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Buchempfehlung „Der wilde Garten“ von Barbara Claypole White

 

Nach Oslo nahm ich zwei dicke Romane mit, die ich kaum las, da wir den ganzen Tag bei bestem Wetter die Stadt erkundeten. Einen der beiden packte ich am vorletzten Tag in den Rucksack für unsere Schären-Tour.
Als wir dann am Südostufer der Insel Hovedøya saßen und ich den Roman mit Blick auf den Fjord und die Nachbarinsel auspackte, ergriff mich erstmal schlechte Laune:
Eine Geschichte über eine alleinerziehende Witwe mit schweren Schuldgefühlen ihrem seit drei Jahren toten Mann gegenüber trifft einen finanziell erfolgreichen, aber dank heftiger Zwangserkrankung psychisch instabilen Mann.
Ja, klar, genau das hatte ich mir für einen erholsamen Inseltörn gewünscht!
Die Beschreibung des Klappentexts hatte irgendwie weniger anstrengend geklungen…

 

 

Da ich nun keine andere Wahl hatte (außer nicht zu lesen), versuchte ich nach der ersten Enttäuschung, mich mit der Lektüre zu arrangieren.
Der Schreibstil von Barbara Claypole White ist hervorragend, sehr dicht und präzise. Nach dem ersten Entsetzen über die mehrfach problembelasteten Charaktere nahm mich die Geschichte mit auf ihre Reise:
Tilly ist eigentlich Engländerin und lebt schon lange in Amerika. Sie hat vor drei Jahren ihren Mann verloren, und bis heute plagen sie Schuldgefühle, weil sie dem Arzt nach dem Unfall mitteilte, dass ihr Mann eine Patientenverfügung habe. Aufgrund der Patientenverfügung wurden die Geräte der lebenserhaltenden Maßnahmen abgeschaltet, aber ihr Mann lebte noch fünf Tage weiter – was Tilly auch Jahre später noch als Zeichen nimmt, dass er nicht sterben wollte und sie nie hätte von der Patientenverfügung sprechen sollen. Im schwülen North Carolina fühlt sie sich als Engländerin bis heute nicht wohl, dennoch hat sie nach dem Tod ihres Mannes mehr aus Zufall eine Gärtnerei aufgebaut. Sie sehnt sich häufig nach den milden Temperaturen und dem weiten Himmel Großbritanniens.
James Nealy wird seit seinem zehnten Lebensjahr stark von Ängsten und Zwangsgedanken belastet. Als Flucht vor den inneren Zwängen, die ihn mit bösen Stimmen quälen, hat er mit hohem Einsatz und Tempo ein sehr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Um seinem Leben eine neue Richtung zu geben, hat er alles verkauft, ist umgezogen und will endlich seine Zwangserkrankung besiegen. Seit seine Mutter, eine enthusiastische Gärtnerin, an Krebs starb, peinigt ihn der Gedanke, dass Erde und Schmutz Krebs auslösen. Seinen Zwang zur Hygiene möchte er dadurch besiegen, dass er einen Garten anlegen lässt und dabei zuschaut.
Aus diesem Grund sucht er Tilly auf, die sehr zurückgezogen lebt und ihre Pflanzen nur an Großkunden verkauft, um so wenig Kontakt mit Menschen zu haben wie möglich.

 

 

Tilly weigert sich natürlich vehement gegen den Auftrag, da sie jeder Verpflichtung aus dem Weg geht und um Herausforderungen einen weiten Bogen macht. Doch James bleibt hartnäckig und fliegt ihr sogar hinterher, als sie ihre Mutter in England besucht, die sich vor Kurzem das Bein gebrochen hat. Dort begegnet Tilly ihrer ersten großen Liebe Sebastian wieder. Während sie von der Trauer um ihren Mann zurückgehalten wird, versuchen Sebastian und James beide, ihre Aufmerksamkeit zu erregen…

Weiter möchte ich nichts verraten. Wer einen typischen „Ich verdufte auf die Insel“-Roman braucht, sollte vielleicht wirklich leichtere Kost aussuchen. Wer Zeit und Lust hat, sich auf eine intensive Geschichte einzulassen, sollte diesem wunderbar geschriebenen Roman eine Chance geben.

Barbar Claypole White, „Der wilde Garten“, erschienen bei ullstein

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Buchempfehlung: „Wo die Liebe zu Hause ist“ von Elizabeth Noble

Ich hatte bereits in der Bücherhalle (Hamburger Bibliothek) den dringenden Verdacht, diesen Roman bereits gelesen zu haben. Zum Glück lieh ich den Band trotzdem aus, auch ein zweites Mal war das Lesevergnügen groß.
An New Yorks Upper East Side steht ein hohes Stadthaus voller Menschen mit unterschiedlicher Vergangenheit und ganz verschiedenen Alltagserlebnissen. Die meisten der NachbarInnen leben aneinander vorbei, einige grüßen sich freundlich, andere ignorieren einander seit Jahren, die wenigsten treffen sich absichtlich. „Ein Haus voller Sehnsüchte, Träume und Geheimnisse – und wenn die ans Licht kommen, bleibt nichts, wie es war…“ So der Klappentext.
Junge Paare mit Kinderwunsch, ehrgeizige Ehemänner, einsame Singles, eine alte englische Lady, ein homosexuelles Paar, Familien im Dauerstress, diverse Kindermädchen und Portiers: Sie alle leben scheinbar miteinander, aber eher nebeneinander. Was passiert, wenn Beziehungen in Bewegung geraten – innerhalb der Partnerschaften und Freundschaften genauso wie quer über den Flur zu bisher Unbekannten?
Ein wunderbares, manchmal trauriges, dennoch leichtes Buch für die Urlaubslektüre oder friedliche Abendstunden auf dem Balkon.

„Wo die Liebe zu Hause ist“ von Elizabeth Noble, Goldmann Verlag

 

Bernstein

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