aufmerksam, glaubhaft

Berufung leben trotz Fragen und Zweifeln

Am liebsten würde ich behaupten, mein Leben sähe derzeit so aus wie die Pfingstrosen in voller Blüte: Farbgewaltig, prall, gesund und kraftstrotzend. Tatsächlich habe ich gerade eher Ähnlichkeit mit den halbverblühten Exemplaren: Meine Pläne stagnieren, längst abgeschlossene Projekte hängen in der Luft und mein Körper will nicht so, wie ich das will.

Eine Freundin fragte mich, wie mein aktueller Stand zum Thema „Berufung“ aussieht:
Für ChristInnen ist das die Verschmelzung von Persönlichkeit, Talenten und Lebenszielen. Das, wofür wir unsere Energie einsetzen und einer der Gründe, warum wir auf der Welt sind. Was Berufung angeht, war ich schon als Teeny mit vollem Ernst ganz vorne dabei. Bis ich in den letzten Jahrzehnten feststellte, dass Gottes Zeitplan oft ein ganz anderer ist als meiner. Und dass er mir tonnenweise Sehnsucht schenkt, endlich meine Berufung zu leben, und gleichzeitig Geduld und Vertrauen fordert, bis es eines Tages soweit ist.
Meine Freundin gab mir einige schlaue Gedanken mit, die heute von einer anderen Person im Gottesdienst-Livestream meiner Gemeinde aufgegriffen wurden. Und da sicherlich auch andere Menschen nur darauf brennen, ihre Begabungen endlich am passenden Ort einzusetzen, möchte ich sie hier teilen.

  • Zuallererst ist unsere Berufung als ChristInnen, täglich unsere Beziehung zu Gott zu pflegen: Zu beten, zu schweigen, zu singen, zu lesen, zu tanzen, zu meditieren – was auch immer unser persönlicher Kanal zu Jesus ist. Er ist der Mittelpunkt unseres Lebens, er gibt uns Freude und Kraft zu leben, er ist unser Anfang und unser Ziel. Alles andere kommt erst danach.
  • Berufung hat auch eine zeitliche Dimension: In verschiedenen Lebensphasen kann sie im Vordergrund stehen oder in den Hintergrund rücken, kann offen gelebt oder eher innerlich genährt werden.
  • Die Anforderungen der freien Wirtschaft sind keine gesunden Maßeinheiten für unsere Berufung: Wir sollten nicht erwarten, dass unsere Berufung möglichst effektiv gelebt wird und dem Leistungsdenken entspricht. Gott plant unser Versagen, unsere Umwege und Verzögerungen, unsere Krankheitsphasen mit ein. Wir sind diejenigen, die überrascht und frustriert sind, wenn es nicht zügig vorangeht. Dann schämen wir uns, zweifeln und lassen uns schwächen. Für Gott dagegen ist es ganz normal, dass Berufung kein börsennotiertes Aktiengeschäft ist, das Tag und Nacht reibungslos läuft.
  • Berufung heißt nicht, dass alles leicht gehen wird. Und dass es locker gelingen muss. Berufung ist genauso von Suche, Anstrengung und Aushalten-müssen geprägt wie jeder andere Bereich unseres Lebens.
  • Große Erfolge sind viel weniger wichtig als jeder einzelne Mensch, dem wir begegnen und dem wir mit unserer Berufung dienen. Es zählt nicht die Masse an Erfolgen, sondern jeder zwischenmenschliche Moment. Auch dann, wenn unsere Berufung gerade nicht so ganzheitlich gelebt werden kann, wie wir es uns wünschen.
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Tipps einer Quereinsteigerin

Von der Logopädin zur Eventgestalterin gibt es eine ganze Reihe Stationen, die ich aktuell durchlaufe beziehungsweise plane. Meine Erfahrungen der letzten Monate möchte ich als unvollständige Liste teilen und freue mich über Ergänzungen von Menschen, die ähnliches erleben!

1.) So lange du nicht weiß, wohin du willst, ist jede Richtung die falsche. Und gleichzeitig die richtige. Erst im Ausprobieren klärt sich vieles, und Fehler sind zu Beginn oft Erfolge:
Das macht mir Spaß, hat aber keine Zukunft. Oder: Das ist mir zu aufwändig und rentiert sich nicht. Oder: Hier könnte ich arbeiten, damit ist mir auf lange Sicht aber nicht geholfen.
Langfristig sind es alles Entdeckungen und Erkenntnisse, die sich auszahlen – zu Beginn aber nicht vorhersehbar waren oder wie Unfälle anfühlen.

2.) Gleichgesinnte finden ist ein großes Geschenk. Auch wenn meine Quereinstiegs-Partnerin etwas anderes plant als ich, ist es unbezahlbar, eine solche Begleiterin zu haben. Weder die Festangstellten noch die Mütter in meinem Freundeskreis können sich mit meinem aktuellen Alltag identifizieren. Mit wem spreche ich über all das, was mich beschäftigt? Hier sind Gleichgesinnte Gold wert – zu finden in Kursen, auf Veranstaltungen, bei Vorträgen, im Internet.

3.) Durchhalten, durchhalten, durchhalten. Lange Zeit fehlten mir die nötigen Kurse und Fortbildungen, die passenden ArbeitgeberInnen, die richtigen Fachbücher. Inzwischen denke ich, dass das wahrscheinlich normal ist und nur wenige Quereinsteigerinnen gleich sämtliche Kompetenzen und Chancen frei Haus geliefert bekommen (falls es jemandem passiert ist: Die Adresse des Service „Ihr neues Leben steckt in diesem Paket“ hätte ich gern! 😉 ). In diesem Sinne: Bei WegbegleiterInnen ausheulen und danach weitermachen.

4.) Dem eigenen Gefühl vertrauen. Beim Probearbeiten in einem großen Unternehmen präparierte ich mich natürlich entsprechend – nur um vor Ort festzustellen, dass vieles anders gelebt wird. Die erforderliche Arbeitskleidung bestand überraschender Weise aus „normaler“ Alltagskleidung, Grundregeln sahen anders aus, Arbeitstechniken hatten ganz andere Schwerpunkte als erwartet. Wie froh war ich, als ich an all die Lehrbücher dachte, die ich nur geliehen und nicht gekauft hatte: Sie wären nutzlos gewesen, weil das Business längst die Lehre überholt hat! Andererseits wurde ich damit konfrontiert, anders zu arbeiten als in meinen häuslichen Learning-by-Doing-Sitzungen. Immerhin war das vorausschauende Lernen von Fachwörtern korrekt und erfolgreich…
Kurz: Präpariere dich, so gut es geht. Kleide dich, wie du magst. Und sei so flexibel, dass du elastisch auf alles reagieren kannst, das anders ist, als angenommen.

5.) Feiere Erfolge. Alle. Auch kleine. Schreibe Listen, was du geschafft hast, und führe dir deine Fortschritte vor Augen. Egal, wie unbedeutend sie für andere aussehen mögen: Du tust es für dich. Notiere Komplimente, sie sind unbezahlbar und ermutigen dich, deiner Idee treu zu bleiben. Bedanke dich bei allen, die dich unterstützen – und sei es nur die kurze Bemerkung von einer Person, die dir genau in diesem Moment gut tut. Das Leben als Quereinsteigerin ist anstrengend genug, du hast dir Lob verdient!

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Kindheitsträume leben

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„Neale Donald Walsch, ein weltweit bekannter Autor, hat in einem Bestseller bezweifelt, dass wir Menschen mit einer Tafel auf die Welt kommen, auf der steht, wozu wir bestimmt sind. Er mag recht haben, wenn er damit einen starren Lebensentwurf oder ein feststehendes Berufsbild meint. Meiner Ansicht nach sind wir nur mit einem bestimmten Auftrag auf diese Welt gekommen. Und dieser Auftrag heißt für Sie und mich, so viel kindliche Freude wie nur möglich in unserem Leben zu entfalten. Je mehr Kindheitsträume in unserem Erwachsenendasein tatsächlich Raum zum Leben erhalten, desto größer ist unsere Chance auf seelische Gesundheit. Mir ist bewusst, dass das für manche Experten eine kühne Behauptung ist. Doch ich bleibe dabei: Die Kindheit ist eine Zeit voller Wunder, Paradoxien und gewaltiger Phantasien. Wenn Sie mit Ihren kindlichen Träumen und Interessen in Berührung kommen, fühlt sich das wie Heimat an. Sie erkennen, dass Sie längst mit Ihrer Berufung in Berührung gekommen sind. Denn es kann Sie nicht wirklich etwas berühren, was Sie nicht schon längst irgendwann in der Kindheit berührt hat. Das muss nicht unbedingt das Wesen Ihres augenblicklichen Berufs verändern. Doch Ihr Beruf muss Freundschaft mit Ihrer Identität schließen. Umgekehrt kann ein wiedererstarktes inneres Kind Ihnen die Kraft zurückgeben, die Sie in Ihrem momentanen Wirken so vermissen.“

aus: „Ja! Es gibt den Job, der wirklich zu mir passt!“ von Guido Ernst Hannig
Poster von Urban Graphic UK

aufmerksam, glaubhaft

Die Fragen liebhaben

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Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind.
Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben.
Leben Sie jetzt die Fragen.
Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.

Rainer Maria Rilke

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aufmerksam, glaubhaft, kreativ

Talente klug einsetzen

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„Mein Temperament, meine Persönlichkeit, meine Fähigkeiten,
meine Interessen und Leidenschaften

– sie alle sagen etwas darüber aus, wozu ich berufen bin.“

David G. Benner

„Frage dich nicht, was die Welt braucht.
Frage dich, was dich lebendig macht
und dann gehe hin und tue das Entsprechende.

Denn die Welt braucht nichts so sehr,
wie Menschen die lebendig geworden sind.“

Gill Baine

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aufmerksam, feminin

Die Seele der Frau

 

Ruth ist vielleicht eine attraktive, starke Frau gewesen,
aber was Boas letzlich für sie einnimmt sind ihr beharrlicher Mut,
ihre Verletzlichkeit und ihr Vertrauen auf Gott.

Esther ist die mit Abstand schönste Frau im Land,
aber es sind ihre Tapferkeit und ihr überwältigend gutes Herz,
die den König bewegen, ihre Landsleute zu verschonen.

 

aus: Stacy Eldredge „Mehr als alles hüte dein Herz“, Brunnen Verlag

 

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aufmerksam, feminin, glaubhaft

Nicht zuständig

„Frauen erkunden den weiten Garten der Opferbereitschaft.
Dieser Satz ist seit 10 000 Jahren wahr.
Aber jetzt reicht’s. Ich will keine dieser Frauen sein. (…) Millionen von Frauen mussten ihre Hoffnungen aufgeben. Ich werde das nicht tun!“

sagt Celine (gespielt von Julie Deply in „Before Midnight“, zitiert in „Neon 6/2013“)

Ich habe einen neuen Satz, den ich mir vor Kurzem selbst beigebracht habe und den ich noch hart umkämpfen muss, bis er mir wirklich selbstverständlich über die Lippen kommt.
Diese Aussage ist „Ich bin nicht zuständig“ beziehungsweise „Das ist nicht mein Problem“.
Als typische Therapeutin kümmere ich mich auch in der Freizeit um Alles und Jedes, und beileibe nicht nur um meine eigenen Angelegenheiten.
Es gibt unendlich viele Dinge, die „Frau“ übernimmt, kaum dass sie „Mann“ kennenlernt. Noch bevor die beiden wirklich ein Paar sind (geschweigedenn in einer Beziehung leben, die als Langzeitmodell gedacht ist und zusammen gezogen sind), kümmert sie sich um so viele Belange in seinem Leben, dass beide innerhalb weniger Monate nicht mehr wissen, wie es vorher lief:
Eh sie sich’s versieht, stemmt sie im Sinne des eigenen Ehrgeizes gleich zwei Leben und deren Organisation (von gesunder Ernährung bis zu Glückwünschen an (ihr wildfremde) Verwandte alles Themen, die er nicht mag).
Und wozu das alles?
Warum sammeln wir Frauen rechts und links ständig unbezahlte, unbeliebte Aufgaben am Wegesrand, die für immer an uns hängen bleiben, elendig viel Energie verbrauchen und nie honoriert werden?
Weil wir glauben, wir sollten es?
Weil es sonst niemand tut?
Weil wir für eine gesündere, ordentlichere, sauberere, gebildetere Welt kämpfen (und nichts erreichen, außer uns selbst aufzureiben)?
Weil es „die anderen Frauen“ ebenfalls tun – dem Mann neue Socken kaufen und gegen die löchrigen austauschen, der Tochter teure Geigenstunden vom mageren Teilzeitgehalt finanzieren, den Sohn dreimal pro Woche zum Fußballtraining und zurück kutschieren, den Schwiegereltern nette Grüße zukommen lassen, die eigene Mutter regelmäßig anrufen, der Nachbarin im Urlaub den Garten gießen und nebenher die kranke Kollegin vertreten?
Und das alles, ohne je dafür einen Ausgleich oder eine Gegenleistung zu fordern!
Wie blöd sind wir eigentlich, Mädels?

Mir reicht’s.
Ich bin ab heute nur noch für meine eigenen Angelegenheiten zuständig:
Alle anderen Verpflichtungen gehören sortiert und, wenn nötig, gestrichen.
Ich bin für viel weniger zuständig, als andere mir suggerieren.

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Nachtrag
„Nicht mein Problem“: Warum sagen Männer das so viel öfter und selbstverständlicher als wir?
Und warum dürfen Männer so etwas sagen, wir Frauen aber werden dafür schief angeschaut?

aufmerksam, feminin

Das geheime zweite Leben der Logopädinnen

Meine beste Freundin stellte, meiner Einschätzung nach zu Recht, die These auf, dass die meisten Logopädinnen ein „geheimes zweites Leben“ haben:
So träumen viele Logopädinnen davon, ein zweites Standbein zu entwickeln oder ein „Alternativ-Leben“ zu gründen.
Meine Freundin erzählte mir, dass sie davon träume, Landärztin zu sein. Sie würde dann den Großteil des Tages im Garten verbringen und, wenn Notfälle am Gartentor klingeln, mal kurz die Gummistiefel ausziehen und die Dorfbewohner ins Untersuchungszimmer bitten.
Eine ihrer Kolleginnen träume davon, einen Woll-Laden zu eröffnen:
Sie würde dann den ganzen Tag gemütlich im Geschäft sitzen und stricken. Kunden würde sie freundlich bedienen und einladen, sich doch die Zeit zu nehmen eine Runde mit zu stricken – bei kostenlosen Tipps natürlich.
Eine andere würde ein biologisches Bistro mit einem gesunden Mittagstisch eröffnen, eine weitere ein Café mit selbst gebackenen Torten.
Und ich? Ich würde „Dekorations-Fachfrau“ werden, indem ich auf Wunsch Wohnungen und Häuser behutsam umgestalte.
Dazu würde ich ein gründliches Anamnesegespräch führen, um zu erfahren, was die Bewohner sich von ihrem Haus wünschen und welche Bedürfnisse ihnen im Leben wichtig sind. Dann würde ich sie gut zwei Monate lang ausquartieren und das Haus neu gestalten, inklusive vieler Kreationen meiner eigenen Nähmaschine. Anschließend würde ich das Haus oder die Wohnung den Besitzern übergeben, die so glücklich wären, dass sie mir noch jahrzehntelang Dankeskarten zu Weihnachten senden. Sehr gerne täte ich dies natürlich auch mit Ferienwohnungen…
Wenn das nichts wird, würde ich mich als Kuratorin versuchen (eine Runde Größenwahnsinn steht jeder  😉 ). Ich würde mich in der Kunst-Szene umschauen, eine unentdeckte Künstlerin finden, ihre Werke in passenden Sälen arrangieren und ein wunderbares Konzept bezüglich ihrer Individualität und der Botschaft ihrer Kunstwerke erstellen. So kämen die BesucherInnen mit neuen Sichtweisen auf die Welt, die Menschen und die Kunst aus der Galerie und würden vielfältige Inspirationen mit in den Alltag nehmen.
Das wäre großartig.

 

 

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Adventskalender

Von meiner Mutter habe ich ganz überraschend einen schönen Tee-Adventskalender geschenkt bekommen: Täglich gibt es eine andere Tee-Mischung, die oben mit einem schönen Spruch bedruckt ist – bisher hatten die meisten Sprüche etwas mit Sternen zu tun.
Ein Spruch, der mir besonders gut gefällt:

Manchmal ist der Weg weit.
Manchmal verliere ich den Stern aus den Augen.
Was macht das schon.
Er ist da.

Melanie Kirschstein