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Jetzt mal Kirche ökonomisch

Ich unterhalte mich mit einer Dame über die Veranstaltungen der nächsten Woche. Wir versuchen, zwischen meinen Kursen einen Termin zu zweit zu finden.
Sie: „Ja und dann ist am Dienstag auch wieder Andacht. Aber diesmal ökonomisch, mit Evangelen und Katholiken zusammen.“
Sie meinte natürlich die ökumenische Andacht zu Pfingsten. Ökumenisch bedeutet, dass die christlichen Kirchen unabhängig ihrer Ausrichtung zusammen Gottesdienst feiern oder gemeinsam Projekte verwirklichen, statt auf ihrer Unterschiedlichkeit zu beharren.

 

 

Wäre ich Pessimistin, würde ich sagen, dass ökumenisch tatsächlich ökonomisch ist:
Alle aussterbenden Evangelen mit aussterbenden Katholiken zusammen in einer gemeinsamen Kirche, und wenn sie nett sind, lassen sie die aussterbenden Freikirchen auch mitmachen.
Das würde zwar etwas unangenehm, weil sich plötzlich alle darüber einig werden müssten, ob sie Choräle singen und wenn ja, welche, und aus welchem Gesangbuch. Oder ob sie lieber moderne Songs mit Band singen, ob mit Schlagzeug oder ohne, auf deutsch oder englisch. Und darf ein Beamer für die Liedtexte über der Kanzel hängen?
Wer darf beten? Nur die Pastorin (bei den Evangelen) oder der Priester (bei den Katholiken) oder extra gebriefte, für würdig befundene Gemeindeglieder, die ihr Gebet artig vom Blatt ins Mikro lesen (handverlesene Evangelen und Katholiken mit anständigem Verhalten)?
Oder dürfen alle Anwesenden beten, egal wie alt, wie gebildet, wie konservativ oder linksliberal? Bei den Freikirchen ist das erlaubt, und bei unseren afrikanischen Mitbürgerinnen ist es sogar egal, wann und wie laut sie im Verlauf des Gottesdienstes beten (also immer, auch während der Predigt, und am liebsten sehr laut).
Außerdem, welche Bibelübersetzung sie nehmen: Wir Baptisten nehmen ja querbeet alle Übersetzungen, Hauptsache, sie gefällt uns persönlich. Aber die Evangelen müssen ja Luther lesen und die Katholiken die Einheitsübersetzung, weil: Das war schon immer so, das muss so.
Und dann müsste man nur noch auseinander dividieren, ob es eine unübersichtliche Zahl an gut bezahlten (rein männlichen) Priestern gibt, die in irgendwelchen Ämtern weiß der Geier was ihr Leben lang tun und über das Wohl und Wehe von Frauenrechten und Verhütung entscheiden. Oder ob man es wie die Freikirchen macht, die sich selbst finanzieren (d.h. keine Staatsmittel bekommen), und mit einem schlanken Organisationsmodell auf der Grundlage von Basisdemokratie leben. Wer Vertrauen missbraucht oder falsch wirtschaftet, wird abgewählt und entlassen, aus die Maus.

Also, ich sach mal, der Klärungsprozess und die Koalitionsverhandlungen können nur dreihundert Jahre dauern. Und wer weiß, ob es bis dahin überhaupt noch genug übrig gebliebene Christen gibt, um eine ökonomisch-ökumenische Kirche zu füllen.

Aber wie gut, dass ich keine Pessimistin bin!
(Sonst müsste ich ja selbst aufhören, die Freikirchen am Besten zu finden. Da ist es weniger anstrengend, einfach Optimistin zu sein! 😉 )

Und wie gut, dass Gott selbst Optimist ist und ihm unsere engstirnigen Urteile über jeweils andere Arten von Glauben und Kirche völlig egal sind. Weil er in seiner unfassbaren Weisheit alle Menschen liebt, alle Formen von Spiritualität und damit alle Kirchen.
Zu Pfingsten feiern wir den Geburtstag der ersten Kirche.
In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, du verquaster Haufen! Mögest du entgegen dem aktuellen Trend noch lange von Menschen mit Leben gefüllt werden, die aus vollem Herzen Gott auf der Spur sind.

 

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Wenn gläubige Menschen eine stabile Familie wichtig finden, warum muss es in „Der Mann arbeitet, die Frau bleibt zu Hause“ münden?

 

Im Urlaub ergänzte ich meine mitgebrachte Lektüre durch Bücher aus dem dortigen Bücherregal. Eins davon war ein Band, in dem christliche Ehepaare beschreiben, was die Geheimnisse ihrer Ehe sind. Und warum sie sich nach fünfzehn, zwanzig oder fünfunddreißig Ehejahren noch immer lieben.
Dabei ähnelten sich die Standpunkte und Geschichten der Paare sehr, was einerseits logisch ist: Wertkonservative, gläubige Personen aus zwei Generationen, die meisten davon aus Deutschland, leben weitgehend in der gleichen Sphäre. Ein Paar aus Neuseeland und eins aus Amerika bringen nur wenig andere Blickwinkel, wenn der gemeinsame Hintergrund der gleiche ist.
Was mich sehr irritiert hat: Alle Paare hatten Kinder (zwischen zwei und neun(!)) oder bereits Enkelkinder, und in allen waren die Männer die Hauptverdiener und die Frauen die Familien-und-Haushalts-Beauftragten. Die meisten Männer hatten dazu Berufe, in denen sie einen großen Teil des Alltags vor Publikum stehen (ob nun als Pastor, Psychologe mit Seminarreihen oder Professor). Entsprechend bekannte Größen der deutschsprachigen christlichen Szene sind die Herren, und dadurch ergab sich dieses gemeinsame Buch.
Alle Ehemänner betonten, wie sehr sie es schätzen, dass ihre Frau zu Hause den Alltag managt, ihnen den Rücken freihält und sich liebevoll um die Kinder kümmert. Viele führten auch aus, dass es ihnen wichtig sei, dass ihre Frau ihre Talente entfalten könne. Die Frauen waren (zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buchs) maximal in Teilzeit tätig, viele mit ehrenamtlichen Tätigkeiten beschäftigt oder mit Referaten bei „Frauen-Frühstücks-Treffen“ unterwegs. So oder so waren alle finanziell von ihren Ehemännern abhängig. Und dadurch auch davon abhängig, dass ihre Ehe Bestand hat.
Honi soit qui mal y pense…

Nun frage ich mich: Wenn wertkonservative Menschen es wichtig finden, in den heutigen Zeiten in dauerhaften Ehen und stabilen Familien zu leben, warum muss es dann die klassische Rollenverteilung sein?
Ich persönlich halte nichts vom „Schwanger werden und Familie gründen“, aber wenn es andere mit Glück erfüllt, bitte. Nur: Warum können Christinnen und Christen nicht mit neuen Formen des Familienlebens aufwarten? Bloß, weil manche gerne vier Kinder haben, heißt das doch nicht, dass sich die Frau um diese vier Kinder kümmert!
Warum fallen so viele christliche Paare (genau wie die meisten anderen) nach der Geburt des ersten, spätestens des zweiten Kindes wieder in klar definierte Rollen zurück?
Sicher, die Frau hat das Baby neun Monate lang im Körper getragen, sie stillt es und sie wird nachts schneller vom Weinen des Neugeborenen wach als der Mann. Zusätzlich verdienen Männer in Deutschland bis zu 30% mehr im gleichen Beruf wie Frauen. Beides sind zwei große Gewichte, die die Waage Richtung „Dann bleib ich als Frau mit dem Baby eben zu Hause“ drücken.
Das macht Familie in weiblichen Augen zunehmend unattraktiv. Frauen, die gerne Kinder bekommen wollen, aber sehen, wie sich diese Entscheidung bei all ihren Freundinnen auswirkt (Karriereknick und finanzielle Abhängigkeit), denken länger nach, bevor sie tatsächlich schwanger werden. Wobei das Problem ja nicht im Gründen einer Familie liegt, sondern darin, wie Familie im Alltag gelebt wird.
Was mich an den Ausgangspunkt zurückbringt: Wenn eine gelungene Ehe und eine große Familie zum wertkonservativen Leben gehören, warum muss dabei die entsprechend wertkonservative Rollenverteilung zwischen weiblich und männlich übernommen werden?
Warum können ChristInnen nicht mit kreativen Ideen, wie befriedigende Langzeitbeziehungen und gemeinsames Versorgen von Kindern aussehen können, den Status der Familie aufwerten? Das wäre tausendmal sinnvoller als Aktionen gegen Abtreibung.

 

 

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Über den Wert der Frauen in der Bibel. Und ihren Wert in der Kirche heute.

Arboretum

 

„Magdalena, einst wichtigste Jüngerin Jesu, wurde als Propagandafigur der katholischen Kirche missbraucht. Junia, eine berühmte Apostelin der Frühkirche, verwandelte sich unter der Feder eines Bibelkommentators in einen Mann. Phöbe, Vorsteherin einer frühen Christengemeinde, wurde als Hilfskraft des Apostel Paulus kleininterpretiert. Lydia, die erste Christin Europas, geriet fast 2.000 Jahre lang in Vergessenheit. Es gab verschiedene Methoden, Frauen des frühen Christentums verschwinden zu lassen.

Die Dokumentation „Jesus und die verschwundenen Frauen“ von Maria Blumencron versucht, die vergessenen Säulen des Christentums wieder sichtbar zu machen.

Vor 2.000 Jahren kündigte Jesus von Nazareth das Reich Gottes an, in dem alle Menschen gleich wären. In einer streng patriarchal geprägten Zeit war das revolutionär. Und so folgten dem charismatischen Wander-Prediger nicht nur Männer, sondern vielfach auch Frauen nach. Aufgrund einer männerzentrierten Sprache blieben sie in den Evangelien nahezu unerwähnt. Aber Frauen waren Zeuginnen des Todes Jesu, der Grablegung und schließlich seiner Auferstehung, die zum Grundstein des Christentums wird. Es ist Maria aus Magdala, die von Jesus den Auftrag erhält, die Frohe Botschaft zu verkünden. Sie wird damit zur ersten Apostelin. Doch gleich nach Erfüllung des Auftrags verschwindet die Schlüsselfigur des Ostergeschehens aus den kanonischen Evangelien.

Der leere Raum, den sie hinterlässt, wird zum Nährboden abenteuerlicher Legenden. Aus der Apostelin Apostolorum (der Apostelin der Apostel) wird in der von Männern besetzten institutionalisierten Kirche die reuige Sünderin. Aus der Sünderin die asketische Büßerin. Aus der Büßerin ein laszives Pin-up-Girl der Kunst. Heute wird Maria Magdalena vielfach als Ehefrau Jesu empfunden. Aber ist auch dies nicht bloß eine weitere Übermalung, aus unserem Zeitgeist heraus geboren?

Eine folgenschwere Fehlinterpretation erfuhr auch Junia, die als wichtiges Bindeglied zwischen der Jesus-Bewegung und dem frühen Christentum gilt. Von den ersten Kirchenvätern noch als berühmte Apostelin gepriesen, erfährt sie im Mittelalter eine folgenschwere Geschlechtsumwandlung. Unter der Feder des Bibelkommentators Ägidius von Rom wird aus Junia ein Apostel namens Junias. Das Versehen eines unausgeschlafenen Augustiners? Oder Ergebnis eines männerorientierten Weltbildes? Und warum fristet Apostelin Junia in allen gängigen Bibelausgaben bis heute ein Dasein als Mann? (Wobei es keinen Männernamen namens Junias gab, es sind dafür jede Menge Frauen namens Junia zu dieser Zeit in Quellen gefunden worden, Anmerkung von mir ergänzt)“

zitiert vom Fernsehsender Phoenix.de

Um uns der als Mann verwandelten Junia näher zu widmen und damit die Spur der Frauen in der Bibel aufzunehmen:
Zusammen mit ihrem Ehemann war sie Leiterin einer der ersten Christengemeinden, die sich zum Essen in deren Haus trafen. Oft in kleiner Runde, mit Kathedralen und Kirchenchören und Predigt hatte das alles noch nichts zu tun. Eine Reihe Jahre später, nachdem die Zahl der Christen stark gewachsen war, entstand die erste organisierte Kirche in Rom. Die Identität der ersten Christen, die Frauen und Männer, Sklaven und Herrscher gleichberechtigt fanden (im Gegensatz zur umgebenden männlich beherrschten Kultur), geriet mit Gründung der ersten offiziellen Kirchen und dem Beginn einer Staatsreligion schon deutlich in Vergessenheit. Denn wer machte aus einer sehr lebendigen, antiautoritären Bewegung ein geordnetes System, in dem Frauen nichts mehr zu sagen hatten? Männer natürlich. Die gleichen, die die Evangelien (Schriften über Jesus und Briefe der Apostel an die Gemeinden) so zensierten, dass keine Frauen in wichtigen Positionen mehr vorkamen.
Aus diesem ersten Meilenstein in der Bedeutung des Christentums als anerkannter Religion wurde bald eine Institution, die mehr mit Geld, Macht und Gewalt zu tun hatte als mit Jesus und den Anfängen als revolutionäre Bewegung. Diese Institution nennt sich bis heute katholische Kirche und hat bis heute, im Gegensatz zu vielen anderen Bibelübersetzungen, in ihrer „Einheitsübersetzung“ die Person Junias als Mann (statt der tatsächlichen Frau) im Römerbrief.
Während der Reformation, die eigentlich nur die katholische Kirche wieder auf ihre Anfänge besinnen sollte, entstand versehentlich eine zweite christliche Kirche, die evangelische. Den Gründern war es wichtig, keine „dumme Masse“ zu lenken, sondern den Menschen die Bibel in ihrer Sprache zum Lesen zu geben, mit Geld fair umzugehen und den ganzen Pomp auf ein Minimum zu reduzieren. Bis Frauen Leitungspositionen besetzen konnten, dauerte es noch einige Jahrhunderte, aber es wurde schließlich doch Realität.
Parallel dazu entstanden Freikirchen, die die Trennung von Staat und Kirche verlangten und Religionsfreiheit für alle einforderten. Statt der Taufe von ahnungslosen Babies praktizieren sie nur die Taufe von Erwachsenen und Jugendlichen, die alt genug sind, um freiwillig glauben zu können und ihren Glauben zu formulieren. Lange und oft verfolgt, profitierten auch die Freikirchen irgendwann von sich ändernden Gesellschaftsregeln. Und haben natürlich längst Frauen in Leitungspositionen.

Warum ich das alles erkläre? Um zu zeigen, dass es nicht „die Kirche“ gibt.
Es gibt diverse Varianten von Kirche, weil es so viele Möglichkeiten gibt, zwischen Tradition und Innovation eine Gruppe von Gläubigen zu verbinden. Unabhängig von den jeweils einzelnen Glaubensgemeinschaften gibt es wiederum die persönliche Beziehung zu Gott, die meiner Meinung nach tausend Mal wichtiger ist als „die Kirche“, „die Religion“ und „das Christentum“. Denn worum geht es letztlich, wenn Menschen von sich sagen, dass sie glauben? Es geht darum, dass sie beten, dass sie eine Beziehung zu Gott haben, dass sie auf Gott im Alltag vertrauen. Natürlich ist es wichtig, mit anderen Personen zusammen zu singen, zu beten, die Bibel zu lesen und sich darüber auszutauschen. Ob nun in einer organisierten Gemeinde oder in einem privaten Kreis. Das alles ist aber nur die Folge einer persönlichen Beziehung zu Gott, die den Anfang bildet. Für Frauen und Männer gleichermaßen.

Warum es mir so wichtig ist, mich heute darüber auszulassen, weshalb es nicht „die Kirche“ gibt?
Einerseits, weil es mein einziger Kritikpunkt an der oben zitierten Sendung ist (am 21.11.2016 um 19.15 Uhr läuft die Dokumentation noch einmal auf Phoenix). Es gibt das Leben von diversen Personen, die mehr oder minder intensiv ihre Beziehung zu Gott im Alltag leben. Diese Personen sind wiederum mehr oder weniger eng mit einer Kirchengemeinde vor Ort verbunden. Diese Kirchengemeinde vor Ort ist in mehr oder weniger großen Vereinigungen eingebunden – je nachdem, ob es eine Staatskirche ist (Evangelisch-lutherisch oder römisch-katholisch) oder eine Freikirche.
Keine dieser Kirchen ist „die Kirche“!
Auch, wenn das Vertreter der katholischen Kirche oft behaupten und bedauerlicherweise im Sprachgebrauch viele Personen diesen Begriff übernommen haben. Als Folge davon glauben bis heute viele, dass „die Kirche“ keinen adäquaten Raum für „die Frauen“ biete und weiterhin von allen einflussreichen Positionen fernhalte (was ja angesichts der evangelischen und freikirchlichen Führungspositionen, die von Frauen besetzt werden, nicht stimmen kann, aber so weit denkt kaum jemand).
Entsprechend finden viele Deutsche „die Religion“ und „die Kirche“ altmodisch und für das tägliche Leben unwichtig, weil die Identifikation fehlt. Was in Kirchenaustritte mündet. Weshalb Führer der katholischen Kirche weinen. Aber offensichtlich nicht genug, um ihre Bibelübersetzung den tatsächlichen Tatsachen anzupassen und ihre Männerherrschaft zu überdenken. Was viele gläubige KatholikInnen freuen würde, die durchaus Kritik an der religiösen Spitze üben.

Warum es mir wichtig ist, den Glauben jeder Einzelnen wichtiger zu finden als „die Religion“?
„Wenn wir verstehen dass es im Kern um Beziehung geht, können wir als Nächstes fragen, wie es gelingt, eine solch konstant wachsende Beziehung aufzubauen. Glaube ist eine lebendige Freundschaft mit dem schönsten, dem edelsten, dem glücklichsten und reinsten Wesen des Universums. Darum ruft Jesus Menschen in seine Nachfolge: damit wir von ihm lernen, wie wir in dieser Beziehung leben. Damit wir bei ihm studieren, wie ein Leben aussieht, das in der ständig wachsenden Beziehung zu Gott steht.
Jesus zu folgen bedeutet, zu entdecken, dass wir nicht zuerst in ein Regelwerk von Gesetzen eingeladen sind, sondern in Liebe und Freundschaft. Jesus zu folgen bedeutet, zu lernen, dass wir niemals die Wahrheit haben – quasi als Besitz – , sondern dass wir der Wahrheit nur folgen können. Denn die Wahrheit ist eine Person. Jesus zu folgen bedeutet, zu lernen, dass es nicht zuerst um Moral oder Lebensstil geht, sondern um die Suche nach dem, was der Liebe entspricht. (…)
Gott will unser Leben zu einem täglichen, stündlichen, ja minütlichen Austausch von Liebe machen. Er will, dass wir immer wieder eintauchen in den nie versiegenden Strom der Liebe, die er für uns hat. Er will, dass wir uns bei ihm Rat holen. Dass wir seine Kraft anzapfen, von seiner Weisheit profitieren, an seinem Trost Anteil bekommen, seine Hoffnung immer wieder in uns erneuern, seinen Frieden in unserem Herzen haben. Er will uns Dinge schenken, die weit über unsere Kraft hinausgehen, Dinge erleben lassen, die unser Denken sprengen. Jeder Moment unseres Lebens birgt die Chance, Gott zu begegnen und seine Nähe zu erfahren. Dieser Gott ist völlig anders, als wir uns je ausmalen können.“

aus: „23. Mit dem Psalm der Psalmen durch den Tag“ von Jörg Ahlbrecht

 

Tempel

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Christen im Irak in Not – jenseits der Berichterstattung

„Am Sonntag, den 15. Juni, wurde zum ersten Mal seit 1600 Jahren in Mossul kein Gottesdienst gefeiert“, teilte uns Bashar Warda, der chaldäische Erzbischof von Erbil, mit. Die christliche Gemeinschaft von Mossul war eine der ältesten weltweit, heute existiert sie nicht mehr. Bis Anfang Juli 2014 befanden sich noch 3000 Christen in Mossul. Infolge eines von der extremistischen Terrorgruppe IS (Islamischer Staat, vormals ISIS) gestellten Ultimatums haben aber unterdessen alle Christen die Stadt fluchtartig verlassen müssen. Die Dschihadisten stellten die Christen vor die Wahl: eine Schutzgebühr (Dschizya) zu entrichten, zum Islam überzutreten, oder durch das Schwert zu sterben. Es wurden auch bereits Fälle von Vergewaltigungen von Christen gemeldet, welche die verlangte Steuer nicht bezahlen konnten. Die Islamisten haben die Häuser der Christen mit einem arabischen „N“ gekennzeichnet und sie in die Flucht getrieben.
Das arabische „N“ für Nazarene, also „Nazarener/Christ“ ist das Zeichen, mit welchem militante Anhänger der Gruppe IS die Häuser von Christen in Mossul und an anderen Orten markiert haben. Inzwischen entwickelt sich das Zeichen zu einem Zeichen der Solidarität von Christen weltweit mit ihren verfolgten Geschwistern. Sie tragen das arabische „N“ als Zeichen der Verbundenheit und bekennen damit: „wir leiden gemeinsam mit unseren Schwestern und Brüdern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden.“ Das Zeichen verbreitet sich in sozialen Netzwerken als Profilbild, als Autoaufkleber, auf T-Shirts und sogar auf Häuserwänden.

„Viele Christen haben ihr Heim mit einigen Habseligkeiten verlassen. Doch an den Kontrollposten wurde ihnen alles abgenommen, Wertgegenstände, Geld, sogar ihre Fahrzeuge“, berichtet ein Kirchenleiter aus Bagdad. Er fügt hinzu: „Ich ersuche euch, bitte klopft an die Himmelspforte, damit Gott diesem Gräuel ein Ende setzt. Informiert auch eure Landesbehörden, um unseren Geschwistern das Leben zu retten.“
Nach der Besetzung von Mossul und weiteren Städten durch radikale Islamisten, sind mindestens 500.000 Menschen auf der Flucht, darunter Zehntausende Christen. Sie haben ihren ganzen Besitz zurück gelassen. Der Angriff und die anschliessende Besetzung von Mossul und weiteren Ortschaften in der Ninive-Ebene durch die Extremistengruppe IS (vormals ISIS) hat im Juni zu einer Massenflucht von Menschen aus der Region geführt. Die meisten Menschen haben zunächst in der Region rund um Erbil im kurdischen Gebiet im Norden des Irak Zuflucht gefunden.

„Die dringendsten Bedürfnisse sind Wasser und Nahrung. Auch Matratzen und Kopfkissen werden gebraucht, da viele Flüchtlinge in Schulen oder leeren Gebäuden untergebracht sind. Da es tagsüber bis zu 45 Grad heiß wird, werden auch dringend Luftkühler benötigt, vor allem für Familien mit kleinen Kindern und für ältere Menschen“, berichtet ein Kontakt vor Ort.

Quelle: https://www.opendoors.de/verfolgung/nothilfe_irak/nothilfe_Irak/

 

Situation der Christen verschlechtert sich dramatisch

Bewaffnete Islamisten der Gruppe IS (vormals ISIS) übernahmen am Donnerstag die größte christliche Stadt des Irak, Qaraqosh, was tausende von Christen zwang in von Kurden kontrollierte Gebiete zu fliehen. Bereits ein Viertel der noch im Irak verbliebenen Christen befindet sich auf der Flucht. Die vorrückenden militanten Sunniten haben Kirchen besetzt, Kreuze heruntergerissen und Bibeln zerstört. Der Islamische Staat, der sich früher „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ (IS bzw. ISIS) nannte, hat auch den Mossul-Staudamm besetzt, den größten des Irak. Qaraqosh, eine Stadt von ca. 50 000 Bewohnern in der Ninive-Provinz, liegt zwischen Mossul, der zweitgrößten Stadt des Irak, und Erbil, der Hauptstadt der autonomen nordirakischen Kurdenregion (Kurdistan) im Osten. Der Islamische Staat hat Mossul im Juli eingenommen und viele der noch in der Stadt verbliebenen Christen flohen ostwärts nach Qaraqosh, das zuweilen als christliche Hauptstadt des Irak bezeichnet wird. Nach der Einnahme von Sinjar und Zumar flüchteten zehntausende Einwohner in die Berge zwischen den beiden Großstädten, wo sie ohne Nahrung und Wasser festsitzen. Viele Vertriebene benötigen unverzüglich lebensnotwendige humanitäre Dinge einschließlich Wasser, Nahrung, Obdach und Medikamente.

Der chaldäische Patriarch Louis Sako sagte: „Es gibt 100 000 vertriebene Christen, die mit nichts als ihren Kleidern, manche zu Fuß, geflohen sind, um die Region Kurdistan zu erreichen. Das ist eine humanitäre Katastrophe. Die Kirchen sind besetzt, ihre Kreuze hat man abgenommen.“ Sako weiter: „Heute appellieren wir unter viel Schmerz und Trauer an alle Menschen guten Willens, den UN-Sicherheitsrat, die Europäische Union sowie Hilfsorganisationen, diesen Menschen zu helfen, die sich einer tödlichen Gefahr gegenübersehen. Ich hoffe, es ist nicht zu spät, einen Genozid zu vermeiden.“

Christen werden misshandelt und eingeschüchtert

Der schnelle Fall von Qaraqosh ist der jüngste in einer Reihe dschihadistischer Schläge gegen die Christen des Irak. Seit ihre Offensive im Juni begann, haben IS-Kämpfer Christen in eroberten Städten befohlen, sich zum Islam zu bekehren oder eine Steuer zu bezahlen, um Christen zu bleiben, oder aber zu sterben. Eine Frau erzählte, dass ihrem 80-jährigen Ehemann, der IS-Angehörigen entgegengetreten war, Hände und Füße abgeschlagen wurden. „Sieh mal, du wurdest wütend und hast dem IS auch Fragen gestellt, aber du hast überlebt. Danke Gott“, sagten sie. Kontaktleute berichten zudem über verstärktes Drohverhalten, das Christen Furcht einjagt und ein Gefühl der Instabilität schafft. Das Kloster St. Michael, ein Gebäude aus dem 4. Jh. in Tigris-Nähe hat der IS in einen Stall umgewandelt.
Eine junge fünfköpfige Familie wurde beim Versuch, aus Mossul zu fliehen, fast völlig ausgeplündert. „Sie stahlen unser Auto mit allem, was ich für meine Kinder mitgenommen hatte – ihre Kleidung, eine Waschmaschine, Lebensmittel, Schmuck für die Mädchen. Meinen Ehering versteckte ich in der Windel meines 10 Monate alten Babys, aber mein neues Telefon haben sie mir abgenommen“, erzählte die Mutter.

Unsicherheit bleibt

„Mein 80-jähriger Schwiegervater wurde zornig und verlangte, sie sollten uns unsere Sachen zurückgeben, aber sie sagten zu ihm: ‚Rede nicht, oder wir tun dir weh‘. – „Als sie unser Auto wegnahmen, gelang es mir, schnell zwei Taschen mit der Kleidung der Mädchen zu ergreifen, und dann rannten wir davon.“ Die Familie wohnt jetzt in Erbil, und die Mutter, eine studierte Apothekerin, will versuchen, Arbeit zu finden. Sie wollen versuchen ein Haus zu mieten und die Kinder zur Schule zu schicken, aber die Mutter fragt, ob Erbil überhaupt sicher ist. „Meinst du, dass der IS in Erbil einmarschieren wird? Ist es hier sicher? Denn Leute aus Mossul haben immer noch Angst.“ Außer Wertsachen hat der IS Christen, die Mossul verließen, Ausweise, Heiratsurkunden und Grundbuchauszüge abgenommen und zerrissen. Der IS soll bereits mitgeteilt haben, dass jeder zurückgelassene Grundbesitz Eigentum der bewaffneten Gruppe IS werde.

Inflation steigt

Preiserhöhungen lassen in Mossul einen Zusammenbruch der Wirtschaft erahnen. Im Juli kosteten Eisblöcke 10 000 irakische Dinar (ca. 6,30 Euro), ein Liter Benzin/Diesel 2 500 ID. Befürchtet wird, dass es mit Warenlieferungen noch schlechter wird, wenn die Routen durch Kurdistan abgeschnitten werden. Auch andere Dienste sind in Mitleidenschaft gezogen: Strom gibt es pro Tag nur zwei Stunden lang, Wasser ist in der ganzen Stadt nicht mehr zu bekommen und Medikamente werden knapp.

„Ich habe mir nicht vorgestellt, dass ich eines Tages so leben würde – ohne Menschenrechte, salziges Wasser aus Brunnen trinken [würde], ohne Strom und ein Haus, in dieser Hitze“, sagte uns eine Frau auf der Flucht.

Quelle: https://www.opendoors.de/verfolgung/news/2014_1/08/09082014iq/

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Material für den Gottesdienst: „Wort an die Kinder“

„Wir Baptisten“ haben Sonntags im Gottesdienst zwischen den ersten Liedern und der Predigt das sogenannte „Wort an die Kinder“, mit dem die Kinder begrüßt werden und besondere Beachtung erfahren. Im Anschluss verlassen sie den Gottesdienstraum, um ein kindgerechtes Programm zu erleben. Früher hieß es „Sonntagsschule“ und war genau als solche gemeint: Arme Kinder lernten auf diese Weise kostenlos lesen und schreiben.

Nach vielen Jahren, die ich kein Wort an die Kinder gehalten habe (weil ich täglich jede Menge Kinder therapiere und am Wochenende gerne „kinderfrei“ habe), kam mir eine Inspiration, die in meinen Augen wert ist, ein „Wort an die Kinder“ zu werden und mit der Gemeinde geteilt zu werden.

 

Wort an die Kinder zum Thema „Gemeinschaft“

Guten Morgen, ich bin Marie und möchte euch heute etwas zum Thema Gemeinde erzählen.

Ich bin als Kind in einer anderen Gemeinde aufgewachsen, aber sie war so ähnlich wie diese hier. Viele von den Erwachsenen kannte ich, andere nicht, aber alle Erwachsenen redeten mit meinen Eltern und wussten, wer ich bin. Auch wenn ich gar nicht wusste, wie die alten Damen und die nicht so alten Leute alle hießen.
Das geht euch vielleicht genauso: Viele von euch werden mit dem eigenen Namen angesprochen, auch wenn ihr gar nicht wisst, wer das ist, die oder der da mit euch redet.

Jedenfalls ist das Tolle an der Gemeinde, dass man so viele Menschen kennt.
In jeder Gemeinde gibt es eine Ärztin oder einen Arzt, immer gibt es eine Person, die sich mit Reparaturen auskennt, immer gibt es mindestens eine schlaue Lehrerin oder einen Lehrer, es gibt Leute mit viel Geld, die es gerne teilen, und Leute ohne Geld, die dafür anderes beitragen: Sie helfen in der Küche oder machen schöne Musik im Gottesdienst. Zum Beispiel. Alle in der Gemeinde haben etwas Besonderes, das den anderen weiterhilft. Jede von euch kann etwas, das wertvoll und nützlich für alle ist – eines Tages werdet ihr das entdecken.

Im Moment planen ♥ und ich unsere Hochzeit, weil wir uns lieb haben und heiraten wollen. Und es ist toll zu spüren, wie viele Menschen sich darüber freuen, dass wir uns lieben und dass wir das mit allen in dieser Gemeinde feiern wollen. Wenn die anderen sich mitfreuen, dann wird unsere Freude noch viel größer.
Das ist der Trick: Wenn wir traurig sind, gehen wir am Sonntag in die Kirche und reden mit den anderen, dann wird das Traurige kleiner und leichter.
Wenn wir fröhlich sind, gehen wir am Sonntag in die Kirche und erzählen es den anderen, dann freuen sie sich mit und das Fröhliche wird größer.

Manchmal ist es in der Gemeinde auch nicht so schön. Ihr wisst ja, dass Erwachsene sich auch mal streiten. Sie sagen dann „diskutieren“ dazu, aber es klingt, als würden sie sich ganz schön ärgern. Hier passiert das auch: In der Gemeindeversammlung gibt es oft schwierige Themen, die wir alle zusammen besprechen und entscheiden müssen. Und manchmal ärgern sich Menschen aus der Gemeinde dann sehr, weil sie etwas anderes wollen als das, was gerade geplant wird. Dann schimpfen sich die Erwachsenen an, bis wir uns entscheiden, dass wir ein anderes Mal in Ruhe weiter darüber reden wollen. Auch Erwachsene müssen lernen, sich wieder zu vertragen. Hier helfen wir uns gegenseitig dabei.
Ich komme gerne in den Gottesdienst, weil es viel schöner ist, zusammen zu singen und zu beten als allein. Und Jesus freut sich über jede Person, die hier ist.

In der Bibel steht, in Philipper 2, 2:
Es gibt über euch so viel Gutes zu berichten: Ihr ermutigt euch als Christen gegenseitig und seid zu liebevollem Trost bereit. Man spürt bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Geist Gottes bewirkt, und herzliche, mitfühlende Liebe verbindet euch. Darüber freue ich mich sehr. Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet.

Corrie ten Boom, eine sehr schlaue Frau aus den Niederlanden, sagte:
In der Gemeinde Jesu geht es nicht um Sympathie und Antipathie, sondern um das ehrerbietige, liebende Ja zueinander.

 

Gebet:

Gott, bitte segne die Kinder und Jugendlichen und schenke ihnen einen Weg, wie auch sie die Gemeinde liebgewinnen und hier eine Heimat für sich finden. Schenke ihnen den Mut, Fragen zu stellen und uns die Offenheit, darauf zu antworten. Segne unser Miteinander und erinnere uns Erwachsene daran, dass wir Vorbilder sind.

Danke für die Talente, die du in die Kinder und Jugendlichen gelegt hast – hilf uns, sie zu entdecken und zu fördern. Danke für die jungen Menschen, die hier sind, und segne sie.

Amen

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Andacht zum Thema „Gemeinschaft und Miteinander“

 Im Folgenden teile ich eine Andacht, die ich gehalten habe. Nach Rücksprache mit mir kann der Text gerne weiter verwendet werden.
Die interaktive „Woll-Idee“ kann in einer Kirchengemeinde oder Kleingruppe, die locker ist und sich darauf einlässt, auch real durchgeführt werden. In Gemeinden, die eher traditionell und weniger experimentierfreudig sind, reicht es, die Idee als „Anleitung zum Mitdenken und -Fühlen“ vorzustellen. Nicht, dass jemand angesichts der neuen Methoden empört die Kirche verlässt, weil Wollknäule von Mensch zu Mensch über die Bank-/Stuhlreihen hüpfen… 😉

 Alle Lieder sind wie immer „Feiern & Loben – Die Gemeindelieder“ entnommen, Bundes-Verlag Witten.

 

Ich liebe Gemeindefreizeiten.
Und zwar aus zwei Gründen: Wegen der Verantwortungslosigkeit und der Anarchie.
Ehrlich.
Ihr nicht?
Okay, vielleicht sollte ich es näher erklären:
„Verantwortungslos“ meine ich die Tatsache, dass ich den Freitag der Anreise grundsätzlich frei nehme, damit ich unterwegs schon Gemeinschaft mit anderen bei der Entdeckung der Umgebung haben kann, bevor wir die restlichen Ankommenden zum Abendbrot im Tagungshaus treffen. So kann ich Gottes Schöpfung genießen und den Kopf frei vom Alltag bekommen, damit die Inhalte des Wochenendes auf fruchtbaren Boden fallen. „Verantwortungslos“ ist in meinen Augen auch die Vollpension, weil ich mich um nichts kümmern brauche, als pünktlich anwesend zu sein und mich an der Mahlzeit erfreuen kann. Dankbar.
„Anarchisch“ ist an Gemeindefreizeiten für mich, dass ich die anderen ohne Sonntagsstaat in Pulli und Puschen erlebe;
dass ich mit Personen Zeit verbringe, die sonst außerhalb meines Radars liegen;
dass das Nachmittagsprogramm zugunsten von Schläfchen oder spontanen Ausflügen geschwänzt werden kann.
Anarchisch ist das Auskosten gemeinsamer Zeit mit Anders-Denkenden, denen ich sonst zu wenig zuhöre.
Anarchisch sind die Gemeindemitglieder, die im September vor dem Frühstück im See baden gehen und den anderen davon vorschwärmen.

Warum erzähle ich das?
Weil ich mir mehr Gemeindefreizeit im Alltag wünsche.
Jetzt.
Ich habe hier Wollknäule, und ich möchte, dass wir uns vorstellen, dass diese Wollknäule durch die Reihen gehen und uns verbinden. Ich werfe dir das grüne Wollknäul zu und du stellst dir vor, an wen du es weiter gibst. Dort drüben werfe ich das blaue Wollknäul in die Luft, ihr fangt es auf und lasst es von Reihe zu Reihe hüpfen. Nach vorn, nach hinten, wenn ihr jemanden auslasst auch wieder zurück. Aus dem linken und dem rechten Flügel treffen sich beide Farben im Mittelgang.
Jetzt geht das Knäuel von dir zu dir… und plötzlich wird sichtbar, was der Heilige Geist schon lange getan hat… uns verbunden..

Natürlich hat das „miteinander verbunden sein“ seinen Grund in unserem Glauben,

Rick Joyner sagte:
Die wahre Gemeinde findet täglich 24 Stunden lang statt, an sieben Tagen in der Woche.
Diesen Blick, diese Haltung wünsche ich uns.

 

Lied 34: „Wir sind hier zusammen in Jesu‘ Namen“ Kanon

 

In Philipper 2, 2-3 steht:
Es gibt über euch so viel Gutes zu berichten: Ihr ermutigt euch als Christen gegenseitig und seid zu liebevollem Trost bereit. Man spürt bei euch etwas von der Gemeinschaft, die der Geist Gottes bewirkt, und herzliche, mitfühlende Liebe verbindet euch. Darüber freue ich mich sehr. Vollkommen aber ist meine Freude, wenn ihr euch ganz einig seid, in der einen Liebe miteinander verbunden bleibt und fest zusammenhaltet.

 

Lied 60: „Dankt dem Herrn mit frohem Mut, er ist freundlich, er ist gut“

 

Wenn ich mir eine Gemeinde auswählen könnte, nähme ich eine mit Leuten, die beten.

John Charles Ryle

 

Gebetsgemeinschaft

 

Gebet
Gott, danke für die Gemeinde, die uns Heimat, Unterstützung, Lehre und Kurskorrektur bietet. Danke für die Schwestern und Brüder, die auf einander hören und aufeinander zugehen. Danke für die Möglichkeit, gemeinsam zu dir zu beten – du vereinst uns in unserer Unterschiedlichkeit. Hilf uns, immer mehr eine Gemeinde nach deinem Herzen zu werden. Hilf uns, über Unterschiede hinweg das Verbindende zu sehen. Hilf uns, gemeinsam voran zu gehen. Danke für deine Leitung und deinen Segen, amen.

 

Lied 138: „Gut, dass wir einander haben, gut, dass wir einander seh’n“

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Hoffnungsschimmer

 .

Alle Lichter, die wir anzünden,
zeugen von dem Licht,
das da erschienen ist in der Dunkelheit.

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Friedrich von Bodelschwingh

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Es ist unglaublich, was die Menschen alles glauben, solange es nicht in der Bibel steht!

Es ist unglaublich, was die Menschen alles glauben, solange es nicht in der Bibel steht!

Arno Backhaus 

Quelle: „Woran starb das Tote Meer“ von Arno Backhaus

Gestern hatte ich spontanen Besuch von einer lieben Freundin, die gerade von ihrem mehrwöchigen Flitterurlaub aus Thailand wiederkam.
Sie erzählte von den Tempeln und all den Regeln, die beachtet werden müssen, damit die Geister gezähmt und das Glück angelockt wird: Hier spenden, dort verbeugen, hier drei Mal drehen, dort Mönche beschenken und noch viel mehr.
Es klang wahnsinnig anstrengend, und ob die Thailänder jemals wissen, ob sie genug für ihr Glück (Geld! Erfolg! Schöne Kinder! Gesundheit!) getan haben, blieb unklar. Ich schätze, dass man sein Leben lang  in Glücks-Beschwörungs-Mission unterwegs ist, ohne sicher zu wissen, ob man sich jetzt entspannen darf oder ob das Glück weiter angelockt werden muss.

Gnade ist, wenn Gott etwas für mich tut. Gesetz ist, wenn ich etwas für Gott zu tun habe.

Watchman Nee 

Quelle: Aus dem Buch: Das normale Christenleben, SCM Hänssler, 2009, Seite 109

Ich bin so froh, dass es vor der Person, die wir Christen „Gott“ nennen (schließlich kann jeder alles mögliche Gott nennen), völlig egal ist, wie viel und was wir tun, um unser Leben zu verbessern. Unser Leben ist ein Geschenk, das uns ohne Bedingungen gemacht wird. Gott hat nur eine Hoffnung: Dass wir ihn als den Urheber dieses Geschenks erkennen und eine persönliche Beziehung zu ihm suchen.
Klar freut er sich über Nächstenliebe den Mitmenschen gegenüber, aber das ist es nicht, was letztendlich zählt: Wir müssen uns nicht von Pflicht zu Pflicht schleppen und immer neue Gesetze befolgen, in der Hoffnung, jemanden gnädig zu stimmen.
Nein: Gottes „JA“ zu uns steht von Beginn an über allem, da können wir Dinge wie Moral und Gesetze völlig außen vor lassen. Natürlich freut es Gott, wenn wir durch unsere Lebensgestaltung deutlich machen, wer hinter unserer Lebensfreude steckt und wir freigiebig sind, was Liebe, Gastfreundschaft, Vergebung, Hoffnung, Zeit und Geduld angeht. Aber es ist nicht der entscheidende Punkt, ob Gott sich uns zuwendet oder nicht.
Er ist da, gegenwärtig, und nichts auf dieser Welt bringt ihn dazu, sich abzuwenden.

Mein Herz ist der Schauplatz eines regelrechten Bürgerkriegs.

Watchman Nee 

Quelle: Aus dem Buch: Das normale Christenleben, SCM Hänssler, 2009, Seite 25

Auch die Kriege in unserem Herzen bringen Gott nicht dazu, sich zu distanzieren.
Auch die Enttäuschung, dass wir unsere Ziele nicht erreichen, nicht.

Satan sagt, lass die Maske nicht fallen, du verlierst dein Gesicht.
Gott sagt, lass die Maske fallen, du hast mein Gesicht.

Arno Backhaus 

Quelle: „Woran starb das Tote Meer“ von Arno Backhaus

Gott kennt uns so, wie wir von niemandem gekannt werden möchten, weil es uns viel zu peinlich ist, was in unseren Köpfen und Herzen für dunkle Untiefen lauern. Er sagt nicht: „Verstecke es!“ sondern: „Komm zu mir, damit ich dich von diesem Dreck reinigen kann und damit du zu dem Mensch wirst, als der du gedacht bist.“
Und darüber bin ich sehr dankbar.

Alle Zitate gefunden auf Evangeliums.net

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Wo wohnt Gott?

Einmal, so erzählt eine chassidische Legende, bringt eine Mutter ihren Sohn
zum Rabbi.
Der Rabbi sagt zum Jungen: „Ich gebe dir einen Gulden, wenn du mir
sagst, wo Gott wohnt.“
Der Junge antwortet: „Und ich gebe dir zwei Gulden,  wenn du mir sagst, wo er nicht wohnt.“

 

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Fürbitte einmal anders

Heute während des Frühstücks wurde ich angerufen, ob ich am Sonntag im Gottesdienst beim Abendmahlsdienst mitmache – mein Teil sei die Fürbitte. Normalerweise lasse ich mich unter der Bedingung, dass ich ein Dankgebet spreche, zum Abendmahl einteilen – für die Fürbitten braucht man einen guten Überblick, welche Katastrophe gerade wo passiert, und genau darum kümmere ich mich normalerweise nicht (Absichtlich, weil das Leid der Menschen vor meiner Tür mir bereits genug zusetzt). In diesem Fall war ich aber direkt ganz dankbar, die Fürbitte als Vertretung zu übernehmen, weil ich dann endlich mal vorne im Gottesdienst stehen und eine Lanze für die Frauen dieser Welt brechen kann.
So werde ich morgen im Fürbittegebet über Zwangsverheiratungen und -prostitution, Arbeitssklavinnen, Gewalt gegen Frauen in jeglicher Form und noch so einiges mehr beten.

Hier einige Zahlen dazu:
3/4 aller armen Menschen (1,4 Milliarden) sind Frauen
Frauen erledigen 2/3 der Arbeit auf der Welt, verdienen aber nur 10% des Einkommens und besitzen gerade mal 1% des Eigentums
450 Millionen Frauen in Entwicklungsländern sind mangel- und unterernährt
80% der Flüchtlinge sind Frauen
66% der Analphabeten weltweit sind Frauen
2 Millionen Mädchen pro Jahr erleiden die Genitalbeschneidung

Wahrscheinlich werden anschließend ältere Gemeindemitglieder auf mich zukommen und ihre Kommentare abgeben, aber hey: Wir beten oft genug für die Alten und Kranken und ebenso beten wir ausreichend für Erdbebenopfer. Dass für die notleidenden und unterdrückten Frauen dieser Welt gebetet wird, habe ich noch nie erlebt.
Also. Ich tu’s morgen.

 

Quelle der genannten Zahlen: emotion März 2012

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