aufmerksam, feminin

Der neue Trend: Ahnungslose Freundinnen mit Überraschungen an der Haustür überfallen

Ich gebe ganz offen zu, dass ich für manche Aktivitäten einfach zu unentspannt bin.
Aus heiterem Himmel Freundinnen besuchen, zum Beispiel.
Oder mich spontan besuchen zu lassen, in 93% der Fälle ist das nicht meine größte Freude.
Was primär an einem sehr geselligen, von wilden Überraschungen geprägten Arbeitsplatz liegt, sodass ich „Ruhe“ als etwas ganz Wunderbares am Feierabend erlebe.
Dank Corona ist die Trendwende eingeläutet, obwohl die berufliche Spontanität mehr denn je gefordert wird:
Letzten Samstag klingelte es nachdrücklich an der Tür, ich wollte sowieso gerade in den Waschkeller, also marschierte ich argwöhnisch zur Haustür runter.
Und fand dort eine Freundin aus dem Nachbarstadtteil vor ihrem Fahrrad, die mal kurz einen Blumenstrauß vorbei bringen wollte. Daraufhin quatschten wir mit vier Metern Abstand so ausgiebig auf dem Bürgersteig, bis wir beide nachhaltig froren.
Diesen Samstag strampelte ich als Revanche erst zu dieser Freundin nach Norden, um ihr meinerseits aufzulauern und eine Geschenktüte mit Überraschungen vorbei zu bringen, um anschließend im großen Bogen bei Sonnenschein durch den Park radelnd eine weitere Freundin zu überfallen, die mit mir soooooo schön am Telefon gebetet hat.
Beide waren verdattert und erfreut, Mission erfüllt!

Was der plötzliche Schnee gestern und heute sollte, weiß ich zwar nicht, aber es war eine schöne Abwechslung für alle inhaftierten zu Hause bleibenden Kinder

aufmerksam, Gäste & Feste

Eine Kultur des Feierns

Wenn in Hamburg junge Menschen „feiern gehen“, dann bedeutet es, dass sie sich in Clubs und Discotheken treffen und betrinken.
Mangels Erfahrungen in diesem Bereich frage ich mich seit jeher, was daran den Aspekt des „Feierns“ ausmacht: Saufen, bis das Erbrechen kommt, hat für mich keinen festlichen Charakter.
Aber auch in den älteren Generationen vermisse ich oft eine Kultur des Feierns.
Familienfeste sind (in meinen Augen) unglaublich öde und bestehen vorrangig aus dem Verzehr von Menüs oder Kuchen-Buffets – unterbrochen von einem obligatorischen Spaziergang, wenn die Jubilare noch nicht zu gebrechlich dafür sind.
In traditionellen Familien werden selbstverständlich alle relevanten Ereignisse des Lebens (mehr oder weniger festlich) begangen: Taufen, Konfirmation / Kommunion und Firmung, Hochzeit, runde Geburtstage, Beerdigung. Auf ein ganzes Menschenleben gerechnet sind das wenige Feste, die auf die eigene Person entfallen – was ich schade finde, bietet das Leben doch so viel mehr Möglichkeiten, den Moment zu würdigen und dankbar zu sein. Gleichzeitig sind es ausgesprochen viele Ereignisse, zu denen jede Person reihum eingeladen ist – und dabei erlebt JedeR von uns deutlich zu häufig langweilige und leidenschaftslose Gesellschaften.

 

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Ich sehne mich nach einer positiven Kultur des Feierns: Jenseits von Besäufnissen und Langeweile, das kann doch nicht alles sein!
Einen persönlichen Meilenstein oder Momente der Dankbarkeit zu zelebrieren finde ich essenziell: Sonst ziehen diese Erlebnisse an uns vorbei, ohne gewürdigt zu werden, und hinterlassen in der Rückschau nur undeutliche Erinnerungen. Ich möchte an den Stress und die Herausforderungen zurück denken und gleichzeitig die Festivitäten tief im Gedächtnis speichern, die die Anstrengung anerkannt haben, wenn sich alles in Erleichterung und Leichtigkeit auflöst.
Ich möchte meine Urlaubsbilder wie damals mit einem bunten Abend und Speisen aus dem bereisten Land feiern – mit FreundInnen die Erlebnisse teilen, statt stumm die Fotos im Internet hochzuladen. Und ich entdecke gerne, wie meine FreundInnen ihrerseits die Ferien verbracht haben, weil ich gerne schöne Momente erzählt bekomme.

 

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Feiern ist ein Geschenk an uns selbst und alle Eingeladenen. Und seien es zwei Nachbarn und eine Freundin, egal. Eine Party fängt nicht mit einer endlosen Gästeliste und eleganter Dekoration an – sondern mit dem Willen, den Augenblick zu zelebrieren, auszukosten und genussvoll mit anderen zu vertiefen.

aufmerksam

Zuhause

 

Mache deine Wohnräume zu einem Ort, an dem andere immer willkommen sind, zu einem Haus des Friedens und gegenseitigen Verzeihens.

Frère Roger
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Ferienhaus auf dem Darss