aufmerksam, glaubhaft

Die Macht der Gedanken

„Gedanken waren wie Samen, die hässliches Unkraut oder blühende Wiesen hervorbrachten, sie waren Balsam oder Stachel in der Seele, gut oder böse, hässlich oder schön.
Es gab keine neutralen Gedanken.
Für Laura musste sich jeder entscheiden, so wie sie sich entschieden hatte, dem Schlechten in ihrem Leben keine Macht mehr zu geben.
Wie oft hatte sie gehört: Stell dich nicht so an! Er meint es nicht so! Sei nicht so empfindlich.

Sie war empfindlich, und das war gut so. Sie hatte eine feine Antenne für alle, die ihre Welt wieder dunkel werden ließen.“

aus: „Das Café der guten Wünsche“ von Marie Adams

 

aufmerksam, glaubhaft

Unnötiger Neid

„Anna stellte fest, dass sich in den Mienen der übrigen Umstehenden eine ganz ähnliche Stimmung widerspiegelte. Der Gesichtsausdruck drückte ein Gefühl ihnen gegenüber aus, das ihr so fremd war, dass sie einen Moment brauchte, um es zu dechiffrieren. Neid.
(…)
Anna dachte daran, wie viele Fälle von Neid sich in Luft auflösen würden, wenn die Neider die Wahrheit nur kannten.“

aus: „Vielleicht mag ich dich morgen“ von Mhairi McFarlane

Den gestrigen Samstag verbrachte ich bei 3° C im Dauerregen mit einer super Event-Lady im Wald. Wir führten eine GPS-Schatzsuche mit Kindern durch und gabelten auf dem Rückweg im Dunkeln noch eine junge Frau mit Behinderung auf, die sich im Naturschutzgebiet verlaufen hatte und dringend Hilfe brauchte.
Umso mehr genieße ich einen sonntäglichen Nachmittag auf dem Sofa mit einer schönen Lektüre. Dabei stolperte ich über das obige Zitat und fand es sehr weise…

aufmerksam, glaubhaft

Alles hat seine Zeit

Heute hat der Chor des Gemeindejugendwerks Norddeutschland (GJW) unseren Gottesdienst mit viel Gesang und Energie bereichert. Das Thema war „Zeit“, und der Predigttext ist in der Bibel im Buch „Prediger“ (auch Kohelet genannt) zu finden:

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit:
Geboren werden und Sterben,
Pflanzen und Ausreißen,
Töten und Heilen,
Niederreißen und Aufbauen,
Weinen und Lachen,
Klagen und Tanzen,
Steine werfen und Steines ammeln,
Umarmen und Loslassen,
Suchen und Finden,
Aufbewahren und Wegwerfen,
Zerreißen und Zusammennähen,
Reden und Schweigen,
Lieben und Hassen,
Krieg und Frieden.

Prediger Kapitel 3, Vers 1 – 8 (Übersetzung „Hoffnung für alle“)

Nachdem wir im Anschluss an das Abendmahl die Kollekte mit Coldplay gerockt haben (ich behaupte, dass das ein Novum in den ehrwürdigen Hallen unserer Gemeinde war), sagte der Gemeindeleiter, dass er gerade erfahren habe dass ein Gemeindemitglied letzte Woche gestorben sei. Es handelte sich um einen älteren Herren, der früher sehr aktiv in ganz Hamburg war, außerdem war ein zweiter Mann gestorben. So erhoben wir uns, um für das Leben der beiden zu danken und innerhalb von Sekunden war die Stimmung eine ganz andere.
Leben und Sterben hat seine Zeit.
Manchmal liegt beides sehr dicht beieinander.

 

P1050296

Energie hat ihre Zeit und Ruhe hat ihre Zeit

aufmerksam, glaubhaft

Andacht: Gefühle – was sie mit uns machen und warum es sich lohnt, auf Gott zu vertrauen, statt den Emotionen das Ruder zu überlassen

Dies ist der Anbetungsteil, den ich für den Gottesdienst am vergangenen Sonntag vorbereitet habe. Nneka hat als Prä- und Postludium sowie vor dem Anbetungsteil wunderbar gesungen und dem Gottesdienst eine ganz eigene Prägung gegeben (Mehr zu Nneka unter http://www.nnekaworld.com/de/home).
Die Lieder stammen wie immer aus “Feiern & Loben – Die Gemeindelieder”
Hänssler Verlag / Bundes-Verlag / Oncken Verlag 2003

Deine innersten Gefühle kannst du mit niemandem teilen – im tiefsten Leid und in der höchsten Freude ist jeder Mensch ganz allein!“
Sprüche 14, 10

„Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle!
Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt!“

Psalm 139, 23-24

Einleitung:
Ich bin froh, dass es sie gibt – Gefühle. Sie machen uns menschlich und lebendig, durch sie ist das Empfinden von Glück möglich. Aber oft verwirren sie mich auch, sodass ich nicht weiß, wem ich vertrauen soll – den Gefühlen oder dem Verstand. Besonders, wenn sich Emotionen wie Angst und Verunsicherung oder Enttäuschung und Wut in mir breit machen und kaum noch Platz ist für etwas anderes.

Lied 402: Wie ein Strom von oben

Manchmal gelingt es mir in aufgewühlten Momenten, von mir weg zu schauen und zu versuchen, einen Blick auf das große Ganze zu bekommen. Wir können nicht aus Gottes Perspektive und in seinen Dimensionen sehen, aber ich merke, dass es mir gut tut, den Emotionen nicht das letzte Wort zu lassen. Es lohnt sich, sich zu besinnen und sich Gott zuzuwenden. Sich ihm anzuvertrauen und sich darauf zu verlassen, dass er weiß, wie meine Angelegenheit ausgehen wird.

„Herr, wer dich kennenlernt, der wir dir gern vertrauen. Wer sich auf dich verlässt, der ist nie verlassen.“
Psalm 9, 11

„Denn der Geist Gottes führt euch nicht in eine neue Sklaverei; nein, er macht euch zu Gottes Kindern. Deshalb dürft ihr furchtlos und ohne Angst zu Gott kommen und ihn euren Vater nennen.“
Römer 8, 15

Lied 371: Wie ein Fest nach langer Trauer

Bill Hybels sagte in einem Artikel in der Zeitschrift „AufAtmen“:
„Segne, was du segnen kannst.
Danke allen, bei denen du Grund hast zu danken.
Lobe, was lobenswert ist.
Und dann setz einen Haken dahinter.“

Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, gut und gerecht, was anständig, liebenswert und schön ist. Wo immer ihr etwas Gutes entdeckt, das Lob verdient, darüber denkt nach.“
Philipper 4, 8

Wer sich aber am Leben freuen und gute Tage erleben will, der setze sich unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein. Denn Gott sieht mit Freude auf solche Menschen und wird ihre Gebete erhören.“
1.Petrus 3, 10 – 12

Lied 384: Das Höchste meines Lebens ist

Gebetsgemeinschaft

aufmerksam

Buchempfehlung: „Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias

Wer ein Buch lesen möchte, das von der Liebe und dem Leben ohne Pathos und Schmalz berichtet, sollte es mit diesem Roman versuchen:
Die Handlung besteht aus zwei Erzählsträngen. Im Rückblick wird die männliche Hauptperson, Enrique, in seiner jugendlichen Energie und Zerrissenheit beschrieben. Er lernt Margaret, seine spätere Frau kennen und versucht, sie für sich zu gewinnen.
Parallel wird die Gegenwart geschildert, in der die beiden trotz Krisen seit 30 Jahren zusammen leben und vor einer neuen Herausforderung stehen: Margaret hat Krebs und bereitet sich auf ihren Tod vor, indem sie sich nach und nach von allen Freunden und Familienmitgliedern verabschiedet. Dabei ist Enrique stets an ihrer Seite, plant die Besuchszeiten und wacht darüber, dass niemand seiner Frau mehr Energie abverlangt, als sie in ihrem Zustand hat. Gleichzeitig quält ihn die Frage, ob er ihr ein guter Ehemann war – seine Unruhe fällt ihm ein, seine Unsicherheit, seine schroffe und manchmal arrogante Art. Nach all den Jahren, in denen er ihr oft ihre Lebensart übel genommen hat, fühlt er sich als derjenige, der schwerer zu ertragen war. Er ist dankbar, dass sie ihn immer wieder mit ihrer optimistischen Art mitgerissen hat und häufig ein Kontrapunkt zu seiner Wahrnehmung und Gefühlswelt war. Angesichts des Todes und der wenigen Tage, die ihm noch bleiben, fragt er sich, wie er ihr zeigen kann, dass er sie geliebt hat und heute noch liebt. Trotz allem. Und mehr, als ihm im Alltag bewusst war. Weiß sie es auch?

Dieser Roman kommt ohne Romantik und, trotz des nahen Todes, ohne Rührseligkeit aus.
Sehr sachlich und mit einem guten Auge gerade für die weniger angenehmen Seiten der Menschen beschreibt der Autor ein Paar und ihr Leben. Dadurch lernt man die Protagonisten gut kennen, erlebt aber keinen hollywood-ähnlichen Gefühlsrausch wie bei anderen Liebesromanen. Sowohl die Sehnsucht nach einer scheinbar unerreichbaren Frau als auch das kleinliche Gegnaddel zwischen Eheleuten werden sehr realistisch dargestellt – wirklich nahe kommt man den beiden aber erst in den Szenen, in der Margaret ihren Tod vorbereitet und Enrique tapfer, aber hilflos versucht, sie dabei zu unterstützen. Teilweise stört der Wechsel zwischen den Rückblenden und der Gegenwart, und dass der Erzählstrang der Vergangenheit so intensiv um den ersten Sex der beiden kreist strapaziert die Geduld der Leserin/ des Lesers.
Trotzdem empfehle ich diesen Roman – und zwar sehr ausdrücklich beiden Geschlechtern.
Durch den männlichen Erzähler und die autobiografischen Anklänge finden sich Männer in ihrem Blick auf das Leben wieder, auch wenn es sich auf den ersten Blick nicht wie ein „Männerthema“ anhört. Frauen empfehle ich dieses Buch, weil es beweist, dass Liebesgeschichten auch jenseits des Schnulzen-Genres erzählt werden können.


Rafael Yglesias, „Glückliche Ehe“, erschienen im Klett-Cotta Verlag im Februar 2010, gebunden