aufmerksam, Presse

Presse: Quiz zum Dialekte-Raten

Mit den SeniorInnen in der Residenz spielte ich letztes Jahr ein Dialekte-Quiz. Dazu suchte ich mir diverse Äußerungen, Kosenamen und Schimpfworte aus ganz Deutschland zusammen und ließ die Damen und Herren sowohl die Bedeutung als auch die Herkunft erraten.
Da alle so einen Spaß hatten, fertigte ich aus den plattdeutschen Begriffen eine Wolke von Sprechblasen an und hängte sie in der Lobby an die goldene Wand:
Zum Rätseln für alle SeniorInnen, die nicht dabei gewesen waren. Und als Small-Talk-Thema für BesucherInnen, um den Gesprächseinstieg mit Oma und Opa zu erleichtern.

Leider fand die damalige Leitung des Hauses diese Installation völlig indiskutabel und entfernte sie umgehend. Da hatte ich bereits einen Fachartikel über den Spaß mit Dialekten geschrieben und musste für die passenden Pressefotos leider, leider das Schandbild noch einmal aufhängen….
Durch Corona verschob sich die Veröffentlichung, jetzt erschien mein Artikel „Deutschlandtour mit Eumel und Dösbaddel“ in der Zeitschrift „Aktivieren“.
Ein erster Einblick in das Dialekte-Quiz ist online hier zu lesen.

aufmerksam, Presse

Mein zweites Buch ist unterwegs: Spaßoffensive für Senioren


Mein zweites Baby -äh, Buch- hat aktuell noch heftige Geburtsschwierigkeiten. Das Fruchtwasser ist seit Januar abgelaufen, der Muttermund sperrangelweit offen, aber das Baby leider noch nicht in Sicht. Wann es den Geburtskanal der Druckerei endlich betritt und noch endlicher verlässt, weiß grad kein Mensch. Aber die Werbung läuft wie geschmiert, in der aktuellen Fachzeitschrift „Aktivieren“ wurden meine „Gruppenspiele für gute Laune“ vorgestellt und im Verlagsprogramm sind sie direkt auf der zweiten Seite zu finden.
Wer sich also wirklich, wirklich lustige Spiele für bisher verkniffene oder schüchterne SeniorInnen wünscht: Sind auf dem Weg.
Zusammen mit Wahrnehmungsübungen für sämtliche Sinneskanäle, durchschnittlich zehn Spiele stelle ich in jedem Kapitel für alle fünf Sinneswahrnehmung einzeln dar. Schließlich lassen im Alter nicht nur Hören und Sehen nach, auch das Tasten, Riechen und Schmecken verändern sich. Obwohl die Aufgaben primär Spaß machen, sind sie ein sehr effektives, ganzheitliches Hirntraining – bei dem es nur Gewinner gibt.
Ein Kapitel für fröhliche Spiele zum Aufwärmen sowie eins voller Ideen für Abschiedsrituale runden den Spiralblock ab.
Wer dann seine SeniorInnen noch nicht gründlich aufgemischt hat, kann mit dem Kapitel „Bewegungsspiele“ die letzten Zaungäste aus der Lethargie locken.
Einfach aufklappen und loslegen!

Solange wir auf den finalen Moment der Geburt warten, schauen wir uns im neuen Verlagsprogramm um:
Auf der ersten Produktseite hat mein Erstgeborenes einen fulminanten Auftritt. Die Atemfreude, die einzigartige Atemgymnastik mit einem klaren Fokus auf Spaß und Genuss an der Bewegung. Also, das Zweitgeborene steckt fest, solange lade ich herzlich dazu ein, lustvoll zu atmen.

aufmerksam, kreativ

Corona: Ideen gegen den Lagerkoller in Senioren-Einrichtungen

An meinem Arbeitsplatz gestalten wir ein buntes Programm für über 300 fitte und anspruchsvolle SeniorInnen. Die Veranstaltungen wurden angesichts des Corona-Virus natürlich längst abgesagt, sowohl die öffentlichen Kultur-Termine als auch die internen Gruppen.  Auch die Mahlzeiten im Restaurant finden mit neuen Regeln und ohne externe BesucherInnen statt.
Die Damen und Herren erwarten ein hochwertiges Programm aus Kultur, Bildung und Sport. Nun haben sie plötzlich gar keine Unterhaltung mehr und dürfen sich noch nicht einmal mit ihren Cliquen intern treffen. Das stößt auf Widerstand, daher habe ich mir ein Angebot ausgedacht:
Die übliche Haus-Zeitschrift kann nicht erscheinen, da das Programm sowieso ausfällt. Stattdessen bringen wir das Heft als „Anti-Lagerkoller-Maßnahme“ mit Rätseln, Geschichten und Tipps heraus. So habe ich mir gestern erste Ideen notiert, was die SeniorInnen trotz eingeschränkter Freiheit tun können. Zumindest, bis wir auch hier eine endgültige Ausgangssperre haben…

Ideen gegen den Lagerkoller
Liebe BewohnerInnen, damit Sie sich trotz viel freier Zeit und wenig Spielraum sinnvoll beschäftigen können, habe ich mir Ideen für Sie ausgedacht. Sie kennen meinen Humor – bitte nehmen Sie es nicht bierernst! Ich möchte Sie damit aufheitern, liebe Grüße, Marie Krüerke

* Lange aufgeschobene Anrufe tätigen: Je länger wir uns bei alten Freunden nicht melden, desto größer die Hürde, zum Hörer zu greifen. Dabei ist aktuell die Wahrscheinlichkeit, dass alle zu Hause und gut erreichbar sind, besonders groß! Wagen Sie es und rufen Sie bei lang verschollenen Bekannten an.

* Briefe schreiben: Vielleicht haben Sie auch eine Sammlung von Grußkarten zu Hause, die über die Zeit gewachsen ist. Suchen Sie sich ein paar schöne Exemplare heraus und schreiben Sie einen netten Gruß!

* Fotoalben pflegen: Besitzen Sie Fotoalben, die begonnen und nicht beendet wurden? Vielleicht haben Sie Lust, einen Stapel Fotos einzukleben und zu beschriften. Wenn Ihnen noch ein paar bunte Aufkleber in die Hände fallen, macht die Gestaltung zusätzlich Spaß.

* Sockenschublade sortieren: Ja, vielleicht lachen Sie jetzt, aber wann haben Sie jemals so viel Zeit für den Frühjahrsputz wie jetzt?! Löchrige Socken sind menschlich, aber lästig – nutzen Sie die freie Zeit zum Stopfen oder Aussortieren. Auch die Zeitungen, die Sie immer noch mal lesen wollten und nie dazu kamen, warten auf eine Lektüre oder auf das Altpapier. Ausmisten befreit und macht gute Laune!

* Sie können Samentütchen kaufen und Sommerblumen, Pflücksalat oder Kräuter im Appartement vorziehen. Dazu reicht eine Schale mit Erde auf der Fensterbank, oder Sie stellen die Balkonkästen dicht an die Hausmauer, wo sie geschützt sind. So können Sie die ersten Triebe beim Wachsen beobachten und das frische Leben genießen. Auch Weizenkörner oder andere ganze Körner, die sonst zum Backen benutzt werden, können auf feuchtes Küchenpapier ausgelegt werden und keimen. Sie sind voller Vitamine, perfekt für eine Scheibe Brot mit Quark!

* Osterzweige: Pflücken Sie draußen Zweige und beginnen Sie mit einer österlichen Dekoration. Holen Sie die Ostereier aus dem Schrank oder vom Dachboden und knoten Sie bunte Schleifen oder Wolle in die Zweige. So gestalten Sie einen schönen Blickfang, der für Ablenkung sorgt. Vielleicht hat Ihre Nachbarin Ideen für eine einfach österliche Bastelei? Fragen Sie per Telefon einmal nach und tauschen Sie sich über Osterbräuche aus.

Frühlings-Rätsel: Buchstaben sortieren
Bitte sortieren Sie die Buchstaben so, dass sich Worte ergeben, die mit dem Frühling zu tun haben.

lutep              kenük          fefzehop

mepirl                   nevosgetl

syroftehi                   malm         derlife

glotosereck                                   zyhaniteh

reostie                         rlapseg

Lösung: Tulpe, Küken, Hefezopf, Primel, Vogelnest, Forsythie, Lamm, Flieder, Osterglocke, Hyazinthe, Osterei, Spargel

Lieder-Rätsel
In welchen Lieder kommen die folgenden Zeilen vor:

„Hei, unter grünen Linden, da leuchten weiße Kleid! Heija, nun hat uns Kindern ein End all Wintersleid.“

„Wie möcht ich doch so gerne ein Veilchen wieder sehn, ach, lieber Mai, wie gerne einmal spazieren gehen!“

„Jetzt geh ich über Berg und Tal, da hört man schon die Nachtigall auf grüner Heid und überall.“

„Frisch auf drum, frisch auf drum im hellen Sonnenstrahl, wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!“

„Die kalten Wind verstummen, der Himmel ist gar blau, die lieben Binelein summen daher von grüner Au.“

Lösungen Lieder-Rätsel:
1.) Nun will der Lenz uns grüßen
2.) Komm, lieber Mai, und mache
3.) Jetzt fängt das schöne Frühjahr an
4.) Der Mai ist gekommen
5.) Grüß Gott, du schöner Maien

Ich werde zügig mit der Osterdekoration beginnen, damit es wenigstens im Haus schön aussieht und die SeniorInnen weiterhin spüren, dass wir uns um ihr Wohl kümmern. Solange die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden, ist jede Form der Ablenkung willkommen. Das gemeinsame Oster-Basteln und Schmücken entfällt natürlich, aber zumindest sollen die Damen und Herren in schön gestalteten Räumen unterwegs sein, bevor sich die Lage verschärft und alle im Appartement bleiben müssen.

Atemfreude, Presse

„Atemfreude“ in Hamburgs größter Tageszeitung

Aus heiterem Himmel schrieben mir gestern mehrere fremde Damen, die sich für meine spaßbetonte Atemgymnastik mit SeniorInnen interessieren. Sofort fragte ich mich, wer denn wo über die „Atemfreude“ etwas geschrieben haben könnte – geballtes Interesse entsteht ja selten zufällig. Ich antwortete natürlich freundlich und lud zum Mitmachen meines Kurses ein, zum Schluss bat ich darum, zu erfahren, wie die Damen auf mich gekommen waren. Durch das Abendblatt natürlich, Hamburgs größte Tageszeitung!
Aha, also marschierte ich noch nach 20:00 Uhr los, um schnell ein letztes Exemplar aufzutreiben – was gelang.

Die Journalistin Martina Petersen hat mir erlaubt, den Text und das Foto zu verwenden.
Wer online mitlesen möchte: „Mit Atemfreude entspannen auch demente Senioren“

 

aufmerksam, glaubhaft

Achtung, Nebenwirkungen: Was passiert, wenn du mit Senioren arbeitest

Jeder Arbeitsplatz beeinflusst die eigene Identität. Einerseits natürlich durch die Zeit, die wir dort täglich verbringen: Niemand kann unbeeinflusst den Arbeitsalltag an sich vorbei ziehen lassen. Unsere Aufgaben, die Kolleginnen und das Klima der Firma prägen uns. Andererseits entwickeln wir uns durch diese Einflüsse im Laufe der Zeit weiter. Wir verändern uns durch die positiven Vorbilder ebenso wie durch abschreckende Beispiele im Team. Wir wachsen mit den Herausforderungen oder suchen uns selbst welche. Wenn wir den Arbeitsplatz wechseln, nehmen wir die Erfahrungen und inneren Veränderungen mit. Ich möchte heute davon erzählen, wie mich die Arbeit in einer Senioren-Residenz bisher beeinflusst hat.

Im Urlaub kümmere ich mich um seniorentaugliche Bilder, um zurück im Alltag einen fotografischen Reisebericht moderieren zu können.
Schon vor einem Jahr ging es los: Plötzlich hielt ich im Urlaub Momente fest, die ich für meine private Erinnerung nie fotografiert hätte. Komische Szenen im Alltag der Landesbewohner, Chaos der Doppeldeckerbusse, seltsame Entdeckungen im Supermarkt: Alles, was eine lustige Anekdote bietet, lichte ich ab, um damit später einen unterhaltsamen Nachmittag in der Residenz zu gestalten. Um die Leinwand voll auszunutzen, gewöhnte ich mir sogar Fotos im Querformat an, dabei fotografiere ich am liebsten hochkant, um immer ein Stück Himmel mit drauf zu haben. Der absolute Höhepunkt war bisher mein Reisebericht aus Finnland: Da ich kurz vorher die Verlagsbewerbungen meines Fachbuchs verschickt hatte und gerade erste Angebote für mein Manuskript bekam, war ich nach dem aufreibenden Marathon total erschöpft. Parallel zum Job ein Buch über Atemgymnastik mit Senioren zu konzipieren, hatte mich ausgelaugt – ganz besonders das PR-Coaching und die anspruchsvolle Verlagsbewerbung. Daher bestand ein Großteil der zwei Wochen Urlaub daraus, dass ich im Garten „unseres“ finnischen Sommerhauses saß und las. Dabei entstanden natürlich keine spannenden Fotos, aber ein tiefer Friede zog in mein Herz. Entsprechend versuchte ich, diesen umfassenden Frieden zurück in Hamburg für die Senioren in meiner Moderation zu beschreiben. Nach dem letzten Bild war es mucksmäuschenstill, anschließend brach ein donnernder Applaus aus und die BewohnerInnen dankten mir unter Tränen für die emotionale Darstellung.
Daher halte ich in jedem Urlaub wieder besondere Eindrücke für die Senioren fest und achte darauf, neben meinen privaten künstlerischen Aufnahmen auch sehr klare, einfache Bilder für die Sehgeschädigten aufzunehmen. Auch, wenn ich mich in meinem privaten Urlaub eigentlich amüsieren und erholen sollte…

Ich habe immer weniger Lust darauf, alt zu werden
Täglich höre ich Klagen, was alles wehtut. Und wie wenig die Tabletten helfen. Und wie wenig das den Hausarzt interessiert. Und welche letzte Weggefährtin neulich verstorben ist. Und wer alles alkoholkrank ist. Und wer endgültig keine Lust mehr auf´s Leben hat. Und wer wieder einmal darüber nachdenkt, auf welche Weise nachzuhelfen…
Neee, ganz ehrlich, mit SeniorInnen im Alltag unterwegs zu sein, ist nun wirklich nichts, was Lust auf die letzte Lebensspanne macht! So unzensiert den ganzen Sch*** erzählt zu bekommen, von allen Hochaltrigen einzeln, lässt mich auf einen plötzlichen Tod aus heiterem Himmel mit Anfang Siebzig hoffen. Weder körperliche Gebrechen noch geistigen Abbau wünsche ich mir, darin bestärken mich die Augenzeugenberichte der Achtzig- und Neunzigjährigen immer wieder!

Sterben ist mir völlig egal
Okay, da ich an Gott glaube und der Meinung bin, „dass das Beste noch kommt“, hatte ich noch nie Angst vor dem Tod. Auf mich wartet eine göttliche Dauerparty im Himmel, wovor sollte ich mich fürchten? The best is yet to come! Aber wenn rechts und links Menschen sterben, ist das natürlich etwas Anderes. Noch mehr, wenn das regelmäßig passiert. Zum Glück baue ich dennoch mit allen BewohnerInnen eine herzliche persönliche Beziehung auf, ich habe keinerlei Angst, dass sie morgen tot sind und ich deswegen traurig. Denn: Mich kratzen die Toten überhaupt nicht. Klar, wenn sich eine besonders fitte Dame, die sich tatkräftig im Haus einbringt, plötzlich das Leben nimmt, muss ich auch schlucken. Oder wenn von jetzt auf gleich eine Dame, die eben noch in einer meiner Veranstaltungen saß, tot im Appartement gefunden wird. Natürlich habe ich für einen Moment einen Kloß im Hals. Aber geweint habe ich deswegen noch nie, und über einen kurzen Moment hinaus aufgewühlt bin ich auch nicht. Bei 95% der Toten bin ich einfach nur froh, dass sie die letzte Etappe endgültig hinter sich gebracht haben. Egal, ob sie sich lange krank gequält haben oder innerhalb eines Wimpernschlags abgetreten sind: Sie haben es geschafft, juhu! Entsprechend irritiert werde ich angeschaut, wenn eine Kollegin sagt „Frau Jepsen ist verstorben“ und ich antworte: „Schön, dann hat sie´s ja kurz und knackig ohne weiteres Leiden hinter sich gebracht.“

Ich mag auf einmal Kunstblumen
Am Anfang fand ich es noch sehr gewöhnungebedürftig, die saisonale Dekoration der Residenz mit Kunstblumen zu gestalten. Da ich Erfahrungen in der Event-Floristik gesammelt habe, waren Plastikblumen zuerst „ästhetisch unmöglich zu ertragen“. Aber wie es mit der Mode so ist: Erst finden wir es schrecklich, dann gewöhnen wir uns dran, und später kaufen wir uns bestimmte Kleidungsstücke sogar freiwillig. Genauso hat sich meine Einstellung zu Kunstblumen gewandelt, und das Schlimmste ist: Selbst für den privaten Gebrauch finde ich Plastikblumen inzwischen vertretbar. Hilfe! Wer hat mir den guten Geschmack gestohlen?

Zuerst kleidete ich mich super konservativ, jetzt immer wilder
Zu Beginn war es mir total wichtig, für die BewohnerInnen und Kolleginnen korrekt gekleidet zu sein. Ich fragte mich sogar im ersten Sommer, ob ich wohl Tops mit Spagetthiträgern tragen kann… Denn einerseits soll ich optisch einer gehobenen Residenz entsprechen, die ich als Angestellte repräsentiere. Andererseits sind da die moralischen und ästhetischen Erwartungen, die die BewohnerInnen haben. Täglich wird meine Kleidung genauestens beobachtet, analysiert und bewertet. Inzwischen trage ich das, worauf ich Lust habe, und an bestimmten Tagen absichtlich etwas besonders Ausgefallenes. Wenn sie was zu reden haben wollen, liefere ich ihnen gern eine Grundlage für den täglichen Klatsch und Tratsch! Sie zerreißen sich so oder so den Mund über mich, dann soll es sich doch wenigstens lohnen. Bitteschön, gern geschehen!

Atemfreude, aufmerksam, Presse

Mein Konzept „Atemfreude“ in der Fachzeitschrift „Aktivieren“

In Deutschlands einziger Fachzeitschrift für die soziale Betreuung von SeniorInnen, „Altenpflege Aktivieren“, erschien gerade mein Artikel über die „Atemreisen“.

Im Juli begleitete mein Mann mich mit der Kamera während einer „Atemfreude“-Stunde im Gymnastiksaal der Senioren-Residenz. Kurz darauf sandte ich das Konzept und die Fotos ein. Nun hat sich die Geduld gelohnt, die TeilnehmerInnen meines Kurses freuten sich sehr über ihre „Berühmtheit“ und ich bin ganz stolz über das Ergebnis.
Leider hat eine tiefergehende Recherche inzwischen ergeben, dass der Titel „Atemreise“ bereits in esoterischen Kreisen benutzt wird. Als Abgrenzung änderte ich den Namen meines Konzepts auf „Atemfreude“.
Wie immer bin ich während dessen schon einen Schritt weiter, um mein Konzept auf die nächste Ebene zu bringen…

aufmerksam

Kino-Abend für SeniorInnen: Die komplexe Frage nach dem richtigen Film

Einen erfolgreichen Kino-Abend für SeniorInnen zu organisieren, ist absolut einfach. Das Vorhandensein eines passenden Raumes und Beamers nehme ich als Voraussetzung an, sodass nur die winzig kleine Frage geklärt werden muss, welcher Film auf positive Aufmerksamkeit zählen kann.
Mit meinem 13-Schritte-Fragebogen lassen sich die allermeisten Klippen umschiffen, sodass ein erfolgreicher Kino-Abend ratz-fatz organisiert ist!

1.) Wird der Film von einer fröhlichen Grundstimmung getragen, bewahrt aber die Grenzen des Anstands und ist dennoch tiefgehend und dezent philosophisch? Wenn ja, ist dies ein guter Anfang, bitte mit der zweiten Frage fortfahren. Wenn nicht, lieber einen anderen Film wählen.
2.) Ist der Film ein Klassiker? Dann werden einige ganz begeistert sein und viele „Schon wieder deeeer….“ meckern. Also lieber nicht. Wähle einen anderen Film und starte wieder bei 1.
3.) Ist der Film neueren Datums? Sind die Schnitte schnell, die Dialoge sehr zügig gesprochen, die Wortwahl „salopp“ und wird eventuell sogar aktuelle Politik wie die „Flüchtlingskrise“ thematisiert? Schwiiiierig, lieber etwas wählen, das zwar dezent modern wirkt, aber eigentlich ruhig und leicht zu verfolgen ist.
4.) Gibt es Gewalt, Vergewaltigungen o.ä.? Angesichts der Möglichkeit von Flashbacks aus Kriegszeiten anderen Film wählen!
5.) Kommt der zweite Weltkrieg vor? Schwierig, da einerseits die Aktivierung von schlechten Erinnerungen (Traumata) möglich ist und andererseits die meisten SeniorInnen „nie wieder an diese schlimme Zeit denken wollen“.
6.) Thematisiert der Film Tod und Sterben? Bloß nicht, die meisten älteren Menschen versuchen so oft wie möglich, gerade nicht darüber nachzudenken.
7.) Religion, Glauben und alle Diskussionen, die damit verbunden sein können, sind auch keine passende Grundlage für einen Film, der so viele wie möglich ansprechen soll. Zurück auf 1.
8.) Kommen Schimpfworte und viel ungefilterte Umgangssprache vor? Ganz schlecht, anderen Film wählen.
9.) Gibt es „eindeutige Szenen“ und/oder anzügliche Sprache? Oder sehr freizügig gekleidete DarstellerInnen? Ganz schlecht, anderen Film wählen.
10.) Werden politische Meinungen dargestellt, mit denen sich eine durchschnittliche Seniorin nicht identifizieren kann? Ganz schlecht, anderen Film wählen.
11.) Ist der Ton von einer großen Dynamik geprägt, ist also teilweise sehr leise und plötzlich sehr laut? Aufgrund von altersbedingt eingeschränktem Hören sowie dem Tragen von Hörgeräten sehr unangenehm für die SeniorInnen, anderen Film wählen.
12.) Ist der Film synchronisiert und das noch nicht einmal sehr gut? Schwierig, da viele Seniorinnen gern zum Verstehen zusätzlich auf den Mund schauen und dadurch mehr irritiert als unterstützt werden. Lieber anderen Film wählen.
13.) Ist der Film länger als achtzig, maximal neunzig Minuten? Ganz schlecht: Der Rücken zwickt, die Blase drückt, ein guter Prozentsatz nickt sowieso weg. Zurück auf 1.

Wunderbar, so wahnsinnig schnell ist ein passender Film gefunden!
Dann braucht ja nur noch der Raum so belüftet werden, dass er weder zu warm, noch zu kalt, noch zugig, aber gleichzeitig voller Frischluft ist.
Die Beleuchtung schön gedimmt, nicht zu hell, nicht zappenduster, damit man auch mal austreten kann.
Der Ton soll überall gleich gut verständlich sein, nicht blechern, nicht quitschig, nicht dumpf, nicht zu laut, nicht zu leise, einfach gut zu verstehen! Das kann doch nicht so schwer sein bei achtzig verschiedenen Hörgeräten im Raum, oder???

Na also, so unkompliziert und locker aus der Hand ist ein angenehmer Kino-Abend für SeniorInnen geplant!
Das war doch ein Klacks!

Bilder von The Graphics Fairy