aufmerksam, feminin, glaubhaft, kreativ

Scham ist so lästig: Heute bin ich froh darüber, wer ich bin

Im Sommerurlaub, als bereits kluge Köpfe eine erneute Explosion der Coronafälle im Herbst und Winter voraussagten, nahm ich mir vor:
Ich werde wie bisher super vorsichtig sein und bis auf meine Berufstätigkeit und meine Kleingruppe weitgehend Kontakte meiden, aber: Dazu brauche ich etwas, das mich zu Hause allein hinter verschlossener Tür bei Laune hält.
Deshalb besann ich mich darauf zurück, dass ich früher gern gebastelt habe. Alle paar Jahre nehme ich mal an einem Workshop teil, und als Gruppenleitung biete ich regelmäßig kreative Nachmittage an, aber ich persönlich bin längst nicht mehr so schöpferisch tätig, wie früher einmal. Mit dem Kopf schon, wenn ich an meine freischaffende Tätigkeit als Autorin denke, aber eben meist nicht mit den Händen.
Also versorgte ich mich an verschiedenen Orten mit jeder Menge Bastelutensilien und verfiel in einen absoluten Marathon, was das Anfertigen von Grußkarten, Gebetsheften, Kalendern und anderen Geschenken aus Papier betrifft.
Die verschiedenen Abteilungen der Verlage, mit denen ich zusammenarbeite, erhielten bunte Pakete voller unterschiedlicher Kreationen als Dank für die gute Zusammenarbeit und reagierten begeistert.
Da die SeniorInnen meine handgefertigten Karten lieben, bot ich sie eines Sonntags an einem Stand an – und war nach 30 Minuten ausverkauft, was große Weinkrämpfe bei denen auslöste, die zu spät kamen. Mein Stand sollte schließlich 90 Minuten geöffnet haben, wer konnte ahnen, dass so schnell nichts mehr übrig war? Also produzierte ich weitere Exemplare nach, und bis weit in den Advent konnte der Esstisch unter der Last der Materialien und Werkzeuge nicht wiederentdeckt, geschweigedenn benutzt werden.

Lange Zeit glaubte ich der Lüge, basteln als Hobby sei peinlich.
Basteln sei etwas für den Kindergarten und die Abteilung demenziell Betroffener, aber niemand würde sich dabei freiwillig erwischen lassen.
Basteln sei uncool, provinziell und von vorgestern.
Doch ich stelle fest: Über die Befriedigung, die es mir selbst schenkt, hinaus freuen sich diejenigen, denen ich eine meiner Karten schicke oder verkaufe, sehr intensiv über die kleinen Kunstwerke.
Und ich selbst werde in kürzester Zeit besser, die Ergebnisse sehen gelungener und immer professioneller aus.
Über die Kleinanzeigen bin ich in den letzten Tagen in einen wahren Kaufrausch geraten, den ich mir gönne, weil ich im vergangenen Jahr so ausdauernd und hart wie noch nie zuvor gearbeitet habe und keine Zeit zum Ausspannen, geschweigedenn zum Geldausgeben hatte.
So nehme ich Frauen in ganz Deutschland ihr überflüssiges Hobbymaterial ab und freue mich wie Bolle über die Schnäppchen (die sich natürlich doch summieren, aber egal – das gönne ich mir jetzt und sehe es als Beitrag zur psychischen Stabilität trotz Corona).
Welche Leidenschaft ist dir peinlich, welches Interesse versteckst du vor anderen?
Welches Hobby liegt brach, weil du vor einigen (oder sehr vielen) Jahren der Meinung warst, „rausgewachsen zu sein“?
Was würdest du gerne wieder aufleben lassen, wenn dir die Meinung deines Umfelds egal wäre?
Welches neugierige Bedürfnis zum Entdecken eines spannenden Hobbys kannst du dieses Jahr stillen, ohne Rücksicht auf den Eindruck, den andere von dir haben könnten?
Das Urteil deiner Mitmenschen über dich geht dich nichts an.
Die Einschätzung, die andere über dich treffen, ist nicht deine Verantwortung.
Sollen sie doch denken, was sie wollen:
Nimm deine Begeisterung für ein Thema wichtiger als das Feedback entfernter Bekannter. Oder neidischer Familienmitglieder, die hinter ihrem Spott ihren Neid auf dein Talent verstecken.
Du bist es wert, deine Begabungen zu entdecken, wachsen zu lassen und ihnen Raum zum Blühen und Fruchttragen zu geben.
Deine Talente haben ein Lebensrecht – hast du jemals darüber nachgedacht?

Es ist so anstrengend, bedrückend und völlig unnötig, sich für die eigenen Hobbies zu schämen.
Das sage ich dir, weil ich es jahrzehntelang getan habe und es niemandem gut getan hat. Weder mir selbst, weil meine Gaben brach lagen, noch anderen, die davon nicht profitieren konnten.
Dass ich bastle und auf die Meinungen anderer sch****, weil mir meine Freizeitbeschäftigung gut tut und weil sie meinen Mitmenschen Freude schenkt – das ist so viel kraftvoller als die blöde Scham!

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Einen alten Stuhl aufarbeiten: Mehr Arbeit, als erwartet (wieder einmal…)

Neulich schleppte ich mit dem Fahrradanhänger einen alten Stuhl nach Hause, den ich über die Kleinanzeigen ergattert hatte.
Ich schliff ihn ab, strich ihn zwei Mal mit weißer Grundierung, strich ihn zwei Mal mit grüner Farbe (jeweils unterbrochen von 24 Stunden Trocknung) und hatte keinen Bock mehr.
Also ließ ich ihn ein Weilcher ruhen, bis ich mich aufraffte, um ihn zwei Mal mit Klarlack für Holzmöbel zu versiegeln. Zum Polstern holte ich ihn aus dem Keller nach oben, dabei fielen mir leider ein paar Lacknasen ins Auge, die mir im Kellerlicht entgangen waren. Anschließend riss ich den Stoff des Polsters ab, daraufhin war das ganze Wohnzimmer voller Staub und Stroh (!). Nun ja…. alte Stühle eben! Ich machte kurzen Prozess und ließ das seltsame Polster, wie es war. Aus dem Fundus zog ich einen äußerst ungewöhnlichen Stoff, der sich nicht entscheiden kann, ob er hässlich oder so richtig ausgeflippt ist. Da das darin enthaltene Grün perfekt zur neuen Stuhlfarbe passt und das Dunkelblau den optimalen Kontrast zu „Vintage Green“ bildet, ballerte ich ihn mit der Nagelpistole fest (was das ganze Haus erschütterte und meinen Mann etwas in Sorge brachte).

Jetzt finde ich den Stuhl so richtig großartig, auch wenn er leider immer unter den Blusen und Pullis verschwindet, die ich über Nacht zum Auslüften darüber hänge. Als ich vor wenigen Tagen das erste Mal darauf saß, um zu nähen (dieser Stuhl ist gleichzeitig mein Nähstuhl im Schlafzimmer), war der Unterschied zum vorherigen Modell wie Tag und Nacht.
Wieder was geschafft, ich bin sehr zufrieden.

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Wunschzettel für den Urlaub: Aktiv und bummelig die Seele baumeln lassen

Meine persönliche Aktivitätenliste für einen Urlaub an der Nordsee, der Herz und Hirn gut tut.
Zur Nachahmung empfohlen, egal, in welchem Ferienort.
1.) Wocheneinkauf in einem fremden Supermarkt
Jaaaa, ich gebe zu, so wahnsinnig viel Lust hatte ich nicht, den Einkauf für unsere Urlaubswoche anzugehen. Aber allein durch einen fremden Supermarkt zu laufen, kann auch ganz schön sein. Selbst, wenn es nicht so unterhaltsam wie in Skandinavien oder Frankreich ist – auch ein unbekannter Edeka kann Teil des Ferienprogramms sein, wenn ich mir Zeit lasse, statt durch die Gänge zu galoppieren. Und wenn der Ehemann in der Ferienwohnung arbeiten muss, ist selbst die Pflicht eine verhältnismäßig entspannte…
2.) Kunst genießen
Ich brauche keine ganz besonders große Kunst, die am Besten noch brutal und verstörend ist. Mir reichen ein paar Ölgemälde im historischen Gemeindesaal und der Besuch in einer Töpferei. Das mag spießig und seniorengerecht klingen, aber mich inspiriert es und hebt meine Laune nachhaltig. Besonders, wenn ich der Kunst dicht auf die Haut rücken kann, um herauszufinden, wie ein bestimmtes Bild entstanden ist. Allein zu sehen, dass ein wirklich gelungenes Gemälde von einem echten Könner offensichtlich mehrfach komplett neu gemalt wurde, wie die Farbränder am Rand der Leinwand zeigen, empfinde ich als enorm ermutigend.

3.) Einen Sport jenseits des Alltags ausprobieren
Alle paar Jahre nutze ich den Urlaub, um eine Reitstunde zu buchen – zuletzt auf der Gemeindefreizeit auf Rømø. Ich werde wohl nie verstehen, warum Personen, die Ausritte für AnfängerInnen anbieten, derart ruppig und herzlos sind und damit jedes Mal einen Teil meiner Freude stehlen. Es ist und bleibt mir ein Rätsel. Nichts desto trotz versuchte ich, die Zeit mit meinem namenlosen Pony zu genießen und zehre noch eine Woche später vom Muskelkater (-;

4.) Zu seltsamen Tageszeiten spazierengehen
Damit mein Mann trotz Arbeit die Woche genießen konnte, gingen wir jenseits der üblichen „Draußen-aktiv-sein-Zeit“ spazieren. So erlebten wir einen wunderbaren Dämmerungsspaziergang, bei dem wir zwischendurch das Quermarkenfeuer passierten und am Ende vom Leuchtturm durch die Dunkelheit geleitet wurden. Einen Seehund trafen wir auch, der offensichtlich gehofft hatte, dass all die Nervensägen endlich drinnen vor dem Fernseher saßen oder sich in Restaurants mit der Seuche infizierten.

5.) Meine heißgeliebten „Auf-dem-Bauch-liegend-Perspektiven-Fotos“ schießen
Ich bin immer auf der Suche nach dem finalen, endgeilen Foto von „Strandgut im Vordergrund und Wellen im Hintergrund“. Das ist eine reichlich feuchte Angelegenheit, bei der schnelles Aufspringen, Strandgut retten und vor Riesenwellen davon rennen (aus dem Liegen hoch hechtend) nötig sind.
Full-Body-Workout nennt man das, glaube ich.
Ach ja, Bernstein suchen gehört seit Kindheitstagen auch dazu, im Bild oben ist KEIN Bernstein zu entdecken. Leider.
6.) Eine ausgewogene Ernährung hilft dem Großstadtgestressten Körper, sich von innen heraus zu erholen. Und zu entgiften, ganz wichtig: Nichts geht heute mehr ohne entgifffften
Mein Tipp: Kuchen zum Mittagessen.
Heute.
Gestern.
Und vielleicht morgen noch mal.
Lässt sich ideal beim Traditionsbäcker abholen, auf langen Touren in der Vorratsdose mitnehmen und mit sandigen Händen (siehe oben) essen.
Kinder gibt’s hier keine, die erzogen gehören und ein verlässliches Vorbild brauchen. Jippieh!

7.) 38000 Mal das gleiche Motiv fotografieren, während wir uns ihm nähern, daran vorbei wandern und uns wieder entfernen
Weil’s geht.
Und Spaß macht, möglichst viele Perspektiven und Varianten zu finden.
Und weil es in Hamburg keine Leuchttürme gibt.
Also: Draufhalten, bis die Möwe weint.

aufmerksam, kreativ

Frischer Wind für alte Möbel: Einmal hübschmachen, bitte!

Wenn ich nicht ständig mehrere Projekte gleichzeitig laufen habe, fange ich unweigerlich an, unsere Wohnung umzubauen. Normalerweise schreibe ich parallel zum Beruf mindestens zwei Manuskripte zugleich, aktuell befinden sich jedoch alle Bücher bei verschiedenen Verlagen kurz vor dem Druck und das aktuelle Projekt ist erst in der Phase der Verlagsbewerbung. Unterforderung macht sich breit…. Daher ist jetzt ein Stuhl dran, der mal vom Sperrmüll stammte und nun gegen ein ähnlich altes, aber schöneres Exemplar aus den Kleinanzeigen ausgetauscht wird.
Dazu weihte ich endlich mal unseren Fahrradanhänger ein und radelte zwei Stadtteile weiter, um das leicht wacklige Schätzchen abzuholen. Ich werde es gründlich leimen, nageln und sonstige Gewalt anwenden, damit er anschließend bombenfest steht. Danach schleife ich ihn ab und hole meine heißgeliebte Farbdose „Vintage Green“ heraus, um nach zwei Lagen Grundierung einen frischen Farbton aufzutragen.
Zum Schluss fehlt nur noch ein neues Polster!

Allerdings frage ich mich, warum mir solche Projekte jedes Jahr im Herbst einfallen, wenn es deutlich schwieriger ist, draußen zu arbeiten. Die Temperaturen sind kein Problem, wohl aber die ständige Nässe – bekommt alten Möbeln einfach nicht. Aber im Sommer schere ich mich reichlich wenig um unsere Möbel, wie bei einem Eichhörnchen kommt der Nestbautrieb im Herbst zum Vorschein…
Letztes Jahr arbeitete ich einen Beistelltisch auf, den ich ebenfalls online aufstöberte und mit einer Hand auf dem Fahrrad transportierte.

aufmerksam, kreativ

LandArt: Mandala aus Naturmaterialien legen

Heute möchte ich vorstellen, wie ein Mandala in der Natur aus Fundstücken entsteht. Es setzt sich primär aus Kiefernzweigen und -zapfen zusammen, sodass es auch im Herbst und Winter gelegt werden kann.

Nach mehreren Sturmtagen fand ich diese abgerissenen Kiefernzweige mit ihren Blüten. Ich sammelte sie und schnitt die Zweige so kurz, dass primär die Spitzen mit den gelben Blütenständen übrig blieben.

Um die kreisförmige Grundstruktur anzulegen, arrangierte ich die Zweige in einem äußeren Kranz, auf den ich weitere Zweige schichtete, bis der Kreis gleichmäßig ausgefüllt war.

Auch Kiefernzapfen hatte der Sturm herunter gerissen, ich drapierte sie in einem größeren Kreis rund um die Zweige.Tannenzapfen legte ich zwischen den äußeren und den inneren Kreis, dabei zeigen alle Zapfenenden in die Mitte.
Um Höhe zu schaffen, richtete ich drei Tannenzapfen auf und stabilisierte sie, indem ich die Spitzen aneinander legte.
Ein frühlingsfrisches Mandala mit einem Stern aus Blütenblättern der Magnolie gestaltete ich hier: Frische Blättchen von der Buche hatte der Wind ebenso herab geweht wie die Magnolienblüten und Rhododendronblätter.
In Kürze stelle ich auf AktivierenPlus im Bereich „Kreative Angebote“ meine Anleitungen zu LandArt mit SeniorInnen vor.

aufmerksam, kreativ

Einfach machen: Alte Hobbies ausgraben und alle Hemmungen ablegen

Wer ist gern freiwillig dilettantisch?
Dass wir erwachsen sind, erkennen wir im Alltag daran, dass wir am liebsten nichts tun, bei dem wir Misserfolg erleben könnten.
Habe ich lange nicht gemacht? Lasse ich lieber bleiben.
Könnte daneben gehen? Lasse ich lieber bleiben.
Jemand könnte darüber lachen? Lasse ich lieber bleiben.

Kinder würden es einfach mal ausprobieren. Wenn´s nicht gelingt, kann man das Ergebnis ja immer noch zerknüllen, gegen die Wand pfeffern, drauf rum stampfen, dem Bruder ins Zimmer kicken oder in der Toilette herunter spülen (Das wiederum führt dank Überschwemmungen dann zu ganz anderen Späßen…).
Ich haben schon Eeeewigkeiten nicht mehr gemalt, unterbrochen von einem Bildungsurlaub zum Thema „Kunst“ letztes Jahr in Kiel. Danach war ich schön enthemmt, was meine Schaffenskraft anging, aber kaum verlief der Alltag in seinen Bahnen, fühlten die Farben sich Lichtjahre entfernt an. Und nicht nur im Schrank weg geräumt.

Also schnappte ich mir heute einen Kalender mit Tipps zum Malen, den ich vor über fünf Jahren mal in einem Geschäft aus der Grabbelkiste fischte, und blätterte die Anregungen locker durch. Bis ich ein Motiv fand, das mir gefiel, und schnell loslegte, bevor ich Hemmungen entwickeln konnte.
Dass der Anspruch gleich null ist, weil ich „nur“ ein fertiges Motiv kopiere statt selbst ein Meisterwerk zu kreieren: Geschenkt. Einfach mal die eigenen Ansprüche und inneren Antreiber aussperren und irgendwo anfangen. Irgendwie loslegen. Bloß nicht nachdenken, bloß die erwachsenen Gewohnheiten zur Perfektion ausblenden!

Einfach machen.
Und wenn’s nichts wird: Zusammenknüllen, gegen die Wand werfen, drauf trampeln, mit Benzin übergießen und anzünden, was auch immer.
Das enthemmt auch, und danach geht’s vielleicht besser.
Ansonsten: Sich freuen, dass der arme, alte Tuschkasten mal wieder Leben in seinen vertrockneten Töpfchen gespürt hat.
Locker was anderes anfangen, und das Ergebnis zur eigenen Freude aufhängen. Aber bloß keinem zeigen, nicht bewerten lassen!
Nur selbst dran freuen und bald weitermalen.
Oder musizieren.
Oder schreinern.
Oder backen.

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Halli Galli in Tüten: Mit 220 ChristInnen nach Römö

Die letzte Woche hatte ich mit 220 Menschen aus meiner Kirchengemeinde Spaß auf Rømø. Und obwohl wir so viele Leute waren, fiel mir ständig auf, wer fehlte und wen ich gern dabei gehabt und bessern kennengelernt hätte… Wir waren in einem erstklassigen Resort untergebracht, dank der Gruppengröße waren die Preise der Ferienhäuser sehr fair. So stylisch und hochwertig habe ich selten Urlaub gemacht, und täglich unbegrenzt Wellness genießen zu können, war ein zusätzliches Highlight.

Alle Programmpunkte von Gottesdienst bis Sport und Kreativangeboten war selbstorganisiert und freiwillig. Nur der erste Strandspaziergang ist traditionell Pflicht für alle 🙂
Natürlich habe ich mich im Vorhinein gefragt, ob es nicht langweilig wird, täglich morgens Gottesdienst zu feiern (mit Ausnahme des Ausflugstags). Tatsächlich empfand ich es als schönen Start in den Tag, nach dem Frühstück mit meiner Mitbewohnerin zum Konferenzsaal zu laufen und mit Gott und allen anderen Gemeinschaft zu haben. Auch, wenn das Ausschlafen dadurch viel zu kurz kam… 😉


Meine Mitbewohnerin und ich waren beide das erste Mal dabei und genossen die Ruhe in unserem Haus, wo wir uns entspannt zurückziehen konnten, wenn wir eine Auszeit vom Trubel brauchten. Wir wurden von anderen zum Essen eingeladen, bekamen Reste vorbei gebracht oder wurden spontan selbst zum Gastgeber, wenn Freunde auf dem Weg nach irgendwo bei uns vorbei kamen und ein paar Stunden blieben. Das Thema der Woche lautete „Wenn Gott zum Essen kommt“, wurde in jeder Predigt mit einem anderen Bericht aus der Bibel behandelt und passte perfekt.

Ein dickes Programmheft informierte über die täglichen Aktivitäten und listete auf, wer in welchem Haus wohnte.
Nach dem Gottesdienst starteten die Sportangebote: Fußball, Ultimate Frisbee, Zumba, Basketball, Workout und Joggen.
Am Nachmittag trafen sich viele im „Cafehaus“, das jeden Tag in einem anderen Ferienhaus stattfand und offen für neue Begegnungen war. Die Kinder hatten ein riesiges Extraprogramm, während die Erwachsenen Spaß und Bildung genossen: Ein Führungskräfte-Workshop, das Quiz der 80ger und 90ger Jahre, Bible Art Journaling, Vorträge, Tanzkurs mit den Hamburger Meistern, eine Diskussionsrunde, Running Dinner, Golf auf dem Platz vor der Haustür, eine Kleider-Tauschbörse, ein Brettspiele-Turnier und Whisky-Tasting waren nur der Anfang.
Alles organisiert und gestaltet von Menschen aus der Gemeinde, wir brauchten nur pünktlich im passenden Gruppenraum oder Ferienhaus auftauchen.


Unbedingt wollte ich mal wieder reiten, am liebsten einen Ausritt am Strand. Leider war der Strand an dem Tag überflutet, als wir mit den Isländern unterwegs waren. Daher ritten wir durch den Wald, was nur mittelspannend war, aber immerhin saß ich mal wieder auf einem Pony. Als wir zu Beginn auf der Koppel ankamen, goss es in Strömen und fing zu hageln an. Mein Begleiter, ein iranischer Flüchtling und ich, beteten für einen sonnigen Ausritt – und genau den bekamen wir.

Überhaupt wurden wir als Gemeinschaft ständig mit allem versorgt, was wir brauchten. Es gab viel mehr Sonnentage, als im Wetterbericht angesagt. Als ich keine Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen hatte, bekam ich von der Nachbarin eine Schale Gulasch, die bei ihrem Essen übrig geblieben war. In einem Cafe in Ribe kam ein Mann an unseren Tisch, der uns auf deutsch über den Weg zur Insel Mandø aufklärte und von dessen Smartphone wir die Tidetabelle abfotografieren konnten, die ich im Internet nicht hatte finden können. Und das nur, weil er mitbekommen hatte, wie ich meinen Freundinnen erfolglos versucht hatte zu erklären, wie man bei Ebbe am besten durch das Watt mit dem Auto fährt.
So viel Segen und gute Begegnungen haben wir erlebt, dass ich gar nicht mitzählen konnte.

Atemfreude, aufmerksam, kreativ

Exzess und Malerei: „Atemfreude“ im Künstleratelier

Gruppenstunden für SeniorInnen haben häufig altbekannte Themen:
Es werden Wanderlieder gesungen und Erinnerungen über Urlaube und Zeltlager angeregt, die meist beim Thema „Kinderlandverschickung“ enden. Die Jahreszeiten sind natürlich ständig Opfer des jeweiligen Nachmittagsprogramms, von „Im Märzen der Bauer“ bis „Bunt sind schon die Wälder“. Dann gibt es noch Vorlesestunden im regionalen Dialekt, und anschließend fangen wir inhaltlich wieder von vorne an.
Themen jenseits der üblichen Auswahl scheinen schwer zu finden zu sein:
Es soll zwar einen neuen Blickwinkel bieten, aber dennoch zum Erinnern anregen und nicht zu modern wirken.
In meinen Gruppen habe ich gute Erfahrungen mit ungewohnten Angeboten gemacht:
So findet eine meiner Atemgymnastik-Stunden namens Atemfreude zum Beispiel im Künstleratelier statt. Das Motto ist weder alltagsrelevant noch biografisch verankert, dennoch lassen sich viele SeniorInnen mitreißen. So gern sie Volkslieder singen – irgendwann wird es langweilig, und ständig nur erinnern wollen sie sich gar nicht unbedingt.

Dagegen ist eine Existenz als skandalumwitterte KünstlerInnen auch für hochaltrige Menschen reizvoll! So schlüpfen wir zu Beginn in einen Kittel, bringen unser Modell in Position (den griechischen Jüngling oder den afrikanischen Krieger), genießen den Exzess mit Schnaps und Joints morgens um kurz nach elf.
Für das passende Bühnenbild schnitt ich schnell aus Pappe ein paar Farbklekse in grün und rot, warf Kittel und Schürze zusammen mit einer benutzten Farbpalette auf den Boden und platzierte in der Mitte einen (Kunst-)Blumenstrauß. Für die feinsinnigen Damen, die lieber Stillleben zeichnen als nacksche Jünglinge 😉

Das Hobby der Kursleitung kann ebenso gut Thema sein:
Die Atemfreude kann auf dem Reiterhof stattfinden, wo wir als Training der Mundmotorik schnalzen, schnauben und wiehern. Die Füße trappeln im Trab, um den Kreislauf anzuregen. Wer sich mit schonender Gymnastik und Atemübungen auskennt, kann aus dem Alltag im Reitstall eine Stunde gestalten.
Eine Atemfreude zum Thema „Schwimmen“ ist im Atemfreude-Buch enthalten, aus dem Übungsfundus im dritten Teil des Buchs können passend zum eigenen Hobby Aufgaben zusammengestellt werden.
Die Atemfreude lebt vom genussvollen Erleben der Szene, und wer den SeniorInnen auf diese Weise das eigene Hobby näher bringt, hat dafür die besten Voraussetzungen.

aufmerksam, kreativ

Die speziellsten Erinnerungen an dieses Jahr, 2016

Gerade stolperte ich über meinen Artikel „Die speziellsten Erinnerungen an dieses Jahr“ aus dem November letzten Jahres. Da ich weiterhin als Quereinsteigerin unterwegs bin (in Deutschland ändert sich das auch nicht so schnell), tut mir ein Rückblick gut. An all das, was geplant wurde und nicht stattfand, erinnere ich mich lebhaft. Die vielen erfolgreichen Projekte gehen dagegen innerlich oft im „Negativ-Raster“ verloren. Neben der täglichen Arbeit habe ich eine Menge zusätzlich geschafft, wie im Rückblick deutlich wird:

 

Erdbeertorte 3

 

∗ „Kinderclub“ im örtlichen Flüchtlingsheim: Zwei Stunden Nachmittagsbetreuung können stressiger sein als ein ganztätiges Event…

∗ Von Januar bis Juni Ausstellung meiner Fotografien von festlichen Momenten im Sitzungssaal unserer Kirchengemeinde zum Thema „Gemeinschaft erfahren – das Leben genießen – Dankbarkeit teilen“

∗ Gleich im Januar und Februar mehrere Seminare zu den Themen „Projektmanagement“, „Moderation von Meetings“ und „Protokolle prägnant verfassen“ besucht

∗ Diverse Kindergeburtstage auf dem historischen Dreimaster „Rickmer Rickmers“
(und einmal dabei versehentlich in Dreharbeiten geraten…)

∗ Im Februar Shooting meiner „Tischdekoration des Monats Mai“ für die Zeitschrift „Hier leben“, mit vielen Vorbereitungen sowie Konferenzen mit der örtlichen Floristin bezüglich der Materialbeschaffung (Mageriten im Februar….)

∗ Im März vom Ehemann nach Mallorca entführt worden

 

Mediterran

 

„Lecker kochen für Viele“: Workshop in der Profiküche mit christlichen BesucherInnen aus ganz Deutschland, ein spannender Tag!

∗ Meine doppelseitige Tischdekoration in der Zeitschrift „Hier leben“ gefeiert

∗ Viele, viele Fachbücher zum Thema Veranstaltungsorganisation und Gastronomie gelesen

∗ Marktaufsicht während der Sommermonate für einen sehr beliebten Hamburger Flohmarkt, am Wochenende aufstehen um 5.00 Uhr, juhu!

∗ Festliche Finissage meiner Ausstellung „Gemeinschaft erfahren – das Leben genießen – Dankbarkeit teilen“

∗ Kinderparties zu Themen wie „1001 Nacht“, „Elfen“, „Chinesisches Drachenfest“ begleitet

Floristische Workshops entdeckt, die mit meinen Arbeitszeiten harmonieren und für neue Inspirationen sorgen

∗ Kreative Sommerferien: Traditionelle japanische Stempel geschnitzt, mit historischen Druckmaschinen gearbeitet, bei der Bonbonherstellung von Hand zugeschaut, Kreativ-Party für Freundinnen organisiert, meine Acrylfarben wieder heraus geholt…

∗ Traumhafter Sommerurlaub auf Bornholm

 

Lieblingsstrand Bornholm

 

 

∗ Diverse Anleitungen zu kreativen und floristischen Themen auf meinem Blog

∗ Seminare zu „interkultureller Kommunikation“ und „Sprachförderung mit Flüchtlingen“ besucht

∗ Floristik und saisonale Dekorationen für die Kirchengemeinde gestaltet

* Innerhalb von vier Stunden mit 117 Kindern Kürbisse ausgehöhlt und zu Laternen geschnitzt (und das drei Tage in Folge…)

∗ Eine Freundin im Atelier bei der Arbeit besucht

∗ Spaß bei einem Workshop mit Cake Pops gehabt

∗ Mein Artikel „Warum feiern wir nicht? Ein Plädoyer für mehr Höhepunkte im Alltag“ in der theologischen Zeitschrift AufAtmen

∗ Adventsdekoration für eine Seniorenresidenz hergestellt (Tischdekorationen für den Speisesaal, den Wintergarten, die Bibliothek sowie den Eingangsbereich)

∗ Im „Hamburg Journal“ des NDRs wurde ich bei der Arbeit auf dem „Alsterdorfer Advent“ gezeigt: Mit Kindern am Feuer beim Stockbrot backen

 

 

Schmetterlings-Party

aufmerksam, Gäste & Feste, kreativ

Floristischer Workshop: Sommerliche Tischdekoration

Beispiel 1Tischdekoration Variante 1

 

Endlich fand im Hamburger Raum wieder ein floristischer Workshop statt. Nachdem Pflanzen Kölle zwischenzeitig keine Workshops mehr anbot und ich erst heute wieder Termine entdeckte, war ich schon willig, nach Berlin zu fahren. Als ich bereits die Fahrkarten ausgedruckt hatte, erfuhr ich, dass der Kurs wegen zu wenig Anmeldungen storniert werden musste… So ein Pech! Umso glücklicher bin ich, diese Woche Gärtnerei Jenkel kennen gelernt zu haben, die ich zu einem ersten Workshop besuchte.

 

Beispiel 2Tischdekoration Variante 2

 

Drei Werkstücke wurden nacheinander und unter Anleitung gestaltet: Erst eine Türdekoration, die ich sehr spießig fand und so abwandelte, dass sie im Endzustand nur halbspießig wirkt. Dann ein Tischgesteck, das in zwei Varianten angeboten wurde, was ich für einen hervorragenden Service halte. Hier gefiel mir das Design sehr gut und das Endergebnis ist ausgesprochen gelungen. Und zum Schluss entstand ein Turm aus vier Blumentöpfen, der entweder mit Sukkulenten oder mit Kräuter bepflanzt werden konnte. Alle Materialien waren im Preis inbegriffen, vor Ort konnten zusätzliche Dekorationsteile erworben und verarbeitet werden.

 

Widerhaken

 

Für beide Gestecke war Reynoutria / Japanischer Riesenknöterich die Basis, deren entblätterte Triebe auf der Steckmasse mit einem Trick befestigt wurden: Aus einem Steckdraht wurde ein U geformt, dessen offene Enden nach vorn bzw. hinten gebogen wurden, wodurch „Widerhaken“ entstanden. Auf dem Foto halte ich den Draht so, dass die Widerhaken gut sichtbar sind – verarbeitet wird es natürlich so, dass das U den Trieb hält und die Haken im Steckmoos verschwinden.

 

Mein Gesteck

 

Mein fertiges Gesteck, das heute für ein Frühstück mit einer Freundin einen wunderbaren Mittelpunkt bildete. Dazu später mehr…

The last months I´ve been desperately searching for a workshop with flowers around Hamburg. Now I´ve found a nursery which offers workshops with lots of creative ideas, a nice guidance and good prices. This week I visited a course where we created three different pieces with flowers. One of them was the table-decoration which I´m showing here. Two different options could be chosen, what a good idea to find something suitable. I´m happy!

Diesen Beitrag verlinke ich mit dem Friday-Flowerday, FloralFridayFoto, Maleviks Rosengarten, Flower Power Bloggers und Freutag.