aufmerksam

Erwin der Schwarze

Auf dem Wochenmarkt stand ich heute neben einem attraktiven jungen Mann mit dunkler Hautfarbe. Er schnackte mit dem ebenfalls jungen Verkäufer und ließ sich zum Schluss noch einige Birnen geben. Um die Menge des Obstes auf der Waage abschätzen zu können, schaute er auf die Anzeige der Kasse.
Er (lesend): „Erwin der Schwarze – heißen die Birnen so?“
Verkäufer: „Nö.  Aber irgendwas muss da ja stehen.“

Glücklicherweise war der junge Mann sowohl entspannt als auch intelligent, sodass er sich nicht beleidigt fühlte. Was „Erwin der Schwarze“ auf der Anzeige sollte, ist mir allerdings ein Rätsel – das Internet kennt keine solche Obstsorte.

 

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aufmerksam, kreativ

Kindermund: Hygienefallen lauern überall

Szenen aus dem Alltag einer Logopädin

Junge, 5 Jahre alt: „Deine Hose ist hässlich.“
Ich: „Ach. Warum denn?“
Er: „Weil man deine Füße nicht sieht.“

Ich desinfiziere mir die Hände, ein Sechsjähriger beobachtet mich dabei.
Ich: „Das stinkt ganz schön, ne?“
Er: „Jaahaa. Was ist das denn?“
Ich: „Damit mache ich mir die Hände ganz besonders gut sauber.“
Er: „Nee, das stinkt so, damit gehn die Hände nich sauber.“
Ich: „Doch, das ist extra starke Seife.“
Er: „Wie heißt’n das?“
Ich: „Hmmm… das ist ein schweres Wort… also man kann es „Stinki“ nennen.“
Er: „Nee, wie heißt das echt?“
Ich: „Des-in-fek-tions-mi-ttel.“

Ein Sechsjähriger erzählt von der Katze, die sie seit einigen Tagen haben.
Er: „Wir haben ein Katzenfutter gekauft, wo die Katzen richtig gut von werden.“

Wir spielen mit kleinen Fingerpuppen, um die Präpositionen zu üben.
Der Junge schaut in den kleinen Papagei hinein, ich frage:
„Was ist denn in dem Papagei?“ (nichts)
Kind: „Da drin ist Bakteriens.“

aufmerksam

Kindermund: Die Zahnfee unterwegs

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein Junge, 7 Jahre alt, wird das erste Mal Bruder (noch ist das Geschwisterchen nicht da, aber Mama ist deutlich sichtbar schwanger). Wir üben Adjektive und gehen zu den Steigerungen über.
Das erste Beispiel, „hungrig – hungriger“ klappt gut. Dann sind zwei Frauen auf der Waage abgebildet. Statt „dick – dicker“ ruft er, ohne eine Sekunde zu zögern: „Schwanger – schwangerer!“

Mit einem anderen Jungen, 5 Jahre alt, übe ich das Partizip mit Playmobil-Figuren. Er sucht sich ein kleines Feen-Mädchen aus und meint:
„Hier ist ja die Zahnfee! Die ist bei dir!?“
Später erzählt mir die Mutter, dass er die Zahnfee sehnlich erwartet, aber leider kein Zahn wackeln will.

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Kindermund: Übergestern

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein siebenjähriges Mädchen beschwerte sich während einer Fahrt in der S-Bahn vehement bei ihrer Mutter, dass das letzte Mal Computerspielen schon lange her sei – „Das war übergestern!“

Heute versuchte ich Lars (Name geändert), 4 Jahre alt, das Fragewort „wie“ beizubringen. „Wer“, „was“ und „wo“ klappten schon ganz gut, aber die Bedeutung von „wie“ erschloss sich ihm trotz dem Anfassen der Heizung (heiß) und des Fensters (kalt) sowie weiterer Versuche nicht.
Ich: „Wie bist du heute? Fröhlich?“ (zeigte ein betont fröhliches Gesicht). Er schüttelte den Kopf. „Bist du müde?“ (machte es wieder pantomimisch vor). Er schüttelte den Kopf. Ich, nach weiteren Versuchen etwas ratlos: „Wie bist du denn?“ Er: „Lars!!!“

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Kindermund: Wenn das Xylofon aus Ost klingelt…

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Mit einem Fünfjährigen trainiere ich die auditive Merkspanne: Er schließt die Augen, ich spiele nacheinander drei Instrumente, und anschließend erzählt er mir (bitte in der richtigen Reihenfolge), was er gehört hat.
Er: „….und dann kam… das Telefon!“ (zeigt auf das Xylofon).

Ein fünfjähriges Mädchen, sonst sehr ruhig, erzählt mir schon begeistert beim Hereinkommen:
„Ich war im Theater! Das heißt `Der Zauberer von Ost‘! Und da war eine Hexe. Und noch mehr Leute, aber die waren bloß verkleidet. Die Hexe, die war echt!!!“

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Kindermund: Von Pfannkuchen, verstiefelten Katern und Flugschraubern

Wie kreativ der Umgang mit Sprache ist, wird in den folgenden Zitaten von Kindern, mit denen ich als Logopädin arbeite, deutlich – viel Freude beim Lesen!

Ein Junge, 6 Jahre alt, ruft beim Anschauen eines Bilderbuchs freudig überrascht: „Der verstiefelte Kater!!!“

Mädchen, 6 Jahre alt, zeigt mir stolz ihre neue Zahnlücke und erzählt, dass ihre Mutter beim Verlieren ihres Zahns etwas nachgeholfen habe. Sie, ganz stolz und froh:
„Das tute gar nich weh!“
Etwas später: „Und ein Flugschrauber…“ (Hubschrauber)

Junge, 4 Jahre alt, zu einem Rochen: „Das ist ein Pfannkuchen…“
Außerdem ist sein Satzbau oft hinreißend: „Nein, ich kann mich nicht!“
oder auch bezüglich der Seifenblasen: „Noch mal pusten ganz doller!“

Mädchen, 7 Jahre alt, schreibt: „… Dan FraKT eR Di Schafe ob Si wisen wo deR NekSTe BauerhoF isT Dan SaKT das FeRT…“

Ich unterteile mit einem 4 jährigen Jungen Nahrungsmittel, die nacheinander aus einem Stoffbeutel gezogen werden, in Obst und Gemüse. Er holt eine Paprika aus dem Beutel und ruft, als er sie sieht: „Ein Papa!“

Mädchen, 8 Jahre alt, will mir etwas über Bauklötze bzw. Holzsteine erzählen und sagt: „Klötzsteiner“

Junge, 5 Jahre alt, zu einem Huhn: „Dumm und alt und fett.“

Am Ende der Stunde puste ich mit einem Mädchen, 5 Jahre alt, Seifenblasen aus dem Fenster über den Marktplatz. Da kommt ein gelber Hubschrauber, recht tief, in unsere Richtung geflogen.
Sie: „Wenn der Hubschrauber fliegt, rufen die Seepferdchen immer `Deutschland, Deutschland!`“
Ich verstehe nicht, was sie meint, und frage nach.
Inzwischen betritt ihre Mutter den Raum, um mit mir die Resultate der Stunde zu besprechen und erklärt: „Die Seepferdchen sind die Kinder aus der anderen Gruppe im Kindergarten.“
Das Mädchen: „Und der Hubschrauber hat so ’ne Farbe wie Deutschland!“
Trotz dieser Auflösung finde ich den Satz „Wenn der Hubschrauber fliegt, rufen die Seepferdchen immer `Deutschland, Deutschland!`“ ganz wunderbar.

Mädchen, 9 Jahre alt, als sie nach unserer letzten Stunde den Raum verlässt:
„Tschüß! Ich werd‘ Sie vermissen!“ Da bin ich doch dankbar für meinen anstrengenden, aber sinnvollen Beruf.