aufmerksam, glaubhaft

Auf der Suche

Wir werden in der Bibel immer gerade so viel finden, als wir suchen:
Großes und Göttliches, wenn wir Großes und Göttliches suchen;
Wichtiges und Historisches, wenn wir Wichtiges und Historisches suchen; überhaupt nichts, wenn wir überhaupt nicht suchen!

Karl Barth
aufmerksam, feminin

Ein Zimmer für SIE allein, Teil 2

„Die Männer haben immer auf ihren Rückzugsorten bestanden – sie hatten ihr Jagdhaus, ihr Ruderboot, einen schönen Wagen, eine Werkstatt, oder auch nur einen bequemen Sessel im Arbeitszimmer,“ sinniert Antonia Bellana-Mahoney in ihrem kleinen Zimmer, das an Garten und Pool grenzt.
„Aber auch Frauen müssen sich einen Freiraum schaffen, wo sie wieder zu ihrem Gleichgewicht finden.“

„Heutzutage müssen Frauen viel Verantwortung übernehmen… wir scheinen unendlich viel Zeit für jeden zu haben, nur nicht für uns selbst. Oft geben wir alles weg, was wir haben, so dass wir uns am Ende ganz leer fühlen. Dann hilft uns ein privater Rückzugsort. Hier können wir uns auf uns selbst besinnen, regenerieren und neue Energie gewinnen – um sie anschließend gleich wieder weiterzugeben.
Es erfrischt und belebt ungemein, zur Abwechslung einmal zu sagen: Jetzt komme ich an die Reihe.“
Sally Quinn

Zitate aus: „Ein Zimmer für SIE allein – Frauen und ihre Refugien“. Chris Casson Madden, Gerstenberg

 

 

Derzeit ist nach vielen Wochen des intensiven Suchens weiterhin keine Wohnung in Sicht. Während ich mich täglich zwischen Beruf und Wohnungssuche zerreiße, ist ein neues Zuhause immer noch nicht greifbar. Ich bin müde, erschöpft, genervt und inzwischen sehr dünnhäutig.
Mir reicht`s.
Mein „eigener Raum“ ist in diesem Fall die Entscheidung von gestern, die nächsten zehn Tage „nur“ das übliche Tagesgeschäft zu erledigen und meine Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen. Wer viel unterwegs ist und dem Zuhaus nur Stippvisiten abstattet, merkt bald, dass die Unordnung sich häuft.
So werde ich die Zeit, bis mein Verlobter nach Hamburg kommt, dazu nutzen, mein aufs Äußerstes angespanntes Leben zu normalisieren, meine Freizeit wirklich als solche zu nutzen und, da ich für solche Dinge wieder Zeit habe, aufzuräumen.
Die nächsten zehn Tage ist mir der Hamburger Wahnsinn auf dem Wohnungsmarkt egal – ich habe mir die Beine ausgerissen und absolut alles versucht, eine weitere Erhöhung des Stresslevels halte ich nicht aus und die Wohnung werde ich dadurch auch nicht schneller finden.
Ich habe es satt, allein die Verantwortung zu tragen und steige einfach aus.
Wie wir in Zukunft die Wohnungssuche angehen, wird demnächst vor Ort statt am Telefon verhandelt. Bis dahin bin ich endlich mal wieder „ich“ und keine Marionette, die überdreht und ohne Pause in alle Richtungen gleichzeitig rennt.

aufmerksam, glaubhaft

Bohnensuppe ohne Bohnen

Gestern habe ich es geschafft, vor lauter Müdigkeit in Kombination mit dem ablenkenden Gedanken „Ich will nur mal schnell…“ eine Bohnensuppe ohne Bohnen zu kochen. Alles andere Gemüse schmurgelte im Topf, nur die Bohnen lagen noch im Kühlschrank, als ich den Deckel abnahm und mir auffüllen wollte…
Leider passiert auch Christen, dass sie sich in ihrem Leben umschauen und plötzlich denken: „Hier fehlt doch was… ich habe Jesus Christus ganz aus den Augen verloren.“ Da steht bei uns gedanklich „Christ“ auf der Stirn und was fehlt, ist die Essenz: Gott.
Momentan, wo die Aufgabenlisten täglich wachsen statt zu schrumpfen, denke ich das manchmal. Wieder nicht gebetet, wieder den Tag aus eigener Kraft geschafft, Reserven verbraucht und gemerkt, dass meine Energie nicht so weit reicht, wie sie es mit der richtigen Einstellung täte.
In wuseligen Zeiten fällt oft gerade das weg, was als Quelle dient:
Sich morgens mit einem Blick Richtung Himmel und einem Blick auf den Kalender vor der Arbeit auf den Tag einstimmen.
Für die Patienten beten, bevor wir uns sehen, statt in die Begegnung zu treten und im Nachhinein zu denken: „Hätte ich als Vorbereitung mal gebetet, dann wäre das Gespräch mit Frau Fischer sicher in anderer Stimmung verlaufen – und die Stunde wäre befriedigender gewesen, weil sie das bekommen hätte, was sie benötigte.“ Gerade in der Praxis ist es so wichtig, sich von dem füllen zu lassen, der Freude und Schwung im Übermaß hat (nämlich Gott), statt aus eigenem Antrieb den Patienten gerecht werden zu wollen.
Auch das Stillwerden im Alltag funktioniert dann am wenigsten, wenn man es am meisten braucht – weil es scheinbar immer brennt und Tempo angesagt zu sein scheint.

Eine Bohnensuppe ohne Bohnen, ein christliches Leben ohne Christus – das möchte ich nicht. Gut, dass Gott mir zur Seite steht, auch wenn meine Aktivitäten so viele Staubwolken produzieren, dass ich ihn aus dem Blick verliere. Er ist nah bei mir, mitten im Chaos und im Staub, und sieht mich. Schenkt mir Kraft. Und schaut weiter als mein begrenzter Blick bis zum Horizont, wo die Wohnungsfrage glasklar offen liegt und beantwortet ist.

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Hoffnung für die unklare Zukunft

Heute morgen war ich schon vor dem Frühstück im Internet unterwegs, um die Wohnungssuche weiter voran zu treiben.
Als ich anschließend mit der Losung („Gottes Wort für jeden Tag“) am Esstisch saß, berührten mich die für heute notierten Bibelverse ganz besonders:

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln (= fehlen).“ Psalm 23, 1

„Christus spricht: Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen. (In einer anderen Übersetzung, der „Hoffung für alle“, heißt es: Ich bringe allen, die zu mir gehören, das Leben – und zwar im Überfluss.)
Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe (was so viel bedeutet wie: Er setzt sich mit allem, was er hat, für die Menschen ein, die ihm vertrauen. So, wie Schafe dem Hirten vertrauen und er sich um sie sorgt).“ Johannes 10, 10 + 11

Das ist mir ein ganz direkter Zuspruch – ein Versprechen, dass Gott es gut mit mir meint und sich genauso um die Wohnung kümmert, wie ich danach suche.

Haus auf dem Darss (… das würde ich nehmen… 😉 )

 

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Wähle ein Wort

„Nimm einfach ein kurzes Wort, am besten aus einer Silbe oder zwei… So ein Wort wäre Gott oder Liebe. Wähl dir eines, das dir zusagt… und binde dieses Wort so an dein Herz, dass es, was auch immer geschieht, dort bleibt.
Dies Wort soll dein Schild und Speer sein, ob du im Frieden oder im Kampf reitest.
Mit diesem Wort bist du gewappnet gegen Wolke und Finsternis über und unter dir.
Mit diesem Wort vermagst du Grübeleien jeglicher Art abzuwehren und in einem Meer das Vergessens zu versenken. Und sollte irgendein Gedanke dich bedrücken und solltest du dich beständig fragen, was du hättest anders machen sollen, dann antworte ihm mit keinem weiteren Wort als mit ebendiesem.
Sollten dir deine Gedanken aufgrund ihrer großartigen Lernfähigkeit anbieten, das Wort zu analysieren und dir seine Bedeutung zu enthüllen, dann sag deinen Gedanken, dass du es so behalten möchtest, wie es ist… Es geht nicht um Analyse oder Erhellung…
Denn niemand vermag Gott wirklich zu durchdenken. Daher ist es mein Wunsch, alles aufzugeben, was ich darüber denken kann, und mich für die Liebe zu entscheiden, die man nicht denken kann. Gott lässt sich lieben, aber nicht denken. Mit der Liebe vermag man ihn zu erfassen und zu umfangen, aber nicht mittels Gedanken.“

aus: The Cloud of Unknowing, geschrieben von einem anonymen christlichen Mystiker des 14. Jahrhunderts.
gefunden in: „Ein Sommer unwahrscheinlichen Glücks“ von Laura Munson

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Glaube ganz lebensnah

Heute war ich wieder einmal bei der Gestaltung des Gottesdienstes dabei und erzählte dabei aus meinem Leben. Als Thema des Gottesdienst-Teils, den ich gestaltete, hatte ich die Aussage gewählt: „Gott vertrauen, wenn sich das Leben verändert“.
Dabei zitierte ich unter anderem eine tolle Frau, die sehr unerschrocken war: Corrie ten Boom.
Sie sagte:
Herr, ich bitte nicht darum, das entfernt Liegende zu sehen. Der nächste Schritt genügt mir schon.
So berichtete ich davon, dass die Frage nach einem neuen Arbeitsplatz mich das letzte Jahr beschäftigt hat und über welches Resultat ich mich nach einem Jahr Suchen, Fragen, Zweifeln und Warten freuen kann.
Ich hatte eine Flasche Sekt mitgebracht, die ich hoch hielt, um all denen Mut zu machen, die noch in der Zeit der Orientierungslosigkeit stecken und sich nach Antworten und einem klaren Ziel sehnen: „Diesen Sekt habe ich nicht mitgebracht, weil ich mich freue, sondern weil ich der Überzeugung bin, dass es für all die unter euch, die der Veränderung ins Auge sehen und noch nicht wissen, wohin es geht, ein gutes Ergebnis gibt. Dieser Sekt ist das Bild dafür, dass Gott sich uns zuwendet und mit ihm zusammen das Ziel greifbar wird. Dass er da ist und bereit, den Weg mit uns zusammen zu gehen. Dass er weiß, wie es ausgeht. Und das er uns dorthin begleiten will. Gott hat ein unbedingtes JA zu uns.“

Hört niemals auf zu beten. Vergesst auch nicht, Gott für alles zu danken. Denn das erwartet Gott von seinen Kindern.
1. Thessalonicher 5, 17-18

Alles, was ihr erbittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden.
Markus 11, 24

Corrie ten Boom, diese intelligente und tatkräftige Frau, sagte:
Gott sieht dich und mich. Er liebt uns so sehr, dass er uns helfen und das, worum wir ihn bitten, tun will.

Obwohl ich eigentlich nur der Gemeinde an meinem Leben Anteil geben und Mut machen wollte, die Zeit der Veränderung zu gestalten, wurde es sehr emotional.
Mir standen so viele Tränen in den Augen, dass ich meine Notizen nicht mehr lesen konnte und frei weiter sprechen musste. Auch meine Stimme war zeitweilig sehr wackelig…
Noch nie habe ich in den Gesichtern der Gottesdienst-Besucher so viele Bewegungen gesehen: Freude, Anteilnahme, Erinnerung, Interesse, Zustimmung, Traurigkeit, innere Bewegtheit, Unterstützung.
Es herrschte eine ganz außergewöhnliche Stille und Spannung in der Kirche, gemeinsam mit einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl.
Während der anschließenden Gebete fassten viele der Gemeindemitglieder ihre Gefühle in Worte: Dankten für das Gehörte, baten um Unterstützung, sprachen Gott ihr Vertrauen aus.
Später bekam ich viele positive Rückmeldungen, weil es als sehr bereichernd empfunden wurde, dass es ganz handfest und konkret um mein Erlebnis mit Gott im Alltag ging.
Etwas, dass in den Gottesdiensten oft zu wenig vorkommt….

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Adventskalender

Von meiner Mutter habe ich ganz überraschend einen schönen Tee-Adventskalender geschenkt bekommen: Täglich gibt es eine andere Tee-Mischung, die oben mit einem schönen Spruch bedruckt ist – bisher hatten die meisten Sprüche etwas mit Sternen zu tun.
Ein Spruch, der mir besonders gut gefällt:

Manchmal ist der Weg weit.
Manchmal verliere ich den Stern aus den Augen.
Was macht das schon.
Er ist da.

Melanie Kirschstein