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Der Traum vom Schreiben: Woran du erkennst, dass du endlich eine „echte Autorin“ bist

Viele träumen davon, ihre Gedanken einmal abgedruckt in einer Zeitschrift oder sogar als Buch in den Händen halten zu dürfen. Natürlich kann sich jedeR auf Blogs und in den Kommentarfunktionen von Webseiten austoben, aber genau darin liegt die Krux: Da es jeder beliebigen Person möglich ist, hat es nicht den Wert von „echter Schriftstellerei“.
Heute gebe ich mal wieder Einblick in mein (nebenberufliches) Schreiben – wahlweise, um dich zu unterhalten, oder um dich zu coachen!

Woran du erkennst, dass du endlich eine „echte Autorin“ bist:
1.) Du hast keinen Überblick mehr, was du alles wann für welchen Verlag geschrieben hast.
Eine Freundin drückt dir eine Tüte in die Hand, mit den Worten: „Hier, das sind Belegexemplare von dir, die liegen schon seit drei Jahren bei mir rum. Dachte, du willst sie sicher mal wiederhaben.“
Du lächelst ahnungslos-freundlich, bedankst dich und überlegst: Was, um alles in der Welt, hast du vor drei Jahren geschrieben? Offensichtlich etwas halbwegs Brauchbares, sonst hätte es niemand gedruckt. Was mag nur in der Tüte sein?

2.) Deine Lektorin hat sich seit sechs Wochen nicht mehr bei dir gemeldet, und du bist trotzdem völlig entspannt.
Zu Beginn deines offiziellen Schreibens hattest du schon nach zehn Tagen ohne Antwort schlaflose Nächte und Bauchkrämpfe, hast dich gefragt, ob deine Arbeit derart unterirdisch ist, dass sich niemand mehr jemals bei dir melden wird. Hast überlegt, ob du irgendwie in der letzten Mail den passenden Umgangston nicht getroffen hast oder auf der Abschussliste des Verlags stehst.
Inzwischen weißt du: Wenn sie sich wochen- oder monatelang nicht melden, ist alles okay.
Das muss so.
Entspann dich, alles läuft nach Plan. Auch, wenn es keinen Plan gibt, du zwischen den LektorInnen hin- und hergeschoben wirst und deine Fragen unbeantwortet bleiben: Alles ist super, wirklich. Das gehört dazu.

3.) Du nimmst nicht mehr auf Krampf jeden Buchvertrag an.
Wenn dir nicht gefällt, wie das Lektorat mit dir und deiner geistigen Arbeit umgeht: Lass es bleiben.
Wenn das Honorar eine Beleidigung ist: Lass es bleiben.
Wenn du alles 17mal umschreiben musst, bis du selbst nicht mehr weißt, was deine Grundaussage war: Lass es bleiben.
Wenn du ganzzzzzzz seltsame Regelungen im Autorenvertrag findest: Lass es bleiben.
Wenn dein Projekt es wert ist, mit deinen Mitmenschen geteilt zu werden, wird sich ein Weg ergeben.4.) Von deinem Quartalshonorar kannst du dir mehr leisten als einen Wocheneinkauf auf dem Markt.
Es reicht zwar noch nicht, um als reguläres Einkommen zu gelten, aber du kannst dir davon zumindest einen Kurzurlaub finanzieren. Wenigstens ein verlängertes Wochenende.

5.) Du bist gerade mit einem Buchprojekt beschäftigt, für das sich bereits mehrere Verlage interessieren, und auf einmal beginnst du wie vom Blitz getroffen, ein ganz anderes Buch zu schreiben. Urplötzlich erwischt dich eine fantastische Inspiration, du setzt dich an den Computer, und deine Hände tippen wie von allein die ersten 26 Seiten eines Manuskripts, von dem du nicht wusstest, dass es in dir schlummert. Und das hundert Mal geiler ist als dein eigentliches Konzept, das du bereits mündlich einem Verlag versprochen hattest.
Schiete, sagte Fiete.
Also kommst du nicht umhin, trotz deiner norddeutsch-sachlichen Arbeitsweise, eine Mail an deine zukünftige Lektorin zu schreiben, die sich liest, als wärst du auf LSD. In der Hoffnung, dass sie versteht, wie viel großartiger das ist, was plötzlich wie von allein auf deiner Tastatur entsteht. Wahrscheinlich glaubt sie jetzt, du hättest eine Meise, aber haben die richtig guten AutorInnen nicht alle einen kompletten Vogelschwarm? Eben.
Wenn die Lektorin die Richtige für dich ist, wird sie sich auf dein plötzliches Salto einlassen.

6.) Dein Partner wirft dich aus dem gemeinsamen Arbeitszimmer, weil er coronabedingt im Dauer-Homeoffice ist und nicht mehr erträgt, wie dynamisch du in die Tasten haust. Okay, dein Keyboard war damals billig und ist inzwischen uralt, aber was sollst du tun, wenn du so richtig im Fluss bist? Nicht die Ehe riskieren, sondern eine „Zweigstelle“ im Park eröffnen und dort eine temporäre Schreibklause einrichten.

7.) Es fallen hübsche Jünglinge vor dir auf die Knie, wenn du das Haus verlässt, um zum Altglascontainer zu gehen.
Sie bieten dir willig ihre Körper an und loben deinen genialen Geist: Der Preis des Ruhms, den du demütig bereit bist zu (er)tragen.
Okay, das ist gelogen.
Wäre aber schön!

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Mein Leben als Autorin: Wenn ich nicht schreiben kann, illustriere ich eben

Meine liebste Lektorin ist momentan unglücklicherweise außer Gefecht gesetzt, daher kann ich mein drittes Fachbuch für Seniorenpädagogik leider gerade nicht inhaltlich fertigstellen, redigieren und ins Lektorat schicken.
Da ich Zeit und Lust habe, endlich mal wieder zu malen, beginne ich einfach, das unfertige Projekt zu illustrieren. Entweder habe ich harmlosen Spaß mit dem Tuschkasten, dessen Ergebnisse anschließend in die Tonne wandern, oder ich traue mich, sie dem Verlag vorzustellen.
Eine gute Freundin von mir ist Illustratorin, die werde ich nicht beeindrucken können, und das würde ich mir auch niemals einbilden.
Aber einerseits gibt es immer mehr Zeitschriften, die absichtlich einen „selbstgemachten Look“ tragen und naive Malerei als Grafiken einsetzen.
Und andererseits feiert mein Buch den bewussten, glücklichen Dilettantismus und lädt auf jeder Seite zum Ausprobieren und Mitmachen ein. Wenn die Illustrationen alle perfekt wären, wäre das sogar kontraproduktiv und würde meine Botschaft karikieren. Wenn die Leserin sieht, dass die Autorin freiwillig mittelmäßige Bildchen neben die Praxisanleitungen drucken lässt, hat sie hoffentlich weniger Hemmungen, das Workbook tatsächlich mit eigenen Gedanken zu füllen und anschließend die SeniorInnen zum unperfekten Kritzeln und Schreiben zu verlocken.

Und ansonsten freue ich mich, einfach den Kopf auszuschalten und in Serie zu gehen und mich selbst damit zu überraschen, dass mir gefällt, was ich sehe.
Pupsegal, wen das sonst begeistert: Ich find’s schön. Mein Herz hüpft, wenn ich drauf schaue. Es ist fröhlich und lebendig, und das zählt.
Und das ist in einer überkritischen Gesellschaft wie unserer, wo jeder an allem herum mäkelt, sehr viel wert.

aufmerksam, feminin

Mein Leben als Autorin: Kein Zimmer für mich allein

Virginia Wolf schrieb im September 1929 den Artikel „A Room of One’s Own“, in dem es sowohl um Bildungschancen für Frauen ging als auch um das Recht, ein eigenes Zimmer und damit Privatsphäre zu haben. Das Privatzimmer der Frau ist nämlich nicht die Küche, auch wenn Mann das gern dachte (und denkt…).
Ich kann zwar im Arbeitszimmer an meinen Manuskripten und Verlagsbewerbungen schreiben, während mein Mann neben mir sitzt – entspannter ist es allemal allein. Konzentrierter sowieso.
Aber mein Computer steht nun einmal neben seinem Computer, und am kleinen Tablet schreiben macht bei langen Texten einfach keinen Spaß.

Wenn ich also allein arbeiten möchte, muss ich mir etwas ganz Anderes ausdenken:
Bei gutem Wetter richte ich mir ein temporäres Büro auf einer Holzbank ein.
Am liebsten tue ich das auf dem weltgrößten Parkfriedhof, und dort an einer Ecke, die ich persönlich „Skandinavien“ nenne. Die beiden Bänke dort zwischen den Birken am Wasser sind extrem beliebt, insofern verrate ich garantiert nicht, wo „Skandinavien“ liegt. Schließlich habe ich selbst öfter Pech, und die Bänke sind belegt. Oder ich muss erst einmal eine Weile auf der maroden Bank ausharren, bis die schöne Schwester frei wird.

Ich nehme mir grundsätzlich neben meinem Notizbuch, das ich immer bei mir trage und in dem ich alle Ideen für Konzepte festhalte, weitere Lektüre mit. Schließlich garantiert mir niemand, dass ich völlig im Flow versinke und die Ideen nur so sprudeln. Insofern habe ich immer Lesestoff aus Fachliteratur und einen Roman dabei, um mich zwischendurch zu entspannen oder querzudenken. Meine Wasserflasche und Proviant sind natürlich auch notwendig, schließlich möchte ich genussvoll zwei bis drei Stunden ausharren können.
Ganz wichtig: Einen zweiten Stift, falls der erste gerade dann aufgibt, wenn die Gedanken so richtig schwirren.
Was habe ich auf der rotten Parkbank (s. unten) bereits geflucht, weil der Kuli plötzlich nicht mehr wollte, wie er sollte! Seitdem nehme ich zur Sicherheit einen Bleistift zusätzlich mit, der funktioniert immer!
In einem Café zu sitzen und Konzepte zu entwickeln, wäre mir viel zu anstrengend, da zu laut und zu unruhig.
In der Natur finde ich die Umgebungsgeräusche angenehm, weil ich nicht so steril vor dem Monitor sitze und mich zu Produktivität verpflichtet fühle. Draußen spüre ich den Wind, höre das Laub knistern, den Schwan gründeln und die Bläßhühner kreischen, das erlebe ich als positive Kulisse. Ich kann zwischendurch Kastanien sammeln, die über mir herunter stürzen, oder mich zeitweise im Schneidersitz auf meine Jacke ins Gras setzen. Barfuß.

aufmerksam, glaubhaft

Mein Leben als Autorin: Wie die Wahrheit aussieht

August 2020, seit zehn Tagen haben wir in Hamburg Temperaturen über 30°C, und ich sitze mal wieder über dem Manuskript eines neuen Buchs.
Es ist mein fünftes Buchprojekt, nicht mitgerechnet den Jugendroman, den ich als Achtzehnjährige schrieb und seitdem nie gewagt habe, einen Blick hinein zu werfen. Zwei Fachbücher im Bereich Seniorenbetreuung habe ich veröffentlicht, ein drittes Fachbuch wird wegen schwieriger Rechtslage seitens einer esoterischen Gruppe wohl nie verlegt werden, und ein weiteres Buch ist hervorragend gelungen, aber leider viel zu dünn für den Druck.
In elf Zeitschriften-Ausgaben habe ich inzwischen meine Texte und Gebete veröffentlicht, sowohl in christlichen Verlagen als auch im Fachverlag für Seniorenbetreuung. Weitere Artikel liegen in den Redaktionen bereits bearbeitet und warten auf den Druck.
In zwei Kalendern sind meine Gebet ebenfalls zu lesen.

Diese Zahlen sammle ich gerade, da im Rahmen der Verlagsbewerbung für mein aktuelles Manuskript eine Liste der Veröffentlichungen erwartet wird. Also wühle ich mich durch meine Belegexemplare und bin mehr und mehr stolz, wie viel ich bereits geschafft habe.

Aber auch Frust gehört zu meinem Alltag, wenn ein Verlag kommentarlos die bescheidenen Honorare kürzt und ich hinterher telefoniere, um die „coronabedingte Situation“ zu verstehen.

Durch das affenheiße Wetter kann ich die freien Tage von meinem Hauptberuf nicht mit Aktivitäten genießen, also arbeite ich stur im stickigen Arbeitszimmer an meinem fünften Buch. Es ist diesmal kein Fachbuch, sondern lädt dazu ein, Gott im Alltag zu erleben. Jede Form von religiösem Gelaber spare ich mir, es ist ein reiner Ideenpool: Herausfordernd, praktisch, fröhlich, alltagskompatibel, sofort umsetzbar.

Was tue ich als Autorin wirklich, statt mit Crémant und belgischen Pralinen in einem englischen Landhaus die Ideen fließen zu lassen?
– Vor Hitze pausiert die Arbeit am eigentlichen Buch. Ich formuliere eine Einleitung, denn auch, wenn das Buch ausschließlich aus Anleitungen zu einer praktischen Verbindung von Glaube und Alltag besteht: Eine Einleitung bereitet die LeserInnen darauf vor, was sie erwartet. Und ebenso, was sie nicht finden werden, das ist mindestens genauso wichtig!

– Ich fange mit der verhassten, verhassten, verhassten Verlagsbewerbung an. Habe ich schon erwähnt, dass ich Verlagsbewerbungen hasse?
Meine Güte, bin ich froh, wenn ich mit einem Verlag bereits so lange zusammenarbeite, dass ein Anruf oder eine Mail reicht und ich den LektorInnen mein neustes Werk kommentarlos an den Hals schicken darf. Okay, mit drei einleitenden Worten, aber mehr auch nicht!
Da ich bisher aber kein Buch in einem christlichen Verlag veröffentlicht habe, muss ich die mistige, mistige Fleißaufgabe des Exposés durchackern.
Exposés sind so blöd, weil ich kein Werbefuzzi bin und schwer ins Grübeln komme, wie ich meine Hauptaussage in zwei überzeugenden Sätzen formuliere und damit von jeder lesenden Person im Lektorat sofort verstanden werde. Typisch Frau: Mich zu verkaufen finde ich schwer.
Klar kenne ich meine Zielgruppe, schließlich hatte ich sie beim Schreiben die ganze Zeit vor Augen. Aber sie in Marketing-Sprech darzustellen, ist einfach etwas anderes.
Genauso wie alle anderen fucking Aufgaben von Konkurrenzanalyse und Verkaufsargumenten und USP (warum können wir letztere nicht endlich mal zusammenfassen?) und Marketingmaßnahmen und Autorenvita. Letztere ist nicht ganzzzzz so schlimm, aber selbst die Autorenvita soll schwungvoll und nicht völlig einfallslos klingen.

Aber da ich vom Exposéschreiben sowieso Kopfweh kriege, kann ich auch die Verlagsbewerbung beginnen, wenn es über 30°C sind und ich eh Kopfweh habe.

– Da das Exposé eine Gliederung beziehungsweise ein Inhaltsverzeichnis des Manuskripts zum aktuellen Stand erfordert, baue ich mein ganzes Buch um. In der Hoffnung, damit strukturell klarer aufgestellt zu sein. Anschließend flimmern mir die Augen vom vielen Scrollen durch Textseiten und ich frage mich, ob es jetzt ernsthaft besser ist. Auf den ersten Blick ja, aber inhaltlich und didaktisch? Wirklich?
Ich zweifle meine Strategie stark an, streiche mir den Schweiß von der Stirn, speichere und mache den Computer aus. Für heute ist es auch egal. Mehr geht bei der Hitze gerade nicht.

– Noch eine super blöde Aufgabe, mit der ich mich herumschlage: Alle Verlage zusammenstellen, deren Programm zu meinem Buch passt. Und dabei von allen online die Kontaktdaten des Lektorats finden und eruieren, was sie im Exposé erwarten. Ha! Denn das Exposé schreibe ich nicht einmal für alle Verlage, nein, die kriegen alle ein individuelles. Ha! Macht das einen Spaß!

– So langsam frage ich mich, ob ich nicht doch einfach zum Manuskript zurückkehren soll. Große Ideen zum weiteren Inhalt habe ich nicht, aber überarbeiten geht immer: Irgendeine Ecke, die mehr nach Kladde als nach Buch aussieht, gibt es schließlich grundsätzlich bis kurz vor der Abgabe.

– Dann kümmere ich mich erstmal um eine Stärkung und koche etwas, das die Temperaturen in der Küche um weitere 3°C steigen lässt. Dabei passiert mir etwas absolut Blödes (irgendwas), das sich i-de-al als Einleitung für eine neue Anregung, Gott im Alltag zu erleben, eignet. Eigentlich könnte ich dem Buch auch den Arbeitstitel „Aus Scheiße Gold machen: Mit Gott im echten Leben unterwegs“ verpassen. Denn die Ideen, den Heiligen Geist mitten im Chaos einzuladen, kommen mir immer dann, wenn ich genau in diesem Chaos stecke.
Ha! Danke für das Missgeschick mit Erleuchtung, Jesus! Wenigstens um einige Zeilen wächst das Manuskript heute doch. Denn die Inspiration muss mich, bei aller Schreibdisziplin, einfach anspringen. Sonst wird der Inhalt öde und dröge, und das ist das Allerletzte, was ich meinen LeserInnen zumuten möchte.

– Dann grübele ich darüber, wann mein Manuskript so weit ist, dass ich es zusammen mit dem Exposé einsende. Dass das Exposé erstmal fertig gestellt werden muss, ist klar, aber wann bin ich mit dem Manuskript ausreichend zufrieden, dass ich es den Profis vorstelle? Einerseits habe ich echt keine Lust, dreistellige Stunden meines Lebens in ein Projekt zu investieren, von dem ich gar nicht weiß, ob es jemals gedruckt wird. Andererseits kann ich auch nicht aus Ungeduld ein halbgares Buch raus schicken, wenn ich genau eine Chance habe, damit im Lektorat einen Treffer zu landen. Dabei juckt es mich in den Fingern, endlich den nächsten Schritt zu gehen, statt einsam und heimlich im Arbeitszimmer damit festzusitzen…

– Ich lenke mich selbst damit ab, darüber zu sinnieren, wie gerne ich christliche Erotik-Thriller schreiben würde. Leider bin ich bloß absolut die Falsche für einen Roman, und Erotik-Thriller lese ich sowieso nicht, aber es wäre die i-de-a-le Nische auf dem Buchmarkt! Immerhin, tröste ich mich, ist das Schreiben von Praxisbüchern wesentlich klarer umrissen: Als Autorin brauche ich ein fundiertes Wissen, innovative Ideen, eine lockere Schreibe und wahnsinnig viel Disziplin. Hab ich alles. Dennoch: Christliche Erotik-Thriller, die gibt´s noch nicht. Die Marktlücke ist so einmalig, damit brauche ich noch nicht einmal mehr ein verhasstes Exposé zusammen zu frickeln!

– Irgendwann habe ich endgültig genug und ich gehe zum abendlichen Kontrastprogramm über:
Rufe eine Freundin an, schalte mit einem Roman auf dem Balkon ab, wo endlich erträgliche Temperaturen herrschen, oder mache kurzentschlossen einen Spaziergang ans Wasser. Eine völlig spaßbefreite Autorin schreibt keine mitreißenden Bücher, das ist wohl klar.

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Wie schreibe ich ein Fachbuch? Tipps und Hinweise zu den acht wichtigsten Fragen

Mein Manuskript zum Fachbuch über mein Konzept „Atemfreude“ wurde bereits vom Verlag abgesegnet und ich überarbeite es momentan final. Währenddessen gebe ich gerne Tipps, wie ich zu diesem Zwischenstand gekommen bin.

Was ist ein Fachbuch?
Ein Fachbuch wendet sich an einen klar umrissenen Leserkreis: HandchirurgInnen, KaninchenzüchterInnen, PastorInnen, ModellbootbauerInnen. Ein Sachbuch dagegen kann jede interessierte Person ohne Vorkenntnisse lesen, deshalb ist der Radius der möglichen KäuferInnen natürlich viel größer. Fachbücher sind von Profis für Profis geschrieben, dabei können die Profis ihre Expertise auch aus einem hochspezialisierten Hobby beziehen.

Wie finde ich das passende Thema für ein Fachbuch?
Bist du ein Profi auf dem Gebiet? Oder eine betroffene Person, die sich als Angehörige, Erkrankte, AnwohnerIn o.ä. mit dem Thema seit Jahren auseinandersetzt? Wunderbar, beides passt. Wer denkt: „Dieses Thema wird in den nächsten zehn Jahren sehr wichtig, aber ich habe keine Ahnung davon“: Eher schwierig.
Wer schreiben kann und mag, setzt sich selbst an den Computer. Wer dafür wenig Talent hat, aber viele Experten oder Betroffene mit der gleichen Leidenschaft kennt, kann ein entsprechendes Projekt starten. Dazu werden alle Spezialisten kontaktiert, und gemeinsam entsteht ein Buch, zu dem jedeR etwas beiträgt. Die Initiatorin wird dann Projektmanagerin der gesamten Idee und kommt als Herausgeberin auf den Buchtitel.

Woher weiß ich, dass das Thema außer mir noch jemanden interessiert? Kurz: Wie sieht meine Zielgruppe aus?

Eine Zielgruppe ist die Menge an potentiellen LeserInnen und KäuferInnen, die sich durch Recherche einkreisen lässt. Bevor mit dem Konzept des Buchs begonnen wird, muss klar sein, wer der Adressat sein soll. Nichts ist ärgerlicher als ein spannendes Thema, das sich an die falsche Zielgruppe wendet.
Wenn die Zielgruppe zu klein ist, als dass sich ein Verlag für ein Buch darüber interessiert: Viele Vereine geben Broschüren heraus. Wer mag, versucht darüber erste Schritte in der Öffentlichkeit. Vielleicht ist die Resonanz größer als erwartet und reicht für eine Vorstellung beim Verlag. Das Gleiche gilt für einen Text im Fachmagazin. Wenn das Thema nicht für ein Buch geeignet ist, kann es eine wunderbare Vorlage für einen Fachartikel sein. Dadurch entsteht ein Renommé im Fachpublikum, das später für eine Verlagsbewerbung nützlich sein kann. Nicht immer zählt (und gelingt) auf Anhieb der große Wurf. Durch eine Diskussion in Fachkreisen entstehen neue Blickwinkel, aus denen das Projekt an Relevanz gewinnt. Und darauf lässt sich aufbauen…

Wie schreibe ich ein Fachbuch?
Am beliebtesten sind Fachbücher, die die Theorie mit der Praxis vereinen. Und die ein klares Anliegen haben, das bisher noch niemand behandelt hat. Einfach das 57ste Buch über „Mein Brustkrebs und ich“ zu schreiben ist wenig zielführend. „Mein Brustkrebs, die Gartenarbeit und ich“ gibt schon mehr Hinweise für die potentielle Leserin. „Mein Brustkrebs, das Heilungswunder von Glockenblumen und ich“ könnte spezifisch genug sein und ein Knaller werden. Konkret, konkreter, am konkretesten: Was will die Leserschaft? Was kann und will ich? Wie kommen wir zusammen? Je direkter und knapper sich das Alleinstellungsmerkmal des Buchprojekts formulieren lässt, desto besser. Für den eigenen Fokus während des Schreibens und für den Verkauf der Idee beim Verlagsgespräch.
Klassischer Weise hat jedes Fachbuch einen einführenden Theorieteil, um die LeserInnen dazu zu befähigen, den Hauptteil des Buchs zu verstehen. Lange, verschwurbelte Sätze mit tausend Fachwörtern wirken seriös, sind aber unverständlich. Und das Verstehen der KäuferInnen zu erschweren, ist ganz schlechter Service. Alle möchten beim Lesen des Fachbuchs viele Aha-Erlebnisse haben und zügig vorwärts kommen. Niemand möchte über der Lektüre einschlafen oder vor Frust in Tränen ausbrechen. Also gilt: Präzise auf den Punkt und anschaulich schreiben. Beispiele sind erlaubt, Beobachtungen aus dem wahren Leben auch, sogar Witze.
Nach der einführenden Theorie folgt eine Diskussion oder die Vorstellung eines neuen Behandlungskonzepts oder „1001 Tipps aus der Praxis“. Auch hier zählt der Wissenszuwachs, nicht das Fachchinesisch. Tabellen sind schön, bunte Bilder für die Anschaulichkeit noch besser.

Wann kontaktiere ich den Verlag? Vor dem Schreiben des Manuskripts oder danach?
Laut meiner Fachliteratur über das Schreiben von Fachliteratur (Ha, ha) soll man erstmal das Konzept in fünf Sätze fassen und eine Gliederung der Kapitel anlegen. Sämtliche Analysen von der Zielgruppe über die Konkurrenz am Markt bis zur USP (Alleinstellungsmerkmal) interessieren den Verlag am meisten. Aber genauso: Kann die Person schreiben? Und hat sie wirklich etwas zu sagen? Einige Probekapitel sollten also fertig sein. Und dann, sagt die Fachliteratur, kann die solide Idee bereits verkauft werden. Das Manuskript schreibt der Profi, nachdem ein Verlag zugesagt hat und der Autorenvertrag wasserdicht ist.
Ich persönlich habe mit dem Exposé und der Verlagsbewerbung begonnen, als 85% des Manuskripts fertig waren. In meinem Fall haben sich die Verlage sehr gefreut, direkt das Manuskript anfordern zu können, nachdem ihnen Exposé und Probekapitel gefallen haben. Ob einer der Verlage den Nerv besessen hätte, mein ungeschriebenes Erstlingswerk zu kaufen? Ich weiß es nicht.
Wer bereits einE anerkannte ExpertIn ist, seit Jahren Fortbildungen gibt und 17 Fachartikel geschrieben hat: Da greift ein interessierter Verlag auch ohne fertiges Manuskript zu!

Welcher Verlag passt zu mir?
In welchem Verlag werden ähnliche Themen veröffentlicht? Welche Fachbücher aus welchem Verlag lese ich selbst gern? Was kauft meine Zielgruppe? Welcher Verlag hat einen passenden thematischen Schwerpunkt? Wer ein Buch über „Mein Brustkrebs und ich“ veröffentlicht hat, will nicht automatisch noch eins. Andere Verlage sind so spezialisiert, dass sie darin keine interne Konkurrenz sehen.
Mich interessierte natürlich ebenfalls, wer deutschlandweit Marktführer auf meinem Gebiet ist. Und zu welchen Preisen die Bücher dem Fachpublikum angeboten werden. Auch, wie finanziell stabil der Verlag von außen wirkt. Schließlich soll er nicht in den nächsten zwei Jahren pleite gehen und mein Buch gleich mit… Wer hässliche Bücher mit miesem Layout verkauft, bekommt vielleicht mein Exposé, um die Chancen auszutesten. Aber wohl nicht den Zuschlag, wenn mehrere Verlage interessiert sind. Anderen AutorInnen ist die Optik nicht so wichtig, sie haben eigene Kriterien.

Wie vielen Verlagen biete ich mein Exposé an?
So vielen wie möglich und so wenigen wie nötig. Kein Witz: Natürlich sollte der Verlag zielgerichtet ausgewählt und angeschrieben werden. Wer von vornherein weiß, dass das eigene Projekt nicht passt, braucht den LektorInnen keine unnötige Arbeit machen. Wenn ein Verlag vielleicht den Kriterien entspricht, aber teilweise auch nicht: Einfach anrufen, sich vorstellen und offen um eine Einschätzung bitten. Ich habe acht Verlage angeschrieben, vier waren interessiert, drei Angebote lagen mir vor, zwei Verträge wurden mir zugeschickt, einen habe ich angenommen.

Wie viel Geld werde ich verdienen?
Wahrscheinlich fast keins, im Fachbuchbereich rentiert sich das Schreiben ab dem fünften Titel. Das erste Buch erwirtschaftet quasi nichts, wenn alle eigenen Kosten gegen gerechnet werden. Wenn ich alle Arbeitsstunden summieren würde, die bis heute in das Buch geflossen sind, wäre das Endprodukt unbezahlbar. Ein Fachbuch bringt Renommé und Aufmerksamkeit, viel mehr aber auch nicht.

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Shooting „Tisch des Monats Mai“ in unserer Wohnung

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Ein denkwürdiger Tag ist nur so vorüber geflogen, während ich versuchte, trotz Infekt alles rechtzeitig fertigzustellen und nichts zu vergessen.
Einige Randbereiche waren definitiv nicht fertig, aber die gedeckte Tafel, die heute fotografiert werden sollte, war vollendet. Geraume Zeit war ich mit den Blumen beschäftigt, inklusive Vorbereitung – sie dauerte mal wieder länger als gedacht. Schlussendlich saßen alle Blüten am passenden Fleck und über der Tafel schwebten die kleinen Hängevasen.

 

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Auf dem Tisch platziert wirkten die Blumen ganz anders, als ich mir zuerst vorgestellt hatte. Dass ich deutlich weniger Grün als in der Planung zu Verfügung hatte, war vor Beginn der floristischen Arbeiten klar. Dass die Gestecke derart üppig ausfallen und eher dramatisch als „Frisch aus dem Garten“ aussehen, stellte sich vom Wechsel des Arbeitstischs (Küche) zum Wohnzimmer heraus. Ein wenig zuppelte ich noch an einzelnen Eustoma und Ginsterzweigen herum, dann half es alles nichts: Die Zeit lief. Ich musste mich umziehen und für das Porträtfoto schminken.

 

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Die Jounalistin und der Fotograf kamen pünktlich auf die Minute. Da der Weg von der Wohnungstür über den Flur ins Wohnzimmer sehr kurz ist, fingen wir ohne längere Begrüßung direkt mit der Diskussion des Settings an. Ich war mir nicht sicher, ob all die voluminösen Blüten zusammen mit den verstreuten Kleeblättern „zu viel“ wären. Daher erklärte ich gleich zu Beginn, dass ich nicht wisse, wie viel durch die Beleuchtung und beim Druck des Fotos „geschluckt“ würde. Bühnenschminke wird schließlich auch wesentlich kräftiger aufgetragen als das alltägliche Make-up. Insofern stellte ich gleich klar, dass der Fotograf alles verschieben, wegnehmen und hinlegen könne, wie er wolle, schließlich hat er die Erfahrung.

 

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So stellte er Scheinwerfer und Blitze in diversen Größen auf und fotografierte los, während ich der Journalistin aus meinem Leben erzählte. Sogar Bilder aus meiner Kindheit zeigte ich ihr, als ich mit meiner Puppe und den Puppen meiner Geschwister komplette Gartenparties inszeniert hatte. Schwerpunkte waren natürlich die Eventgestaltung und mein beruflicher Weg. Darüberhinaus wurde ich um vier Tipps gebeten, um die Leserinnen der Zeitschrift mit praktischen Hinweisen zum Nachmachen zu versorgen.

 

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Nachdem ich morgens um sieben Uhr von der Sonne geweckt worden war (und das im Februar!), ging es hier in heiterem Schnee-Sonne-Hagel-Regen-Sonne-Wechsel weiter. Während des Shootings schien die Sonne im genau richtigen Winkel ins Wohnzimmer, wie von mir berechnet. Die Fotos hier nahm ich anschließend auf, als das Licht schon deutlich schlechter war.

Zum Schluss war mein Porträt am Tisch an der Reihe, das wir ganz ohne Blinzeln und geschlossene Augen (trotz des Blitzes….) hinbekamen.

 

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Alle Kissenhüllen, Hussen und Servietten sind von mir selbst genäht. Die Ideen stammen ebenfalls alle von mir, vom Kranz aus Kirschlorbeer rund um die Teller über die Gestaltung der Blumen bis zu sämtlichen dekorativen Elementen. Die Bilder dürfen nicht heruntergeladen oder anderweitig genutzt werden (wie immer auf diesem Blog).
Ich danke der Schwiegerfamilie für die Blumengutscheine (die ich eifrig gesammelt habe 😉 ), Frau Sommer vom Blumenhaus Daebler für die Organisation der Blumen sowie der hilfsbereiten Dame von Credenza für die Dresdener Pappen (den Klee) und das nette Gespräch.
Mein „Tisch des Monats“ erscheint als Doppelseite im Magazin „Hier leben“ in der Mai-Ausgabe.

 

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For a magazine I styled a tablesetting in our home. The issue was „Tabledecoration in May“, so I bought lots of (expensive…) flowers and created a colourful atmosphere. While the photographer was taking pictures, a journalist asked me many questions about my work and my inspirations.

 

Diese fröhlichen Blumen trage ich zur Mitmachaktion der German Interior Bloggers bei, die im Februar „Flower Power“ suchen.
Wie jeden Freitag verlinke ich mit dem FloralFridayFoto Holunderblütchen und Maleviks Rosengarten.

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Endspurt zum Shooting

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Seit heute sind die Blumen für die Gestecke bei mir, die ein Herzstück des „Tisch des Monats Mai“ bilden werden. Sie sollen noch etwas Zeit haben, um perfekt aufzublühen. Beim Zücken meiner EC-Karte im Blumenladen habe ich kurz überlegt, wie viel eigentlich die Blumen für unsere Hochzeit gekostet haben – gefühlt nicht viel mehr. Aber es ist aktuell noch Februar, entsprechend sind die Schnittblumenpreise… Dank des Sponsorings der Schwiegerfamilie musste ich zum Glück angesichts der Summe nur ein Mal schlucken und nicht mehrfach.

 

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Zusätzlich war ich gestern plötzlich der Meinung, dringend neue Gläser zu brauchen: Die vorhandenen Durchsichtigen wirken beim Shoot wahrscheinlich überhaupt nicht (da durchsichtig, haha), und die Farbigen harmonieren mit Nichts und Niemandem auf der Tafel. Also schnell über die Kleinanzeigen neue Gläser in zartem Grün aufgetrieben und heute zackig abgeholt: Zwischen Friseurtermin und Blumenladen, wie immer mit dem Rad… Das war allemal weniger Aufwand, als durch die Innenstadt zu hetzen, und hat mir in Erinnerung gerufen, dass der nächste Reiterhof in zehn Minuten zu erreichen ist (dort nebenan holte ich die Gläser ab).
Zu Hause kurz abgewaschen und probehalber auf das Tischtuch gestellt: Farblich passt´s!

 

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Immerhin sind wir am Wochenende unseren überzähligen Sessel losgeworden, nachdem bereits neulich hier ein neuer einzog. Über ein Jahr lang habe ich dem perfekten Sessel aufgelauert, ausgerechnet jetzt fand ich ihn – ein schönes Erbstück. Alte Möbel mag ich grundsätzlich lieber als neue, nun habe ich endlich den passenden Leseplatz.
Da ich schon befürchtete, den überzähligen Sessel für die Dauer des Shoots auf den Balkon auslagern zu müssen, bin ich unendlich froh, dass er nun doch einen Abnehmer gefunden hat.
Inzwischen ist bedauerlicher Weise die Journalistin erkrankt, so werden wir das Interview nachholen und hier taucht „nur“ der Fotograf auf. Seit heute habe ich ebenfalls erste Grippeanzeichen, bin aber festen Willens, den Fototermin für die Zeitschrift durchzuziehen. Den praktischen Teil des Examens habe ich damals schließlich auch mit Fieber bewältigt – egal, wie lange das her ist, in diesem Sinne packe ich das!