musst abnehmen, so lasse ich mich nicht vor anderen mit dir an meiner Seite sehen,“ ist das nicht in Ordnung.
Wie pervers ist diese Welt?

Ich beziehe mich auf den Artikel vom 18. 05. 2011 und stelle fest:
Bis die Emanzipation der Frau vollzogen ist und sie alle Rechte dieser Welt in Anspruch nehmen kann, ist es noch ein verdammt langer Weg.
Der erste Schritt: Frauen mit Respekt behandeln.

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Kindermund im Gottesdienst

Im Anschluss an das Gebet des Pastors, in die Stille nach dem „Amen“ hinein, klang heute die zarte Stimme einer Einjährigen: „Amen!“
Daraufhin sagte der Gemeindeleiter in das Gelächter hinein:
„Aus dem Mund der Kinder erklingt dein Lob“, ein Zitat aus Psalm 9, Vers 3
(nach der Übersetzung „Hoffnung für alle“).

 

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Gewohnheiten auf den Kopf stellen

Ich liebe gutes Essen. Und Freunde. Und Tischgemeinschaft.
So kam es, dass ich mich mit einer Freundin statt abends nach der Arbeit morgens vor der Arbeit verabredete: Auf der Suche nach einem passenden Termin kamen wir darauf, dass wir beide sehr gerne frühstücken und mit der Arbeit an manchen Tagen in der Woche erst spät am Vormittag beginnen. Da bot es sich an, mit der S-Bahn ein paar Stationen zu fahren, Brötchen zu kaufen und zwei nette Stunden bei meiner Freundin zu verbringen, um anschließend mit der Bahn weiter zur Arbeit zu fahren.
Zuverlässigkeit und Disziplin sind mir sehr wichtig, von daher musste ich die Uhr im Auge behalten, um rechtzeitig aufzubrechen und pünktlich in der Praxis zu sein. Dementsprechend ist es abends, wenn das Tagwerk erledigt ist, entspannter.
Grundsätzlich kann ich es empfehlen, Gewohnheiten in Frage zu stellen und die Dinge anders zu handhaben als normalerweise. Je öfter wir etwas anders angehen als die Routine uns vorzuschreiben scheint, wird das Leben spannender, kreativer und lebenswerter. Je unterschiedlicher unsere Erlebnisse sind, desto mehr erinnern wir später – Gleichmaß und Strategien wie „Das haben wir immer so gemacht“ lassen das Leben im Rückblick verkürzt und flach aussehen.

„Du kannst dein Leben nicht verlängern,
nicht verbreitern,
nur vertiefen.“

Gorch Fock

 

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„Das Schmuckstück“ oder: Wie lange braucht es noch, bis die Emanzipation der Frau vollzogen ist?

Heute war ich mit meinen Hauskreis-Freundinnen im „Magazin“ (Fiefstücken), um „Das Schmuckstück“ von Francois Ozon mit Catherine Deneuve zu sehen. Abgesehen von dem Personenkult um „la Deneuve“ und die übertriebene Theatralik ein guter Film.
Auf dem Heimweg fragte ich mich:
Wie lange dauert es noch, bis die Emanzipation der Frau a) deutlich vorwärts geht und b) vollendet ist?
Ich hoffe, dass ich erst sterbe, wenn Frauen alle Möglichkeiten der Welt offen stehen – muss aber pessimistisch mit weiteren Jahrzehnten, in denen es einen Schritt vor geht und zwei zurück, rechnen.
Ja ja, Frauen können heute tun und lassen, was sie wollen.
Sagt man.
Hört man.
Dass dem nicht so ist, sieht jede/jeder, wohin sie/er auch schaut. In Wirklichkeit hören die Zwänge, wie eine Frau leben soll, nicht auf – alte Zwänge werden durch neue ersetzt, nichts bewegt sich. Und was sich bewegt, wird in den nächsten Jahren wieder rückgängig gemacht.

Dass vorrangig die Mütter ihre Kinder in die logopädische Praxis begleiten, finde ich bedauerlich und gleichzeitig typisch. Wenn dann doch einmal „aus Versehen“ der Vater das Kind bringt, läuft das meist wesentlich holpriger und emotional kühler ab. Zwar frage ich die Väter grundsätzlich genauso wie die Mütter vor Beginn der Stunde, wie die häuslichen Übungen während der Woche klappten. Trotzdem kann ich davon ausgehen, dass die Väter keine Ahnung haben und sich durch meine Frage auch nicht verleiten lassen, sich pädagogisch mehr zu investieren.

Schade, dass den Männern meiner Generation dieses Thema so egal ist.
Und schade, dass wir jungen Frauen ebenfalls nicht richtig wissen, wie wir es anpacken sollen.
Umso angenehmer, wenn es Menschen wie den Phoniater Dr. Graf von Waldersee gibt, der ein interessantes Buch über „Gewalt und die zu hohe Stimme der Frau“ geschrieben hat. Ein Arzt, der mich als (unter ihm stehende) Logopädin zurück ruft, sich Zeit nimmt, am Austausch interessiert ist und mir „noch einen schönen Mai“ wünscht. So heute geschehen.
Inwieweit er auch im beruflichen Alltag eine Lanze für Frauen bricht, weiß ich nicht.
Aber so zugewandte, intelligente Männer gibt es selten. Wenn es mehr davon gäbe, wäre die Mission der weiblichen Emanzipation wesentlich leichter zu bewältigen.

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Letzte Gelegenheit: Rhododendron-Blüte im Stadtpark

Für alle HamburgerInnen, die noch nicht zur Rhododendronblüte im Stadtpark waren:
Ein Drittel der Büsche ist bereits verblüht, viele blühen noch und einige sind etwas später so weit, an manchen Büschen sind bisher erst Knospen. Bereits wenn man sich dem Areal nährt, riecht man all die Azaleen und Rhododendren. Dazwischen blühen im Schatten unter den Kiefern noch (letzte) Hasenglöckchen. Überall summt und brummt es und zwischen den Zweigen hüpfen Finken herum – herrlich.
Aber: Nur noch für kurze Zeit!

 

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Lausige Männerquote bei kulturellen Veranstaltungen

Dass ich die Veranstaltung „Goldene Märchen und Mythen von der grünen Insel“ im Bürgerhaus Barmbek besuchte, ist inzwischen gut drei Wochen her. Neben den wunderschönen Erzählungen ist mir eine Beobachtung noch lebhaft in Erinnerung:

Ganze vier Männer besuchten diesen Abend:
Einer davon war der Mann der Erzählerin, zwei davon schliefen und ein dritter befand sich außerhalb meines Blickfeldes.

Jaaaa, okay, „Märchen und Mythen“ sind kein typisch männlich besetztes Themengebiet. Trotzdem gibt es viele Veranstaltungen, auch von Männern gestaltete, die weit und breit kein Mann aufsucht. Oder mal einer. Maximal zwei.

Und die Männer, die anwesend sind, wurden oft genug von ihren Frauen dorthin gezerrt (liebevoll gezerrt, aber trotzdem).
Wie kann es sein, dass Frauen an Kultur und an neuen Themen zur Erweiterung des gedanklichen Horizonts so viel mehr Interesse und Eigenmotivation haben als Männer?

Das Einzige, was von Männern gut besucht wird, sind Orte und „Events“, bei der sehr viele sehr flirtbereite junge Frauen unterwegs sind. Diesen Männern geht es aber nicht um die dort dargebotene Kunst… Oder man sieht lauter Homosexuelle, die sich unter den Besuchern weitere Gleichgesinnte erhoffen.

Wäre ich darauf angewiesen, in der Freizeit einen niveauvollen Mann kennenzulernen, ich würde verzweifeln.