aufmerksam, glaubhaft

Amateurin und Animateurin: Aus dem wilden Alltag in der Senioren-Residenz

Als Animateurin in der Senioren-Residenz bin ich oft genug als begeisterte Amateurin unterwegs, die ihr Wissen aus diversen Fachbüchern und privaten Exkursionen teilt, aber nie behauptet, studiert zu haben.
Am Dienstag traf sich die Gartengruppe das erste Mal draußen, um Schnittlauch und Radieschen zu säen sowie die Erdbeerstauden und den Johannisbeerbusch zu inspizieren, die ich neulich gepflanzt hatte. Dabei fiel uns eine riesige, gelb blühende Pflanze auf, bei der wir eifrig rätselten, was es sein könnte. Raps, meinten die meisten, ich tippte auf Senf. Eine Dame verwies darauf, dass zu den Füßen der Pflanze ein Schild mit „Zucchini“ drauf stünde, aber das konnte ich entkräften: Die Zucchini hatten wir letztes Jahr geerntet und zu Waffeln verarbeitet, die Mutterstaude war im Winter friedlich verrottet. Da meine Damen es gewöhnt sind, dass ich ständig Naturmaterial anschleppe und wir neulich eine sehr intensive Achtsamkeits-Sitzung hatten, in der wir alle möglichen Blätter gerubbelt, erschnüffelt und gekaut hatten, legten sie direkt los, sich die Blüten in den Mund zu stecken. Ich hatte sie eigentlich nur zur besseren Betrachtung abgerupft und verteilt…
Während wir also alle kauten und rätselten und ich zusätzlich die Blätter der Pflanze, die sehr Kohlrabi-ähnlich aussahen, verteilte (sie wurden sofort probiert), fragte ich mich so langsam, ob es wohl sein könnte, dass in unserem fröhlich-wilden Gemüsebeet etwas wächst, das eben nicht essbar ist? Vielleicht sogar giftig???
Als gemütliche Gemeinschaftsphase zum Schluss wollte ich aus Brombeerblättern Tee aufbrühen. Da die meisten völlig geschafft davon waren, Samen auszustreuen, begleitete mich nur eine Dame und fragte: „Wo müssen wir denn ganz hin?“ Ich: „Nur einmal hier über das Stück Wiese in die Hecke, das wird ein bißchen abenteuerlich…“ Sie: „Das kennen und lieben wie an Ihnen, deswegen kommen wir ja auch immer wieder!“
Das Rätsel um die gelbe (Gift-)Pflanze nahm ein gutes Ende, weil ich Spätabends in meinem „Essbare Wildpflanzen“-Buch feststellte, dass es sehr wohl Senf war: Acker-Senf.
Na bitte: Ich hatte recht behalten und keiner war vergiftet, was brauchte es mehr, um zufrieden schlafen zu gehen?!
Mein Status als Kräuterexpertin bleibt bestehen und wurde nur von mir selbst angezweifelt…

Am selben Tag wurde ich wieder einmal damit konfrontiert, dass eine Dame sehr entschieden meinte, ich habe Theologie studiert.
Dieser Verdacht wurde in den vergangenen beiden Jahren oft geäußert, weil ich mein Bestes gebe und gab, um in der Coronazeit emotional und spirituell ermutigende Botschaften weiterzugeben: Mit selbstgebastelten Gebetsheften, handgemachten Postkarten, persönlichen Andachtsheften und Gottesdiensten. Da meine SeniorInnen der Meinung sind, dass meine Worte und Gesten von großer Sachkenntnis zeugen, muss ich ja wohl Theologie studiert haben: Eine andere Lösung kommt nicht in Frage.
Dass ich selbst sehr intensiv mit Gott unterwegs bin, mich viel austausche und lese, Übungen praktiziere und mich nach innerem Wachstum ausstrecke: Alles nebensächlich. Schließlich feiere ich Abendmahl und segne alle am Ende des Gottesdienstes, das macht nur die Pastorin – weil ich, offensichtlich genug, keine Pastorin bin, habe ich wohl früher mal studiert.
Da siehst man’s: Rätsel gelöst. Keine Widersprüche erwünscht.
Derartige Zuschreibungen an meine Kompetenz sind einerseits befremdlich und andererseits schmeichelhaft.
Zeigen sie doch, dass oft genug Talent und Fleiß ausreichen, um solide Kenntnisse zu erwerben und die Begeisterung dafür auch bei anderen Menschen zu wecken.
Deshalb möchte ich dich heute ermutigen, deinen Geist zu füttern und praktisch aktiv zu werden.
Welche Themen machen dich neugierig?
Womit hast du früher gern gespielt, bevor du die volle Breitseite des Leistungsdrucks und der Bewertung von außen erleben musstest?
Welche Fachgeschäfte oder Seminare würdest du gern besuchen, traust dich aber nicht hinein, weil du meinst, nicht dazu zu gehören?
Probier es heimlich einfach aus. Ganz klein, ohne große Selbstverpflichtungen, finanzielle Einsätze oder neugieriges Publikum.
Niemand kann wachsen, wenn Erwartungsdruck droht und schnelle Ergebnisse erzielt werden sollen.
Gib dir selbst den Spielraum, lustvoll herum zu probieren. Vielleicht ist es der Anfang von etwas Fruchtbarem, Schönem, dass deine Seele ernährt und später auch deine Mitmenschen erfreut.
Wenn nicht, hast du zumindest für eine Weile die Tretmühle verlassen und deine Komfortzone erweitert – auch viel wert, selbst ohne sichtbare Erfolge.

feminin, glaubhaft

Für alle, die heute Trost und Mut brauchen

God is saying to you today:
„The pain will end.
The tears will stop.
The doors will open.
A season of miracles and blessings
are on the horizon for you and your family.
Don ´t give up.“

Gott sagt heute zu dir:
„Der Schmerz wird aufhören.
Die Tränen werden enden.
Die Türen werden sich öffnen.
Eine Zeit der Wunder und Segnungen
für dich und deine Familie
erscheint am Horizont.
Gib nicht auf.“

Eine Freundin von mir erlebt derzeit unfassbar schreckliche Zeiten mit ihrer Familie. Sie ist eine der aufmerksamsten, liebevollsten Menschen, die ich kenne. Und zu hören, wie die schmerzhaften Krisen nicht enden und sie parallel beruflich täglich aufgerieben wird, bricht mir schier das Herz. Wenn der Druck sich erhöht, statt zu sinken, und die eigenen Kräfte kaum noch für uns selbst, geschweigedenn für andere zu reichen scheinen, fehlt uns jede Hoffnung, dass es besser wird.
Daher teile ich heute diesen Spruch für alle, die Unterstützung gebrauchen können. Zusammen mit einem Zitat von Max Lucado:

„Gott hat niemals seinen Blick von dir genommen.
Nicht für eine Tausendstelsekunde.“

aufmerksam, glaubhaft

„Ich bin es nicht wert, dass du mich liebst“: Lebenslügen entlarven

„Aus den Ängsten, nicht genug zu bekommen, nicht genug Anerkennung, nicht genug Geld, aus der Angst, nicht dazu zugehören oder zu kurz zu kommen, hatte sich mein erstes Leben gespeist.“
Bodo Janssen in „Die Stille Revolution“

Batz! Dieser Satz knallte mir voll ins Gesicht.
Lebenslügen lenken uns unbewusst und begrenzen unseren Lebensweg. Sie engen uns ein, halten uns klein, zementieren Ängste.
Das Gemeine an Lebenslügen ist, dass wir sie selbst nicht erkennen. Als Taktgeber und Denkmuster sind sie in unsere DNA übergegangen. Scheinbar sind sie untrennbar mit uns verbunden. Nur selten haben wir genug Abstand und einen klaren Blick auf uns selbst, um diese inneren Grenzen zu entlarven.

„Ich habe nichts Besseres verdient (als das, was ich erlebe).“
„Ich muss mir Liebe und Vertrauen erst erarbeiten.“
„Ich muss immer mein Bestes geben, sonst überholen die anderen mich und ich bin die/der Letzte.“
„Wenn ich erst das Examen geschafft habe / den passenden Partner gefunden / ein Baby bekommen / ein Reihenhaus gekauft habe, werde ich endlich glücklich sein.“
„Ich bin nicht liebenswert und muss mich deswegen immer perfekt schminken und anziehen / anderen Gefallen tun / teure Geschenke machen, damit die anderen nicht merken, wie fehlerhaft ich bin.“
„Das Verhalten / der Erfolg meiner Kinder bestimmt meinen Wert als Mutter (und damit als Mensch).“

Wenn wir diese und andere Lebenslügen lesen, denken wir oft „Wer kann denn so einen Blödsinn denken und danach sein Leben ausrichten?“ Selbst, wenn Freundinnen erzählen, wie sie ihren persönlichen Taktgebern und Angstmachern begegnen, weisen wir noch jede Ähnlichkeit zu unseren eigenen Gedankengängen ab.
Ich habe selbst noch keinen zuverlässigen Weg gefunden, hinter meine Kulissen zu schauen und den blinden Fleck sichtbar zu machen. Bisher bin ich auf plötzliche Geistesblitze oder erhellende Lektüre angewiesen.
Umso glücklicher bin ich, wenn sich der Vorhang ein Stück hebt und ich Lebenslügen am Genick packen und ins Licht ziehen kann.

Zwei passende Lieder: Truth to be told von Matthew West und King of my heart,Bethel Worship

aufmerksam

Warum die NorwegerInnen so glücklich sind – Reisebericht

Hilfe, war es in Deutschland immer schon so zugebaut, eng, laut und hektisch?
Zurück aus Norwegen gibt es einen ordentlichen Kulturschock… Auch, wenn es derzeit „nur“ das drittglücklichste Land der Welt ist (nach Finnland und Dänemark), teile ich meine Eindrücke aus einem Leben, das deutlich freundlicher ist als bei uns.


1.) Ehrlichkeit und Freundlichkeit sind Trumpf
Direkt nach unserer Ankunft, während wir auf den Bus in die Nachbarstadt warteten, kauften wir ein. Und stellten fest: Norwegische Supermärkte erklären Lücken im Warenbestand und entschuldigen sich freiwillig dafür. Obwohl sie nichts dafür können, dass der Hersteller einen Lieferengpass hat. Jegliche Diskussion über „Der Kunde ist in Deutschland kein König, sonst gäbe es weniger Bullshit und mehr Transparenz“ lasse ich an dieser Stelle.


2.) Familienfreundlich sind die NorwegerInnen in jeder Konsequenz
Mir persönlich ist Familienfreundlichkeit ja wurscht, aber die Skandinavier haben es einfach drauf: Hier eine praktische, entspannte Lösung, wie Kinder sicher im Linienbus mitfahren. Kein Gelaber der Politiker, sinnlose Versprechen und fragwürdige Ideen – einfach machen. Im Global Gender Gap steht Norwegen nach Island auf Platz zwei der gerechtesten Länder für Frauenrechte. Konsequent sozial, für alle.


4.) Freiheit für alle, auch für Tiere, soweit möglich

Auf Wanderungen und Radtouren wurden wir oft vom Klingeln der Glocken begleitet: Schafe und Kühe weiden hier einfach querfeldein in Heide und Wald. Hühner hopsen quer durch das Wohngebiet, und wenn eine Straße hindurch führt, die von Joggern und Radfahrern benutzt wird: Ist halt so, sollen sie eben aufpassen. Die SportlerInnen. Und die Hühner.

5.) Sport und Erlebnisse in der freien Natur statt Shopping und Serien anschauen
Wer in Norwegen attraktiv sein möchte, trägt funktionale Kleidung und ist möglichst viel draußen unterwegs. Die Frauen rennen im Stechschritt die Berge rauf und runter, die Männer schieben das Baby zum Einschlafen im Kinderwagen um den See. Hält fit, fördert die Durchblutung und einen klaren Blick auf´s Leben.


6.) Norwegische Männer sind überraschend kommunikativ: Offen, humorvoll, kaum abzubremsen
Mehrfach wurden mein Mann und ich, auch einzeln, von norwegischen Männern festgequatscht: In der Schlange im Supermarkt (bestehend aus maximal drei Personen, Norwegen ist wenig besiedelt), im Park, beim Abschied vom Busfahrer. Als ehemalige Sprachtherapeutin und heutige Veranstaltungs-Fachfrau bin ich naturgemäß ständig am Reden. Im Urlaub versuche ich, als Gast im Land einen guten Eindruck zu hinterlassen: Ich kenne alle notwendige Floskeln, um höflich zu sein und die Menschen nicht aus heiterem Himmel zum Englischsprechen zu zwingen. Vor zwei Jahren in Oslo traf das Gerücht „NorwegerInnen hassen Small-Talk und jede andere Form von Gespräch mit Fremden“ zu. Im ländlichen Norwegen, also dem 98% Rest des Landes, überraschten uns die geselligen Männer. Mein Mann wurde sehr ausgiebig von einem älteren Herrn an der Supermarktkasse inteviewt. Ich wollte in Ålesund nur ein paar aquarellierte Karten kaufen und wurde von dem Künstler in ein Gespräch verwickelt, das ich irgendwann einfach abbrach, weil es kein Ende fand. Im Park unterhalb des Aksla (Ålesund) begann ein Mann eine Unterhaltung mit uns, und ich spielte mit seinem sehr intelligenten Hund. Der jedoch wollte lieber mit meinem Mann spielen, der dazu keine Lust hatte – auch hier würgten wir irgendwann das Gespräch ab, um endlich weiterzukommen. Von dem fast nackten Mann auf dem Rennrad und dem netten Busfahrer fange ich gar nicht erst an.
Kurz: Offen und herzlich mit Fremden umzugehen scheint den Norwegern große Freude zu machen.

Norwegische Busfahrer an einem Umsteigeplatz am Fjord: Erstmal eine Runde schnacken, bevor es weitergeht

7.) Eine gesunde Portion stolz auf die Gemeinschaft und Kultur hebt das Selbstbewusstsein
Die NorwegerInnen sind definitiv patriotisch, so wie alle Skandinavier. Nahrungsmittel sind explizit als norwegisch gekennzeichnet oder verweisen auf eine lange Historie. Überall flattert die Landesfahne, ausländische Markenware ist hier nicht modisch, sondern einfach nicht da (es sei denn, wir befinden uns in einer der wenigen Großstädte, wo es internationale Markenklamotten für die vorbei reisenden Asiaten gibt). Europa finden sie gut, aber nicht so sinnvoll, dass sie ein festes Mitglied sind – zahlen tun sie trotzdem. Sich selbst, die Gesellschaft und Kultur auf eine gesunde Weise gut zu finden und stolz darauf zu sein, macht zufrieden.

Zum Weiterlesen:
Warum die BornholmerInnen so glücklich sind
Günstiger Urlaub in Oslo: Oslo on a Budget

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Zufrieden sein mit dem, was wir haben: Buchempfehlung „weniger haben, mehr leben“ von Cait Flanders

Kennst du den Gedanken: „Das habe ich mir jetzt verdient!“
Oder: „Das gönne ich mir!“
Und was tust du dann? Eis essen, Klamotten kaufen, Serien schauen, Alkohol trinken, Pizza bestellen?
Wahrscheinlich sagen deine Gedanken nicht „Zur Belohnung werde ich jetzt Spazieren gehen“ oder „den Keller aufräumen“… 😉
Woher kommt dieses „Das steht mir zu, das bin ich wert, jetzt verwöhne ich mich!“?
Und warum bedeuten diese Gedanken immer, dass als nächstes das Portemonnaie gezückt wird? Warum ist nichts, was wir uns gönnen, kostenlos? Okay, ein Buch aus der Bibliothek vielleicht, aber das lesen die wenigsten.

Cait Flanders schreibt in „weniger haben, mehr leben“:
„So, wie sich viele Leute mit neuen Dingen verwöhnen, hatte ich mich immer mit Essen verwöhnt. Anstatt eine Flasche Wein zu trinken, aß ich eine Pizza. Und Schkolade. Und Eis. Und an manchen Abenden aß ich Pizza, Schokolade und Eis. Daran war nichts Unüberlegtes – ich wusste, dass ich meine Gefühle aufaß. Ich gab die Bestellung auf und ging in den Laden, wohl wissend, dass ich Dinge kaufte, die mir ermöglichten, meine Gefühle aufzuessen. (…)
Eines der wichtigsten Dinge, die ich in diesem Jahr gelernt habe, ist, dass wann auch immer du an maßloses Konsumieren denkst, es in der Regel daran liegt, dass ein Teil von dir oder deines Lebens sich anfühlt, als fehlte es – und nichts, was du trinkst, isst oder kaufst, kann daran etwas ändern. Ich weiß es, weil ich alles probiert habe und nichts davon geholfen hat. Stattdessen musst du dein Leben vereinfachen, Dinge loswerden und herausfinden, was wirklich passiert. In dem Teufelskreis gefangen zu sein, mehr zu wollen, mehr zu konsumieren und noch mehr zu brauchen, hilft auf keinen Fall.“


„Die Dinge, von denen ich wollte, dass die ideale Version meiner selbst sie verwendete, waren Sachen, die ich einmal gekauft hatte, in der Hoffnung, dass sie mein Leben oder mich selbst besser machen würden. Da gab es Bücher, von denen ich dachte, dass die schlaue Cait sie lesen sollte, Kleidung, von der ich dachte, dass eine professionelle Cait sie tragen sollte, Projekte, von denen ich dachte, dass eine kreative Cait sie angehen sollte. Klassische Literatur, das kleine Schwarze, Scrapbook-Material usw.
Zu irgendeiner Zeit hatte ich meine Kreditkarte mit Tausenden von Dollar für diesen Kram belastete – Kram, den ich in der Absicht kaufte, ihn zu benutzen, aber nur, weil ich mir eingeredet hatte, es würde irgendwie helfen. Ich war nicht gut genug, aber diese Dinge würden mich besser machen. Ich wollte lesen, schöne Kleidung tragen, alles tun, damit ich ein besserer Mensch würde, von dem ich dachte, dass ich so sein sollte. Diese Dinge in meinem Zuhause zu horten bewies, dass es möglich war. Eines Tages würde ich das alles tun und ein besserer Mensch sein. Nur, dass >eines Tages< nie kam.“

„Eine der besten Eigenschaften des Sparsamsein und Aufschreibens, für was man sein Geld ausgibt, ist, dass man ein Werkzeug hat, um Pläne für Großes zu schmieden – wie zum Beispiel deinen Job zu kündigen. (…)
Mit dem absehbaren Ende meines Jobs vor Augen hörte ich auf, meinem Computerbildschirm den Mittelfinger zu zeigen, laut zu fluchen und zu weinen. Ich konnte die Scheidung meiner Eltern und die Zukunft meiner Familie nicht beeinflussen, aber das hatte ich in der Hand – und es fühlte sich gut an, sich endlich auf etwas zu freuen.“

Wann hören wir auf, den Einflüsterungen der Werbung zuzuhören und zu glauben?
Eine neue Jeans wird uns nicht schöner machen und endlich einen neuen Partner anlocken, um die Einsamkeit zu überwinden.
Ein Stück Torte wird uns nicht glücklicher machen und dieses dunkle Loch im Herzen stopfen.
Stundenlang eine Folge nach der anderen anzuschauen, wird uns mit den Menschen auf dem Bildschirm nicht verbinden und echte Freundschaften nicht ersetzen.
Warum versuchen wir es dennoch so hartnäckig mit dem Mantra „Mehr vom Gleichen wird uns mehr helfen“?
Wäre es nicht viel wahrscheinlicher, dass eine sinnvolle Strategie darin liegt, gedanklich und körperlich auszusteigen und sich einen Überblick zu verschaffen? Um das zugrunde liegende Bedürfnis des Herzens zu stillen, statt kopflos alles schnell wieder unter den Teppich zu kehren.

Und wenn wir konsumieren, es bewusst zu tun. Wenn ich mir gelegentlich ein neues Kleidungsstück zulegen, was ich in 80% der Fälle second-hand tue, dann lege ich es nicht in den Schrank, sondern stelle es aus: So wie diese Bluse, damit ich mich daran erfreuen und den schönen Anblick bewusst genießen kann.

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Glücksrezept, fünfte Zutaten

 

Ein letztes Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ana Maria, die quirlige Rechtsanwältin aus Bogota, antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Erstens: Man muss die Familie, so viel es geht, genießen. Zweitens: Jeden Freitag muss man ausgehen, trinken und tanzen bis zum Abwinken. Das findet auch Kodwhani aus Montreal. „Wir haben Spaß am Leben: hart arbeiten und dann, wenn die Arbeit getan ist, rausgehen und feiern, was das Zeug hält. Wenn es Zeit ist zu feiern, ist es Zeit, zu feiern!“ (…)

„Und es ist so typisch für die Kanadier,“ so George vom Parklatz, „dass sie sich für etwas wirklich Zeit nehmen. Du fährst durch Kanada und dann hälst du hier in Brandon an und fragst die Leute Hey, kann ich mit dir über Glück reden? – Was antworten sie? Klar, liebend gerne! Und ich glaube, dass ist die Botschaft an die Deutschen: Seid nicht so diszipliniert, lasst euch ein bißchen mehr treiben, habt ein wenig mehr Flow.“<<

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Glücksrezept, vierte Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ich fahre stundenlang auf den endlosen Straßen Kanadas, Australiens, Finnlands und Schwedens. Kein Mensch, kein Haus. Wie erfrischend. Wie allein. Wie fein. Wir sind ganz schön viele Menschen in Deutschland, denke ich während meiner Reise immer öfter.
Immer und überall ein Haus. Ständig. Im dicht besiedelten Deutschland müssen wir uns mehr Mühe geben, Ruhe und übermächtige Naturerlebnisse zu finden. Denkt auch Nils, ein 31-jähriger Student, der seinen Sohn im Kinderwagen durch Göteborg schiebt:
„Die Deutschen sollten die Natur mehr schonen, damit sie diese unberührter erleben können. Sie sollten nicht so viele Häuser und Straßen bauen.“
Wie? Keine freie Fahrt für freie Bürger? Mir wäre inzwischen freie Natur für freie Bürger lieber. Steffi, die freche Berlinerin aus der Schweiz, berlinert fröhlich drauf los:
„Also ich denke, dass die Schweizer so glücklich sind, weil sie so viel Natur haben. Sehr viele Berge rundherum, die Balsam für die Seele sind. Es ist ein kleines Land, es gibt hier nicht so viele Menschen, es ist nicht so übersiedelt. Hier hat man einfach mehr Platz und mehr Freiheit als in Deutschland.“<<

 

Die Zutaten für das erste, das zweite und das dritte Glücksrezept erschienen hier.

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Glücksrezept, dritte Zutaten

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Dieses WIR-Gefühl ist nicht der Anfang von Kriegen. Und so tritt auch unser Bundespräsident für ein selbstbewusstes gemeinsames Deutschland ein und sagte in seiner Rede am holländischen Befreiungstag 2012 im niederländischen Breda:
„Gefahren gehen nicht von Menschen aus, die zu sich selber gefunden haben, sondern von Menschen, die einen Minderwertigkeitskomplex haben.“
Ein Deutschland, das sich selbst liebt, ist ein Geschenk an die Welt. Und an sich selbst.
Und wir können uns gern haben. Wir haben viel erreicht. Es geht uns saugut in Deutschland. Keine besonderen Vorkommnisse innerhalb unseres Landes, die nicht auch in jedem anderen vergleichbaren Land vorkämen. Wirtschaftlich stehen wir blendend da. Aber auch um uns herum: alles friedlich. Wir sind umgeben von Freunden, die nur Gutes im Sinn haben. Wir werden respektiert, wir werden geliebt. Ist das nicht einfach nur großartig?
Ja. Und da sitzen wir dann mit unserem guten Leben und einer Realität, die kaum besser sein könnte. Und besser ist, als sie jemals war. Und wissen nicht so recht, was wir damit anfangen sollen. Wo sind die Probleme, die wir immer lösen mussten, wo sind die Konflikte hin? Auch mit unserem Schuldgefühl können wir nicht mehr glänzen, ohne dass der Rest der Welt genervt mit den Augen rollt. Ja, verdammt, wir sind doch tatsächlich ein stinknormales Land geworden! Und jetzt haben wir als Volk die Chance, uns neu zu erfinden.
Wie möchten wir sein? Wo wollen wir hin? In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?<<

 

 

Teil 1 und 2 der Glückrezepte sind hier erschienen.