aufmerksam

Wer einen Garten mit SeniorInnen anlegt, kann etwas erleben

Spannende Ereignisse geschehen, sobald ein Garten angelegt wird. Seit ich in der Senioren-Residenz die Außenanlagen ökologischer und zur persönlichen Verwendung nutzbarer gestalte, häufen sich Momente wie diese:

– Herr Z. fragt mich, wie hoch die Stockrosen würden. Ich strecke meinen Arm so hoch ich kann und antworte: „Also, Zuhause werden sie weit über 2,50 m hoch. Laut Pflanzenstecker aber nur 1,50 m. Warum?“ „Na, bei Aldi verkaufen sie immer mal so Stangen, da wollte ich welche besorgen und die Stockrosen festbinden. Hab ich früher im Garten auch gemacht.“
Ich: „Deswegen habe ich sie ja extra am Geländer bei Ihnen vor der Wohnung eingepflanzt, damit sie da Rückhalt haben, wenn sie sehr hoch wachsen. Aber Ihre Stäbe sind super, freu ich mich drauf!“ Er: „Naja, dazu muss ich erstmal Aldi im Auge behalten…“

– Eine Angestellte aus der Küche bringt mir zugedeckelte Plastikbecherchern mit, in denen sonst Medikamente ausgeteilt werden:
Samen von Chili und Winterlingen, außerdem verspricht sie mir Ableger der Glockenblume „Oktopus“. Aha, vielen Dank, womit habe ich das verdient?
Anscheinend bin ich jetzt in die eingeschworene Gemeinschaft der GärtnerInnen aufgenommen…

– Ein ganzer Schwung von Hortensien wird telefonisch angeboten: Mehrere Damen wollen unabhängig von einander, dass ich vorbeikomme, um sie von ihren Büschen zu befreien. Anschließend wollen sie die freigewordenen Kübel auf dem Balkon neu bepflanzen. Ich kann sie doch mal schnell draußen am passenden Standort verbuddeln?! Äääääääh…. da kann ich mich zwar drum kümmern, aber mein Job ist das nicht!

– Diverse Damen stecken mir Tütchen mit Samen zu:
Sonnenblumen von einem Damenmode-Versand und Wildblumen-Wiesen von einem Mineralwasser-Hersteller.
Danke, aber warum säen Sie sie nicht selbst aus? Oder kommen einfach mal zu meiner neuen Garten-Gruppe? Ich freue mich immer über Interessierte!

– Herr H. macht sich große Sorgen um den Judas-Baum auf der Terrasse, der nach der Blüte diverse dürre Zweige aufweist. Er telefoniert meine KollegInnen durch (da ich einen Kurs leite und grad nicht rangehen kann) und lässt mir zusätzlich durch die Rezeption ausrichten, dass ich dringend pflegerische Maßnahmen ergreifen soll, „um nicht sehenden Auges die Katastrophe zuzulassen und den Baum absterben zu sehen!“ Er gießt ihn jetzt täglich. Und meint, ich solle einen amtlich beglaubigten Baumexperten bestellen.
Ja. Danke. Ich schau mich erstmal nach einer Antwort im Internet um.
Irgendwann würde ich auch gern mal die Tätigkeiten erledigen, für die ich eigentlich eingestellt bin.

– Regelmäßig treffe ich einzelne Damen und Herren oder kleine Grüppchen, die zufällig beim Kräuterbeet stehen, um zu schauen, wie die Kräuter so wachsen. Dadurch entstehen ganz neue Kontakte, die mich sehr freuen.
Aber auch: Dauernd werde ich darauf hingewiesen, dass bei dieser trockenen Hitze mehr gegossen werden muss. Ja, danke, macht die Haustechnik (spätestens, wenn ich wieder dran erinnere).
Ansonsten: Zwanzig Meter weiter steht eine Gießkanne direkt unter dem Wasserhahn an der Hausmauer. Gießen statt quengeln, wie wär’s?

– Große Uneinigkeit besteht auch darüber, wie viel pro Person nun geerntet werden darf. Ich versichere immer, dass Rückschnitt den Austrieb fördert, gerade bei Kräutern, aber natürlich alle daran denken sollen, dass sie nicht allein das Beet beernten. 329 andere SeniorInnen wollen vielleicht auch noch etwas abbekommen.

– Ich drücke Frau W. gegenüber mein Bedauern aus, dass sie nicht zur Garten-Gruppe kam, um Kräuter zu ernten und (jede ganz hygienisch für sich) eine sommerliche Kräuterbutter herzustellen. Sie: „Aber ich habe doch gar nichts für die Kräuter getan! Das Beet haben doch andere angelegt!“ Ich: „Na, so streng handhaben wir das nicht, hier dürfen alle miternten.“
Sie versichert mir, dass sie bald wieder beim Gießen helfen möchte: Sie füllt die Kanne zu einem Drittel, stellt sie auf den Rollator und schiebt damit über die Terrasse zum Beet. Dankeschön!

– Auch Lob erreicht mich: Verschiedene Personen versichern sehr glaubhaft, mein Pflanzkonzept sähe viel besser aus als das, was sonst so im Sommer die Rabatten gefüllt hat. Und besonders zufrieden sind alle mit den Schildchen, die ich in den Beeten platziere – speziell die Kräuter können so sehr schön erkannt werden.

– Ehepaar L. bringt mir einen USB-Stick mit, damit ich mir mehrere hundert Fotos von ihrem früheren Garten anschauen kann. Mein Mann sorgt sich um meine technische Sicherheit und erinnert mich daran: Stecke nie etwas, das du nicht kennst, an deinen PC! Aber mein Scheiß-PC auf Arbeit wurde durch IGeL komplett runtergedimmt, der kann gar nichts, noch nicht einmal Fotos öffnen.

– Von oberster Stelle erhalte ich eine Mail aus dem Heimbeirat, der die ideale Lösung für den Glastunnel entdeckt hat: Statt die Pflanzen abwechselnd verdursten und ertrinken zu lassen, weil einzelne Damen sich unterschiedlich darum kümmern und intern darüber zerstreiten, soll ich mich doch einer generellen Neugestaltung annehmen.
No way! Der Glastunnel ist militarisierte Zone, ich habe in vier Jahren nicht herausgefunden, wer dort eigentlich gießt und nach welchem Prinzip. Regelmäßig tauchen hier Blumenkübel auf und ab, ganze Kleinmöbel werden da deponiert und von anderen weggetragen. Ganz ehrlich, ich arbeite hier nur Teilzeit, für diplomatische Verstrickungen habe ich keine Zeit! Da soll sich die UN drum kümmern, das ist politisch hochexplosives Gelände!

aufmerksam, kreativ

Gartenprojekt mit Senioren: Bericht aus dem Bienenbeet

Seit Sonntag ackere ich mich durch diverse Beete der Senioren-Residenz, begleitet von wechselnden Damen und Herren.
Um trotz anhaltender coronabedingter Einschränkungen Gemeinschaft zu ermöglichen, gestalte ich den Garten mit einzelnen BewohnerInnen neu. Mein Ziel ist, dass die Anlage einen wesentlich höheren Anteil an ökologisch nützlichen Pflanzen hat, die sich auch für die SeniorInnen verwenden lassen. So säten wir nicht nur Wildblumen für Insekten, sondern legten eine Kräutergarten an und ließen essbare Blüten keimen. Beerensträucher sind ebenfalls bestellt und sollen nächste Woche ankommen, zusammen mit trockenheitsresistenten Stauden für den sonnigen Eingangsbereich.

Als ich im monatlichen „Hauskurier“ zum Mitmachen aufrief, waren die Rückmeldungen seeeehr verhalten. Im Gespräch konnte ich einige dazu verlocken, sich auf meine Liste setzen zu lassen, aber die Vorbehalte und Ängste überwogen deutlich. Nach zwei sonntäglichen Einzelbetreuungen an Terrassenkübeln trommelte ich für den Montag ein Grüppchen zusammen, die an unterschiedliche Beete verteilt wurden, um die Corona-Auflagen zu erfüllen. Mit dabei: „Mein Arm tut so weh“, „Ich kann heute gar nicht gut stehen, mein Bein schmerzt“, „Die Augen-OP schränkt mich ein und ich darf mich nicht bücken“ und als Teilnehmer Nummer vier „Ich kann nicht lange stehen, muss im Sitzen arbeiten“. Ich hörte mir artig die diversen Einschränkungen an und stellte die einzelnen Aufgaben in den verschiedenen Arealen vor. Anschließend schlug ich vor, wer wo arbeiten könnte, platzierte die Stauden, stellte allen einen Stuhl ans Beet, verteilte Schaufeln usw.

Alle warteten auf konkrete Anweisungen, während ich zwischen den einzelnen Parteien hin und her zischte. Der Herr, der nicht stehen konnte, grub bereits mit dem Spaten das gesamte Erdreich um. Die Dame, deren Arm schmerzte, packte kräftig am Blumenkübel mit an, und die Seniorin, die sich nicht bücken sollte, saß auf dem Stuhl und krebste zischen ihren Füßen im Boden herum. Obwohl alle eine ständige Betreuung erwarteten, was bei einer Leitung und vier Anwesenden für sie wie für mich viel Geduld erforderte, war die Stimmung sehr gut. Immer wieder kamen weitere SeniorInnen vorbei, hielten an, schnackten, trieben ihren Hund zwischen den Beinen aller hindurch oder setzten sich im Strandkorb dazu.
Absolut niemand erwähnte ein einziges Mal all die Gründe, warum sie zu schwach seien, um mitmachen zu können.
Alle wollten gerne weitermachen, als ich zum Aufräumen blies. Niemand fand, es sei an der Zeit, zurück ins Appartement zu gehen. Nur ich wollte gern nach Hause….
Die Dame mit dem schmerzenden Bein lief sogar in den zweiten Stock und zurück, nur um einen Handfeger zu holen, mit dem sie die Beeteinfassung aus Steinen abbürsten wollte.

Am Dienstag war sie gleich morgens wieder am Start, während ich im Hintergrund Löcher für höhere Stauden grub, holte sie mir die Pflanzen aus den Töpfen und fühlte sich allgemein nützlich.
Nachmittags schnappte ich mir eine weitere Dame, die anscheinend nicht ganz verstanden hatte, was genau die Aktivität sein sollte, und sich ständig wunderte: „Ich wusste ja nicht, dass ich alleine hier bin! Und was ich hier alles tun soll! Also darauf hatte ich mich nicht eingestellt!“ Aber sie fuhrwerkte sehr eifrig mit mir herum, erzählte Geschichten von ihrer Tochter, die beide Hosentaschen voller Regenwürmer hatte, und bestimmte ganz klar, welche Stockrose mit welcher Blütenfarbe an welchen Standort kommen sollte.
Außerdem verliebte sie sich in einen Tausendfüßer (Bild oben): „So fein! Schau mal, so fein, wie er sich schlängelt, und so kleine Beinchen…“ Er stürzte mehrfach ab und musste aus dem Gras geklaubt und zurück auf ihre Hand gesetzt werden.

Zum Schluss nahmen die Dame und ich uns ein Beet vor, das gestern nicht ganz fertig geworden war, und ich drängte einen unschuldigen Herrn dazu, der in der Nähe einsam auf der Terrasse saß, mir mit dem Spaten bei den dicken Wurzelausläufern im Boden zu helfen. Mit seinen Birkenstock-Schlappen kam er tatsächlich ins Beet und legte sich kräftig ins Zeug. Während dessen schimpfte er ununterbrochen: „Gestern waren hier sooo viele Leute, und heute biste ganz alleine, Marie. Das ist doch nicht in Ordnung! Wo sind die denn alle?“
Dabei war natürlich Zweck und Ziel der ganzen Aktion, möglichst viele SeniorInnen nacheinander einzubeziehen und aktiv werden zu lassen. Je kleiner die Gruppe, desto eher kann ich ZuschauerInnen mal schnell zum Mitmachen bewegen…

Wer sich konkrete Hinweise und Tipps für ein Gartenprojekt mit SeniorInnen wünscht, wird in der Schatzkiste Seniorenbetreuung fündig.

aufmerksam, kreativ

LandArt: Mandala aus Naturmaterialien legen

Heute möchte ich vorstellen, wie ein Mandala in der Natur aus Fundstücken entsteht. Es setzt sich primär aus Kiefernzweigen und -zapfen zusammen, sodass es auch im Herbst und Winter gelegt werden kann.

Nach mehreren Sturmtagen fand ich diese abgerissenen Kiefernzweige mit ihren Blüten. Ich sammelte sie und schnitt die Zweige so kurz, dass primär die Spitzen mit den gelben Blütenständen übrig blieben.

Um die kreisförmige Grundstruktur anzulegen, arrangierte ich die Zweige in einem äußeren Kranz, auf den ich weitere Zweige schichtete, bis der Kreis gleichmäßig ausgefüllt war.

Auch Kiefernzapfen hatte der Sturm herunter gerissen, ich drapierte sie in einem größeren Kreis rund um die Zweige.Tannenzapfen legte ich zwischen den äußeren und den inneren Kreis, dabei zeigen alle Zapfenenden in die Mitte.
Um Höhe zu schaffen, richtete ich drei Tannenzapfen auf und stabilisierte sie, indem ich die Spitzen aneinander legte.
Ein frühlingsfrisches Mandala mit einem Stern aus Blütenblättern der Magnolie gestaltete ich hier: Frische Blättchen von der Buche hatte der Wind ebenso herab geweht wie die Magnolienblüten und Rhododendronblätter.
In Kürze stelle ich auf AktivierenPlus im Bereich „Kreative Angebote“ meine Anleitungen zu LandArt mit SeniorInnen vor.

aufmerksam

Aus dem Alltag in der Senioren-Residenz: Neue wilde Sprüche

Wenn eine neue Dame eingezogen ist und wir versuchen, zu klären, woran wir sie erkennen können, meint die Kollegin, die sie bereits kennengelernt hat, grundsätzlich: „Sie ist klein, weißhaarig, Brille, schiebt einen Rollator…“ Daraufhin rufen wir anderen immer im Chor: „So sehen sie alle aus!“
Daher bin ich sehr stolz auf mich, einen Großteil der 330 BewohnerInnen von hinten erkennen zu können.
Heute marschierte ich einen Flur hinunter und war der Meinung, vor mir müsste Frau Johannsen (alle Namen wie immer geändert) längs schieben. Also rief ich sie, sie drehte sich um, und stellte sich tatsächlich als Frau Johannsen heraus. Sie nutzte die Gelegenheit, um mir für die letzte Andacht zu danken, die ich als Heft mit Liedern, Gebeten und Mitmach-Aktionen den Interessierten ins Appartement bringe: „Wenn ich sie bekommen habe, nehme ich sie abends mit ins Bett und les‘ sie da. Meine Tochter rief in dem Moment an, und da hab ich gleich gesagt, sie könne doch mal den Psalm 119 lesen (den ich in der Andacht vorstellte), und sie sagte: Den kenn ich auch!“
Auch Frau Stiephorn hatte mir letzte Woche erzählt, die Andacht abends im Bett zu lesen. Jetzt habe ich immer das Bild vor Augen, wie die Damen im Flanellnachthemd mit leicht zerzausten Haaren im Bett sitzen und im Schein der Nachttischlampe durch meine Botschaften schmökern.
Auch schön.
Frau Johannsen ist übrigens die Dame aus meinem Adventsbericht, die „einen Tannenbaum mit LSD-Lichtern hat, die wie Las Vegas blinken.“

Für die monatliche Pressearbeit plane ich einen Artikel über das Thema „Frauenfreundschaft“. Ich rief zwei Damen an, die sich in der Residenz kennengelernt haben und von außen gesehen eng befreundet sind. Sie sagten beide zu, dass die Journalistin sie interviewen darf, allerdings meinte Frau Gimpel: „Freundschaft würde ich das nicht nennen.“ Ich zuckte innerlich und dachte an all die Damen, die als langjährige Paare zu zweit bei uns wohnen, und ob Frau Gimpel bei der verwitweten Frau Weiland nun mehr als Freundschaft gefunden hatte. Also fragte ich sachlich nach, aber statt interessanter Enthüllungen folgte nur ein: „Es ist doch eine Bekanntschaft.“
Ach. Na denn.
Sie willigte aber ein, es im Interview Freundschaft nennen zu dürfen.

Wesentlich riskanter war der Kommentar von Herrn zum Schluh, einem ausgesprochen herzlichen, adeligen Herrn. Er schob mal wieder über den Flur, weil er sich für einen Spaziergang draußen zu wackelig fühlte. Als wir uns zum dritten Mal am selben Tag trafen, meinte er zu mir: „Na, wir haben aber einen kolossalen Verkehr heute, wir beide.“

Zwei Meter vor dem Fahrstuhl sprang Frau Knabe von hinten an mich heran, packte mich am Ohr und wuschelte mir als liebevoll gemeinte Geste durch die Haare, um sich dafür zu bedanken, dass ich neben ihren Namen und ihre Appartementnummer auf die letzte Andacht ein Herzchen gemalt hatte.
Ehrlich gesagt male ich neben alle Namen ein Herzchen, bevor ich das Heft in der gesamten Anlage an 45 Personen verteile. Nur die Herren lasse ich dabei sicherheitshalber aus. Nachdem bisher niemand etwas dazu gesagt hatte, fiel es diesen Monat auf einmal mehreren Damen auf.

Aber am allerbesten war Frau Caspar, die ich heute anrief, um zu fragen, ob ich ihr behilflich sein kann.
Sie: „Nee, wüsste ich nicht. Ach doch, Sie können mal kommen und oben auf den Schränken Staub wischen.“
Ich: „Wann denn? Jetzt gleich oder heute Nachmittag?“
Sie: „Nee, jetzt nicht, jetzt ist die Putzfrau da.“
Ach so?!
Also besuchte ich zwanzig Minuten lang auf halber Strecke eine andere Dame und kam dann erst, um auf dem Schrank und an der Deckenlampe feucht zu wischen.
Nachdem die Putzfrau weg war.

aufmerksam, glaubhaft

Andachten für SeniorInnen: Hier zum kostenlosen Download

Im Alltag spüre ich bei den SeniorInnen weiterhin ein großes Bedürfnis, „die großen Fragen des Lebens“ zu klären und spirituelle Bedürfnisse zu erfüllen. Da ich mindestens ein Mal pro Monat den SeniorInnen der Residenz eine Andacht als Heft konzipiere und ins Appartement bringe, teile ich mit PädagogInnen mein Material:
Auf meiner Website „Schatzkiste Seniorenbetreuung“ können in der Kategorie „Spiritualität“ Andachten zu Themen wie Vergebung, Geborgenheit, Selbstannahme kostenlos herunter geladen werden. Natürlich stelle ich auch Beispiele für die Passionszeit, Advent, Weihnachten und den Jahreswechsel vor.
Alle Andachten enthalten Liedtexte, Bibellese, Gebete, Mitmach-Aktionen, Raum für eigene Gedanken und zum Abschluss das „Vater unser“ und einen thematisch passenden Segen. Sie können in der Senioren-Einrichtung an Interessierte verteilt werden oder als Ideenfundus für eigene Gottesdienste benutzt werden.
Ich freue mich über Rückmeldungen, wie meine Konzepte in anderen Häusern ankommen!

aufmerksam, feminin, Presse

Presse: Mein Engagement für mehr Lebensfreude für SeniorInnen

Heute erschien auf der Website der Kursana Residenz Hamburg ein Artikel über meinen Arbeitsalltag unter Corona-Bedingungen. Da ich mich aus Prinzip nicht unterkriegen lasse und immer noch ein Schlupfloch finde, wie ich trotz Lockdown den SeniorInnen ein bißchen Hoffnung und Fröhlichkeit ins Appartement schmuggeln kann, fand vor Kurzem ein Interview mit der Pressevertreterin statt.
Wen es interessiert: Eine Zauberin der Lebensfreude

aufmerksam, kreativ

Grüße basteln: Die einfachsten Herbstkarten der Welt

Während draußen der Regen an die Fenster pladdert, nach dem sich alle GärtnerInnen in den vergangenen Monaten verzehrt haben, muckeln wir uns drinnen ein und basteln:
Mit dem nächsten Lockdown vor der Nase ist der Herbst die ideale Saison, um mal wieder schöne Kartengrüße zu gestalten. Sie sind so einfach, dass von der Dreijährigen bis zur demenziell veränderten Uroma wirklich alle mitmachen können.

Benötigt werden lediglich zwei Papierstanzen mit den Motiven „Ahornblatt“ und Eichenblatt“ (kleiner Tipp: Kommen auch per Post ins Haus). Als Basis verwenden wir entweder Blankokarten oder einfarbige Pappe, die in Rechtecke oder Quadrate geschnitten wird. Nun suchen wir uns noch sämtliche Papierreste der letzten zwanzig Jahre zusammen und los geht’s:
Mit dem Klebestift malen wir einen Kreis auf die Karte, kleben die bunten Blätter in Form eines Kranzes darauf und gehen damit direkt in Serienproduktion, weil es so simpel ist.
Wer ebenfalls silberfarbene Blätter aus der allerstärksten Pappe stanzen möchte, ohne sie für horrende Summen im Bastelladen zu besorgen: Einfach eine Packung Schokoküsse vernichten und danach zerschneiden…


Wenn auch die Wohnung noch auf den Herbst einstimmen werden soll: Hier habe ich weitere Ideen zum Basteln vorgestellt.
Wer ein Gesteck mit Astern und Äpfeln anfertigen möchte, findet hier die Anleitung. Dazu gibt es den passenden Tischschmuck aus Naturmaterial: Wilden Äpfelchen und Ahornblättern.
Mit wilden Äpfeln kann auch Papier bedruckt werden, um zu einem Herbst-Brunch einzuladen.

aufmerksam, kreativ

Kreatives Schreiben mit Senioren: Vom Waldweg ins Stundenhotel

Alles, was ich in der Residenz gerne tue, ist durch Corona verboten:
Kurse leiten, Vorträge halten, SeniorInnen knuddeln sind die ersten Punkte, die mir einfallen und am meisten fehlen.
Immerhin treffen wir uns inzwischen mit einer Handvoll Damen und Herren für kleine Gruppenangebote auf der Terrasse, so es das Wetter zulässt.
Diese Woche hatte ich ein Experiment vor:
Ich lud zum „Kreativen Schreiben“ ein. Die Anmeldezahlen trudelten nur seeehr spärlich ein, sodass ich davon ausging, dass der Kurs wohl nicht zustande käme. Tatsächlich ergab sich kurzfristig eine wesentlich größere Runde, natürlich schön auf Abstand, und wir hatten gemeinsam den Spaß unseres Lebens!

Vorab hatte ich Klemmbretter mit Blankopapier, einem Deckblatt mit Regeln zum Kreativen Schreiben und Kugelschreibern ausgestattet. Zum Glück hatte ich gleich ein paar Exemplare mehr vorbereitet, und selbst die reichten bei weitem nicht.
Da die SeniorInnen große Bedenken hatten, dass sie nicht wissen, was sie schreiben sollen, und ihnen nichts einfällt, und das eine alberne Veranstaltung ist, und alle über die eigenen Ideen lachen und komisch gucken und das ganz schrecklich peinlich wird, und sie sicherheitshalber lieber im Appartement bleiben, hatte ich Regeln für den Kurs und das Schreiben allgemein aufgestellt: Die meisten alten Menschen lieben Regeln und empfinden dadurch eine gewisse Sicherheit.

Regeln zum kreativen Schreiben

* Lassen Sie alle Hemmungen fallen.

* Schalten Sie den Kopf aus und lassen Sie den Stift auf dem Papier tun, was er tun möchte. Auch Kritzeleien und Schimpfwörter – wer weiß, was daraus entsteht?!

* Produzieren Sie ruhig diverse Fehlversuche.
Lieber Papier zerknüllen und im hohen Bogen wegwerfen, als in die Luft starren und Ladehemmungen entwickeln!

* Verlassen Sie gedanklich das Hier und Heute.
Denken Sie sich an einen anderen Ort, in eine andere Zeit, werden Sie wieder jung oder stellen Sie sich eine neue Identität vor.
So schauen Sie mit wachen Augen und einem ganz anderen Blick auf die Welt, was zu frischen Gedanken führt!

* Seien Sie wohlwollend mit Ihren Versuchen.
Es sind Ihre Babies, und Neugeborene sehen immer etwas verschrumpelt und hässlich aus. Legen Sie das Papier eine Weile beiseite und schauen Sie morgen oder übermorgen nach etwas Abstand aus einem anderen Blickwinkel darauf.
So werden aus Schiete manchmal Schätze!

* Wenden Sie absichtlich alberne Regeln an.
Wenn Sie sich innerlich blockiert fühlen und Ihnen nichts Sinnvolles einfällt:
Schreiben Sie absichtlich einen richtig, richtig schlechten Text.
Ein richtig mistiges kleines Gedicht.
Und danach erleben Sie, wie sich Blockaden auf einmal lösen!

Mein permanentes Mantra während der Stunde war „Wir enthemmen uns!“, was gleich bei meiner Einleitung die Frage provozierte: „Sollen wir dabei die Kleidung ablegen?“ Nö, das tun Sie, wenn das Kurbad eines Tages wieder geöffnet hat…
Zu Beginn leitete ich verschiedene assoziative Übungen an, um das analytische Denken der Westeuropäer möglichst schnell zu verlassen und in einen unzensierten Gedankenstrom zu kommen. So brachte ich den SeniorInnen unter anderem an der Flipchart bei, wie ein Cluster entsteht. Ich bat um „Irgendein Wort, egal welches, bloß ein einziges Wort“ und Frau Dethlefsen* schlug „Wald“ vor. Schnell kamen wir auf „Waldweg, Waldvögel, Waldmeister, Waldfriedhof, Waldmaus“ und von dort aus landeten wir in wenigen Schritten über „Waldgeist – Geisterstunde – Stundenhotel – Sex – Preis – Förster – Uniform“ in gaaanz anderen Gefilden. Dabei hatten wir die „Waldmeisterbowle“ mit „Tanz“ und „Kuss“ aus einem anderen Strang noch gar nicht konsumiert…

Entsprechend aufgewärmt folgte eine „Knopf-Geschichte“, dazu durften sich alle aus einer Schachtel einen Knopf aussuchen und sollten dann einen Text schreiben:
Zu welchem Kleidungsstück gehört der Knopf? Wer hat es getragen? Wie lebt diese Person? Wie fühlt sie sich? Was erlebt sie heute?
Und obwohl ich schon in der Kursankündigung geschrieben hatte, dass niemand etwas vorlesen muss, gab es einige Damen, die ihre Knopf-Geschichte sehr stolz den anderen Anwesenden vortrugen. Und der Inhalt war tatsächlich ungewohnt enthemmt, das kann ich bescheinigen!
Die Damen brachen mit leuchtenden Augen auf und fragten, ob es gleich nächste Woche weiterginge. Angesichts der schleppenden Anmeldungen hatte ich den Folgetermin im August-Programm bereits gecancelt, versprach aber, dass ich selbstverständlich im nächsten „Hauskurier“ weitere Treffen ankündigen würde.

Kurz darauf fragte mich die Pflegedienstleitung, als wir uns am Kopierer trafen, was ich denn „mit denen angestellt habe, die waren ja so selig“, diesen Kurs würde er auch gern mal besuchen!

*Namen wie immer geändert

aufmerksam, kreativ, Presse

Presse: Mit SeniorInnen tierfreundliche Gärten gestalten

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Altenpflege Aktivieren“ stelle ich einfache und wirkungsvolle Anleitungen vor, wie SeniorInnen aktiv heimischen Tieren einen Lebensraum bieten können. Unter dem Motto „Wir geben Tiere ein Zuhause“ bastelten wir Bündel aus Japanischem Riesenknöterich als Nisthilfe und fertigten aus Blumentöpfen und Heu Schlafplätze für Insekten an. Die SeniorInnen hatten eine Menge Spaß und erzählten anschließend, wie sie die Balkons ihrer Appartements mit den Kreationen ausgestattet haben.
Im Artikel präsentiere ich weitere Ideen, um die Außenflächen von Einrichtungen für Kleintiere attraktiv zu gestalten.
Wer sich für das Thema interessiert: Hier im Blog versammelte ich vielfältige Möglichkeiten, um naturnah am Haus Tieren eine Heimat zu bieten. Gartengestaltung kostengünstig und ökologisch sowie die schönsten Blumen für Bienen.

Hinweis zum Bildmaterial und zur Durchführung: Die Aktion geschah vor Corona! Aktuell finden derartige Angebote nicht statt!

In der selben Ausgabe präsentiere ich meine „Ideen gegen den Corona-Lagerkoller“.
Den Kolleginnen in anderen Senioren-Einrichtungen stelle ich vor, zu welchen Aktivitäten ich meine SeniorInnen anrege: Endlich mal die Fotos in Alben einkleben, die Sockenschublade sortieren (und andere fehlerhafte Dinge wegwerfen), Blumen für den Balkon auf der Fensterbank keimen lassen, die Sammlung der Grußkarten dezimieren und liebe Grüße schreiben…

Meine lustbetonte, ganzheitliche Atemgymnastik „Atemfreude“ wird auf der ersten Seite des Magazins ebenso beworben wie mein neues Buch: „Gruppenspiele für gute Laune. Loslegen, Lachen, Überraschen“

aufmerksam, Presse

Mein „Bücher-Club“ in der Presse: Leseerlebnisse für SeniorInnen

Die SeniorInnen lieben es, wenn sie mich überraschen und sich über meine perplexe Reaktion freuen können.
So eröffnete mir gestern eine Dame, dass ein Bericht über meinen Bücher-Club im aktuellen „Niendorfer Wochenblatt“ erschienen sei und amüsierte sich prächtig, als ich davon nichts wusste.

Im „Bücher-Club“ stelle ich jedes Mal zwei bis drei Romane vor, die unterhaltsam sind und einen spannenden Blick auf das Leben ermöglichen. Philosophische Aspekte, hintergründiger Humor oder unkonventionelle Lebensweisen lasse ich dabei zu Wort kommen. Gerne stelle ich Wiederentdeckungen verschollen geglaubter Romane vor, aber auch besondere Biografien oder generationenübergreifende Geschichten.
Die SeniorInnen sitzen an lauter kleinen Tischen, die ich locker im Raum verteile, damit alle flexible Plätze einnehmen können. Gerne serviere ich dazu frischen Minztee aus dem Garten, den ich morgens pflücke. So entsteht ein temporäres Literatur-Café, das sehr gut besucht wird.