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Hamburgs heimliche Höhepunkte: Heideblüte im Wittmoor

Ein kleines Quiz für alle Hamburgerinnen:
Sehen wir hier ein Foto aus der Lüneburger Heide in Niedersachsen?
Oder aus der Fischbeker Heide an Hamburgs südlichem Stadtrand?
Oder aus dem Wittmoor an Hamburgs nordöstlichem Stadtrand?

Tatsächlich blüht aktuell die Heide im Wittmoor zwischen Lemsahl-Mellingstedt, Duvenstedt (beides Hamburg) und Norderstedt (Schleswig-Holstein).
Der NABU veranstaltet hier öffentliche Führungen und freut sich anschließend über eine kleine Spende.

Neben Heideflächen gibt es ausgedehnte Wiesen, Waldstreifen, Sümpfe und viele Obstbäume von früheren Siedlern.

Die große Artenvielfalt beinhaltet auch Eidechsen und Kraniche.
Eine geführte Wanderung lohnt sich besonders, um einen ersten Einblick in das Naturschutzgebiet zu bekommen und Wissenswertes über die Geschichte des Moores zu erfahren.

Das Wittmoor ist zu erreichen über die Straße „Fiersbarg“ in Lemsahl-Mellingstedt mit der gleichnamigen Bushaltestelle der Linien 176 und 276. Ebenso über die Straße „Mesterbrooksweg“ in Duvenstedt, gleiche Buslinien. Beide starten bzw. enden am S-Bahnhof „Poppenbüttel“. Oder über Glashütte und die Buslinie 278, die zum U-Bahnhof „Ochsenzoll“ fährt. Oder mit der Buslinie 178, die zwischen der S-Bahnstation „Poppenbüttel“ und der U-Bahnstation „Garstedt“ verkehrt.

Bisher erschienen unter „Hamburgs heimliche Höhepunkte“:

Rund um das Bergedorfer Schloss
Spaziergang zum Wellingsbüttler Torhaus
Grüne Perlen entlang der Alster
Historische Architektur und romantische Ecken am Leinpfad

Ausflug außerhalb Hamburgs zum Dassower See und Pötenitzer Wiek

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Ausflug außerhalb Hamburgs: Am Dassower See und Pötenitzer Wiek entlang zur Ostsee

Alter Speicher in Dassow

 

Die Trave hat zwischen Lübeck im Süden und Travemünde im Norden zwei große Ausbuchtungen, den Dassower See und die Pötenitzer Wiek. Beide wollte ich seit dreizehn Jahren besuchen, und endlich hat es geklappt.

 

Lübecker Straße, Dassow

Eine Warnung vorab: Den Dassower See kann man nicht umrunden und „nur aus der Ferne genießen“, wie ein Anwohner uns erzählte. Dassow selbst ist auch keine Attraktion, insofern reicht es völlig, auf dem Weg zur Pötenitzer Wiek durch Dassow zu fahren. Dem „Travemünder Weg“ folgend Richtung Johannstorf bietet es sich an, in die Straße „Am Hof“ abzubiegen und dort das verlassene „Schloss Johannstorf“ zu besuchen.

 

Torhaus von Gut Johannstorf

 

Hier wurden Teile des Films „Das weiße Band“ gedreht. Verfallene Gebäude flankieren ein Gutshaus, das äußerlich schön renoviert im Schlaf zwischen Baugerüsten verharrt. Wer weiß, wie es innen aussieht und wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden? In unmittelbarer Nähe liegt das Gut Benckendorf, zu erreichen über einen Fußweg hinter Gut Johannstorf oder von der „Schulstraße“ aus.

 

 

Von Johannstorf aus fuhren wir die „Seestraße“ entlang, bis wir die nicht ausgeschilderte „Puschkinstraße“ erreichten. Sie ist an einem alten Reetdachhaus mit malerischem Garten neben einer Obstwiese zu erkennen. Dort parkten wir das Auto und folgten dem Pfeil „Zum See“.

 

 

Wer jetzt feste Schuhe, am besten Gummistiefel, trägt, ist klar im Vorteil. Durch einen leicht sumpfigen Waldstreifen gelangt man in eine kleine Allee, die in eine abgeschiedene Wiese am Seeufer mündet. Ein Klappbank wartet auf BesucherInnen, die sich ringsum an wilden Äpfeln, Pflaumen, Kirschen und Mirabellen bedienen können. Wer mag, schleicht am Uferrand durch´s Schilf und erkundet mehrere kleine Buchten.

 

Pötenitzer Wiek

 

Wir entdeckten neben dem Obst prächtige Weinbergschnecken und aromatische wilde Pfefferminze. Entsprechend witzelten wir, dass uns nur der Wasserkocher für ein französisches Mahl auf dem Lande fehlen würde und auch die Minze nur auf einen Cocktail wartete…

 

 

Leider fanden wir den Wanderweg zwischen Johannstorf und Pötenitz  auch dann nicht, nachdem wir uns tapfer auf einem Wildpfad durch die Vegetation geschlagen hatten.
Entsprechend kehrten wir zum Auto zurück und fuhren über Pötenitz und Harkensee (mit einem tollen, leuchtend gelben Gutshaus) nach Groß Schwansee.
Unterwegs kamen wir an vielen kleinen Straßenständen mit Obst, Gemüse, Eiern, Honig und hausgemachter Marmelade vorbei. Nach der Weinbergschneckenvorspeise hätten wir uns hier mit allem, was das weitere Menü verlangt, eindecken können 😉 Tatsächlich nahm ich wunderbare gelbe Mirabellen mit, wie immer gegen einen Obolus in die Vertrauenskasse.

 

 

Den etwas widersprüchlichen Hinweisen zum Schlossgut Groß Schwansee durch die Landschaft folgend sinnierten wir über die Bedeutung des Begriffs „Brasserie“. Grundsätzlich in noblen Urlaubsorten sowie hochpreisigen Hotels beheimatet hatten wir bisher nicht herausfinden können, was eine Brasserie kennzeichnet. Leider erschloss sich die ungeklärte Bedeutung auch nicht beim Besuch der dortigen Lokalität, in der es uns davon unabhängig gut gefiel.
Insgesamt sieht man dem Gebäudekomplex in Groß Schwansee sein Alter nicht an. Das historische Schlossgut ist zu Tode saniert und wirkt wie ein glattpolierter Neubau. Der ehemalige Pferdestall ist vielleicht alt, tut aber vielleicht auch nur so und ist ein ebenso geleckt wirkender Bau. Völlig unnötig ist das gegenüberliegende „Parkgebäude“, eine große verglaste Schuhschachtel mit Gästeappartements. Auch der Park ist recht klein und lädt nicht unbedingt zum Spazieren ein.

 

Schlossgut Groß Schwansee

 

Dafür ist die Allee an die Ostsee wirklich schön und der Strand übersichtlich und naturbelassen. Alles in allem passend für einen kurzen Aufenthalt, Heiraten oder Urlauben würde ich hier nicht.

 

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Hamburgs heimliche Höhepunkte: Grüne Perlen entlang der Alster

 

Wer gerade einen Besuch bei FreundInnen in den Hamburger Stadtteilen Alsterdorf, Groß Borstel und Eppendorf plant oder dorthin zieht, erfährt heute Wissenswertes über schöne Parks am Wasser. Auch TouristInnen entdecken Tipps abseits der bekannten Pfade und vor allem viel Grün direkt an der Alster.

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Die Alsterkrugchaussee ist eine eigentlich laute Durchgangsstraße, die den Flughafen mit der City verbindet. Hier liegt ein kleiner Park, der besonders durch die architektonisch angelegten Mauern begeistert. Von den AnwohnerInnen wird er für Sport und Entspannung genutzt, und fast hätten wir hier die Fotos unseres Hochzeits-Shootings aufgenommen (wäre der Rasen nicht so nass gewesen….). Ein großes Becken rahmt die Alster, gesäumt von vielen Treppen und grünen „Sonnendecks“. Jenseits der Rushhour ein echter Geheim-Tipp für alle, die mit dem Rad die Stadtteile durchqueren…
Gegenüber liegt das Eppendorfer Moor, auch „Klotzenmoor“ genannt. Wer lieber urigen Wald und kleine Teiche mag, braucht nur die Straßenseite zu wechseln.
Der Park an der Alsterkrugchausse ist mit den Bussen 39 und 292 erreichbar, Haltestelle „Alsterkrugchaussee  244“.

 

 

Wer mit dem Rad unterwegs ist, folgt der Alsterkrugchaussee Richtung City. Nach der großen Kreuzung aus Borsteler Chaussee und Deelböge gleich links halten und noch vor der Brücke in den Salomon-Heine-Weg abbiegen. Entlang der Tarpenbek lässt es sich wunderbar radeln, und schon nach wenigen Metern öffnet sich der kleine Fluss zum Eppendorfer Mühlenteich: Hier überwintern die Alsterschwäne.
Der Salomon-Heine-Weg läuft in einem spitzen Winkel auf die Straße Meenkwiese zu. Beides sind sehr kleine, recht ruhige Straßen, und die Meenkwiese ist deutlich größer als der Park an der Alsterkrugchaussee. Hier treffen sich die Familien des Stadtteils, die frische Luft und Sport statt Eppendorfer Schickimicki bevorzugen.

 

 

In der Mitte befindet sich eine große Wiese mit alten Bäumen und Bänken.
Rundherum verläuft auch hier eine Mauer mit vielen architektonischen Blickfängen und Treppen zum Wasser. Entlang der Mauer haben LiebhaberInnen viele Blumenbeete angelegt und Kunst zwischen die Bäume gehängt: Wunschbäume, halb vergrabene Kunstwerke und andere Überraschungen warten auf die BesucherInnen.

 

 

Überall sind Familien und StudentInnen unterwegs, liegen Fahrräder im Gras, wird gespielt und gegrillt. Am Rand des Parks sind in ruhigen Ecken SeniorInnen zu entdecken die lesen, während ein kleiner Hund zu ihren Füßen liegt.

 

 

Durch die umliegenden Bootsverleihe ist die Alster voller Kanus, Tretboote und Stand-Up-Paddler. Mittendrin eine Gruppe Frauen, die auf ihren Boards Yoga üben. Im Hintergrund ist ein klassischer Alsterdampfer unterwegs, der die hamburger Idylle komplettiert.

 

 

Auf der anderen Seite des Parks liegt das „Bootshaus Barmeier“, das dieses Jahr hundert wird – eine Hamburger Institution zum Ausleihen von Kanus, zum Kaffeetrinken und Entspannen.

 

 

Wir verlassen die Meenkwiese über eine Brücke, radeln durch den Hayn Park mit dem verfallenen Tempelchen und biegen in die Eppendorfer Landstraße ein.
Hier warten Eisdielen, traditionsreiche Geschäfte und große Kastanien auf BesucherInnen.

 

 

In der Eppendorfer Landstraße 111 arbeitet Herr Schiek, ein sehr netter Ur-Hamburger, bei offener Tür in seiner Korbflechterei.
Er repariert Stühle nach alter Tradition und lässt sich dabei gern über die Schulter schauen.

 

 

Mit großer Geduld setzt er alte Stühle wieder instand und verkauft diese Handarbeit zu fast lächerlichen Preisen. Unbedingt vorbei schauen!

 

 

Unser Ausflug endet in der traditionsreichen „Konditorei Lindner“ mit hervorragenden Torten und sehr leckeren Salaten sowie kleinen Gerichten. Wer danach wieder taufrisch ist, bummelt durch eine lange Reihe inhabergeführter Geschäfte oder läuft noch ein paar Meter durch die Goernestraße zum historischen Holthusen-Bad und Spa…
Müde Füße steigen gegenüber der Therme an der Station „Kellinghusenstraße“ in die U-Bahnen U1 und U3, auch viele Busse und Schnellbusse halten hier. In nur zwölf Minuten ist so der Hauptbahnhof zu erreichen.
Wer direkt zu Meenkwiese möchte, fährt mit der U1 oder einem Bus zur Haltestelle „Lattenkamp“.

 

 

Wer noch frisch und munter ist, kann in südlicher Richtung der Alster am Leinpfad Richtung Innenstadt folgen: Den entsprechenden Spaziergang habe ich hier veröffentlicht.

Weitere heimliche Höhepunkte in Hamburg:
* Das Bergedorfer Schloss
* Das Wellingsbüttler Torhaus (ebenfalls an der Alster, aber einige Kilometer weiter nördlich als die hier beschriebene Tour)

Ausflug außerhalb Hamburgs: Vom Dassower See entlang der Pötenitzer Wiek zur Ostsee

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Eintritt frei: Kostenlose Veranstaltungen in Hamburg

Zarte Rose

 

Jetzt habe ich in den letzten Wochen diversen Personen von den „Kulturlotsen“ erzählt und während eines Seminars (als Teilnehmerin) einen Stehgreif-Vortrag darüber gehalten, weil es mir gerade passend schien, und habe mein eigenes Blog dabei völlig außer acht gelassen. Passiert.

Also, die „Kulturlotsen“ sind ein Verein ehrenamtlicher Interessierter, die auf ihrer Website kostenlose Veranstaltungen in Hamburg sammeln. Mit der Hilfe vieler HamburgerInnen, die über ein Formular selbst Events melden können. Diese werden geprüft, um fehlende Informationen ergänzt und online gestellt. Für alle Generationen sind Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Führungen, Filme und vieles mehr im Angebot.
Ziel ist, Menschen mit wenig Geld den Besuch von Veranstaltungen zu erleichtern, indem nur kostenlose Angebote veröffentlicht werden. SeniorInnen, die mit geringer Rente auskommen müssen und gerne in Gesellschaft sind werden ebenso angesprochen wie Kinder mit Migrationshintergrund, die selten Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Auch Menschen mit Behinderungen werden mit möglichst vielen Informationen zum Thema „Barrierefreiheit“ versorgt, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen.

Warum schreibe ich darüber?
Zum Einen, weil ich diesen Verein großartig finde, der sich für die Personengruppen im reichen Stadtstaat Hamburg einsetzt, denen der Zugang zu Kultur oft schwer gemacht wird. Unnötiger Weise, wie das breite Angebot an kostenlosen Möglichkeiten zeigt.

Zum Anderen, weil jeder Verein von Mitarbeit lebt: Durch Menschen, die kostenlose Veranstaltungen melden. Durch Menschen, die hinter den Kulissen redigieren. Und durch Menschen, die zu denen gehören, die etwas abgeben können und den Verein finanziell unterstützen.
In diesem Sinne lade ich herzlich dazu ein, diese sinnvolle Möglichkeit von „Kultur für alle“ zu fördern.

 

Üppige Rose

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In Erlebnisse investieren

Der Tipp, öfter für Erlebnisse Zeit und Geld aufzuwenden als Dinge zu kaufen, ist sicher Vielen bekannt. Das Wochenende begann mit dem Kurs „Business Knigge“ und endete heute in der (Veranstaltungs-)Küche zum Thema „Kochlust im Glas“  (Wobei die beiden Veranstaltungen nichts miteinander zu tun hatten; für alle, die sich nach dem tieferen Sinn fragen…).
Warum ich Kurse liebe:
– Ich lerne Spannendes und das befriedigt meine Neugier sowie meinen Drang, mich weiter zu entwickeln.
– Ich treffe immer sympathische Menschen, manche wurden zu Freundinnen und Geschäftspartnerinnen. Und wer glaubt, „hier in Klöckenstedt/ Büttenwarder/ Daglfing ist bestimmt niemand Nettes dabei und die Kursleiterin ist vielleicht eine Gewitterziege/ der Kursleiter ein arroganter Choleriker“: Nein, ist mir noch nie passiert. Weder bei beruflichen Fortbildungen noch auf meinem privaten Weg.
– Jedes Mal verlasse ich inspiriert den Gruppenraum. Wer liebt es noch, inspiriert zu sein? Von mir aus könnten wir den Euro gegen Inspirationen als Währung umtauschen, es wäre sicherlich interessanter und friedlicher auf der Welt.
– Allein die Architektur der Veranstaltungsorte ist häufig eine Entdeckung wert und, wie für mich in den letzten Tagen, eine wahre (historische) Augenweide
– Erfolgserlebnisse wie der Moment, als gestern die Kursleiterin spontan sagte:
„Zwei Freiwillige decken jedeR für sich einen Tisch ein. Marie, du machst die Kontrolle und gibst die Erklärungen, wie´s richtig geht. Du kannst das ja alles schon. Ihr braucht mich gerade nicht, ich besorge die Zertifikate aus dem Büro. Dann übernehme ich den letzten Check.“
Und, wer hat alles richtig gemacht? Unsere Frau Krüerke. Allein die Tatsache, mit eigenem Wissen den Kurs bereichern zu können, und das unvorbereitet – Freude pur.

In diesem Sinne hoffe ich, all jenen, die sich bisher in keinen Kursraum trauen und das Schlimmste befürchten, die Angst zu nehmen und Interesse zu wecken.
Das Leben ist spannend! Das Leben ist bunt! Lernen bereichert das Leben!
Wo lag noch mal das Veranstaltungsverzeichnis?

 

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aufmerksam, glaubhaft

Arbeit ist nur das halbe Leben

„Wenn ich dir eines über das Leben sagen kann, Bronnie, dann ist es das: Richte dir dein Leben nicht so ein, dass du am Ende bereuen musst, so viel gearbeitet zu haben. Ich kann jetzt sagen, dass ich nicht geahnt habe, wie ich es bereuen würde. Erst jetzt, wo mein Ende direkt bevorsteht. Aber irgendwo in meinem tiefsten Inneren habe ich doch gewusst, dass ich zu viel arbeite. Nicht nur für Margaret, sondern auch für mich. Ich wünschte von ganzem Herzen, es wäre mir damals schon so egal gewesen wie heute, was die anderen über mich denken. Ich frage mich, warum wir bis zu unserem Sterbebett warten müssen, bis wir solche Dinge rausfinden.“
Er schüttelte den Kopf. „Es ist kein Fehler, wenn man seine Arbeit liebt und sich richtig engagieren will. Aber das Leben hat noch so viel mehr zu bieten. Ausgeglichenheit ist wichtig, man muss immer ausgeglichen leben.“
(…)

Nicht lange nach dieser Nacht starb John. Damals wusste ich es noch nicht, aber ich sollte seine Worte noch so oft aus dem Munde anderer Patienten hören. Doch er hatte seine Botschaft klar formuliert, und ich würde sie niemals vergessen.

 

aus:  „Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von Bronnie Ware

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Reise nach Stockholm: Erlebnisse

Heute folgt der zweite Bericht meiner Erlebnisse der Reise nach Stockholm, der erste Teil inklusive Einleitung mit grundlegenden Informationen über die Stadt ist hier zu finden: „Reise nach Stockholm: Orte“, danach folgt „Reise nach Stockholm: Souvenirs“

„Allsang på Skansen“: Jedes Jahr ab Midsommar bis in den August hinein findet im „Skansen“ am Dienstag ein Freiluft-Konzert statt, das im Eintrittspreis für den Park enthalten ist. Von 20.00 bis 21.00 Uhr filmt das schwedische Fernsehen, davor gibt es erste Lieder zum „Warmsingen“ und danach noch einige Zugaben.
Es treten SängerInnen der schwedischen Charts auf und präsentieren die aktuellen Hits. Der Moderator ist ebenfalls Sänger und stimmt unter anderem schwedisches Liedgut an, das in Liederheften zum Mitsingen angeboten wird. Dann singen alle, so gut sie können, mit. Obwohl wir weder die SängerInnen noch die Lieder kannten, hatten wir viel Spaß an diesem Abend. Und somit singen wir auch in Hamburg fröhlich „Hej hej Monika, hej på dig Monika!“ und „Stockholm i mitt hjärta“ sowie „Hon kommer solsken till mig“. Auffallend war, wie viele Menschen mit Behinderungen sich im Publikum befanden und dass es einen großen (dicht besetzten) Bereich für Rollstuhlfahrer gab – beides kenne ich aus Deutschland so nicht. Auch würde hier wohl kein Moderator das Mikrofon bei einem Konzert einem jungen Mann mit Trisomie 21 vor die Nase halt, der sich sehr freute und laut sang 🙂

Baden auf Lidingö: Östlich von Stockholm liegt, auf dem Weg in die Schären, die Insel Lidingö. Dort lässt es sich naturnah urlauben, während die Stockholmer Innenstadt mit dem in Rad 35 Minuten erreichbar ist. Wer hier eine Ferienwohnung mietet, ist direkt im Grünen und dennoch bestens versorgt (Supermärkte, Busse, Bahn, Hafen für Fährschiffe).
Zum Schwimmen eignen sich besonders der Kottlasjön mit zwei Badestellen (einmal mit Sand, einmal mit Felsen) , die pittoreske Promenade von Mölna im Südosten sowie die Badestelle „Fågelöudden“ mit Sand und schönen Wiesen mit schattenspendenden Bäumen im Nordosten der Insel.

Ausflug in die Schären: Einer der absoluten Höhepunkte unserer Reise war der
Tagesausflug in den Schärengarten zwischen Stockholm und der Ostsee. Zu Beginn sind die Inseln noch recht groß und die Villen darauf zahlreich. Weiter draußen werden die Häuser erst bescheidener und dann weniger, bis es auf das offene Meer hinaus geht. Wir durchstreiften die Natur, beobachteten ein fast zutrauliches Reh, schauten uns im kleinen biologischen Verkauf des einizigen Bauernhofs um („Wir sind heute nicht da, bitte tut das Geld einfach in die Kasse!“) und genossen den Fisch im preisgekrönten „Krog“.

„Chilinötter“: Ein Snack aus dem Supermarkt, den ich als „Nicnocs mit Chili“ beschreiben kann und dem besonders mein Verlobter zusprach.

Der aktuelle Look der Stockholmerin: Wer schnell noch die letzten sommerlichen Tage in Stockholm erleben und dabei als Einheimische durchgehen möchte, sollte sich folgendermaßen kleiden: Das Oberteil muss unbedingt durchsichtig sein und den Blick auf einen farblich kontrastierenden BH freigeben, die Trendfarben lauten weiß, schwarz und neon. So trägt die Stockholmerin bis ins mittlere Alter einen neonfarbigen BH unter einem weißen Top oder einen schwarzen BH unter einem neonfarbigen Shirt.
An die Beine gehören ausnahmslos sehr knappe Hotpants, notfalls tun es auch sehr kurze Miniröcke. Selbstverständlich in schwarz, weiß oder neon. Als Ausnahme werden auch Skinnyjeans zugelassen, die den Begriff „hauteng“ neu prägen.

Mit Schwedinnen schnacken: Die Schwedinnen sind überaus aufgeschlossen, sodass ich viele Male angesprochen wurde. Ob nun eine Dame auf mich zukam, weil das Streifenmuster meiner Hose dem Muster ihres Blazers ähnelte und sie sich darüber freute, oder ich in das Aussuchen von Kleidung zwischen zwei Freundinnen einbezogen wurde: Stets wurde ich auf schwedisch angeplaudert. Freundlich bezogen mich zwei Damen im Café in ihr Gespräch mit ein (als eine der wenigen Unterhaltungen wechselten sie von vornherein auf englisch) und ein kleiner Junge in Badehose erzählte mir strahlend unverständliche Dinge, während ich mit den Füßen im eiskalten Meerwasser stand. Auch ein älterer Herr im Wald ließ es sich nicht nehmen, ein paar Worte mit mir zu wechseln und stieg flink auf deutsch um, das er gut beherrschte. So viele nette Begegnungen gab es, dass ich ganz den Überblick verloren habe… Meist versuchte ich zu Beginn, die kleine Unterhaltung zu meistern, ohne mich als deutsche Touristin zu entlarven, was mit freundlichem Nicken und strahlendem Lächeln auch mehrfach gelang (ohne etwas zu verstehen). Oft war ich dann doch genötigt, mich zu erkennen zu geben, aber machte es nach einem Schnack auf englisch oder deutsch mit einem „Hej då!“ oder „Har det bra!“ oder „Tack så mycke!“ wieder wett.