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Sport rund um den Plöner See

Der Plöner See und die umgebenden Seen liegen in der Holsteinischen Schweiz und gehören zu den saubersten Gewässern Deutschlands. Ideal für aktiven Urlaub, und weil der Körper Kraftstoff braucht, folgt auf den Sport in Kürze der Artikel „Schlemmen rund um Plön“.
Wir starten mit einer Kanutour einmal um das Plöner Stadtgebiet, beginnend bei dem Kanuverleih, rund um die Prinzeninsel, durch einen verwunschenen Kanal und über mehrere kleine Seen zurück zum Ausgangspunkt. Die Prinzeninsel hat einen sehr schönen Strand inklusive kostenlosen Strandkörben, auch für Radfahrende und SpaziergängerInnen ein wunderbarer Platz für eine Pause!
Das Restaurant Seeprinz liegt quasi im Plöner See und hat einen Anlegesteg für WassersportlerInnen, um zum Mittagessen direkt auf die Terrasse steigen zu können.
Die Segelschule Plön bietet neben Segelbooten auch SUPs und Tretboote an, mit sehr humanen Preisen und nettem Personal.

Wer mit dem Rad unterwegs ist, kann auf dem Stockseehof Himbeeren ernten und die Gartenausstellung anschauen. Unter großen Linden ist ein Biergarten aufgebaut, leider mit teuren Preisen und Massenabfertigung.

Das Dorf Dersau liegt nahe des Stocksees am südlichen Ende des Plöner Sees. An der Hauptstraße wartet ein Häuschen voller Bücher auf alle, die entweder ihren eigenen Roman tauschen oder gegen eine kleine Spende ein Buch mitnehmen wollen. Inklusive dem „Weg zu tiefer Befriedigung“ nebenan – damit die SportlerInnen abends die Beine hochlegen und schmökern können.

Im Wald hinter Dersau begrüßt ein Briefkasten voller Briefe alle Spaziergänger, die einen neugierigen Blick riskieren wollen. Daneben steht eine Bank für die verdiente Pause, leider gibt es hier derzeit viele Mücken: Der einzige Ort, wo sie rund um Plön unterwegs sind.

Die 5-Seen-Fahrt ist ideal, um etappenweise zu wandern und sich über das Wasser mitnehmen zu lassen. Passagiere können überall zu und aussteigen, Ziel ist Malente am Dieksee, von dort geht es wieder zurück nach Plön. Wer mag, läuft ab Malente am Kellersee entlang nach Eutin mit der historischen Altstadt und dem Schloss, zurück nach Plön fährt die Bahn.

Wer auch die Finger spielen lassen will oder zwischen den aktiven Tagen eine Runde im Ferienhaus pausiert, findet in der traumhaften PatchWerkstatt fantastische Stoffe und eine kompetente Anleitung. Falls Regentage den Bewegungsdrang trüben, ist damit für Abwechslung gesorgt.

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Ausflüge rund um Hamburg: Die Rantzauer Schlossinsel in Barmstedt

Kurz vor den Toren Hamburgs liegt Barmstedt in Schleswig-Holstein: Eine verschlafene Kleinstadt mit der Rantzauer Schlossinsel als Attraktion.
Hier versammeln sich eine Galerie, ein Museum, eine Weberei, ein Geschäft für Töpferbedarf und ein Café in historischen Backsteingebäuden. Die Ursprünge der Schlossinsel gehen auf mittelalterliche Befestigungsanlagen zurück, das Schloss gibt es leider nicht mehr: Es wurde durch ein schlichteres Herrenhaus ersetzt.

Große Bäume umgeben die Schlossinsel, auf der Rosen und Lavendel üppig blühen. Sogar rund um die öffentlichen Toiletten…
Vor der Galerie wartet ein König, der sich mit Kornähren schmückt. Die Kunstwerke, Skulpturen und Bilder der ansässigen Künstlerin sind wirklich sehenswert!

Am See laden Bänke zum Träumen ein, und im angrenzenden Park werden Boote vermietet.

Das „Gefängnis-Café“ (auf dem ersten Bild oben) ist ein nettes Plätzchen am Wasser, leider stammt das kulinarische Angebot komplett aus industrieller Herstellung (Fertigprodukte aus dem Tiefkühler und der Großbäckerei). Da die Schlossinsel eine sehr übersichtliche Größe hat, kann der Hunger warten, bis wir zurück in der Barmstedter Innenstadt sind.

In der alten Mühle ist ein Geschäft für Töpferbedarf untergebracht, nebenan im Speicherturm entdeckte ich eine kleine Weberei. Wer Lust auf Kunst und Keramik hat, wird in der Hauptstraße von Barmstedt in der Wechselstube fündig (Reichenstraße 3).

An der Einfahrt zur Schlossinsel liegt ein Insektenhotel der besonderen Art: Gefällte Bäume erhalten ein zweites Leben, indem sie mit Löchern präpariert und mit Nistmaterial gefüllt Insekten ein Zuhause bieten.
Wer öffentlich von Eidelstedt oder Henstedt-Ulzburg mit der AKN kommt, läuft einmal durch die Barmstedter Innenstadt und durch den Park zur Schlossinsel. Achtung: Die AKN fährt stündlich nur ein Mal!
Wer mit dem Auto kommt, kann direkt am See auf einem großen Parkplatz parken.

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Statt Meditation: Durch den Wald streifen und Beeren sammeln

Oberflächlich entspannen können wir alle gut:
Mit rumdaddeln, Buch lesen, Gassi gehen, online Shopping….
Aber wirkliche Entspannung, die Kopf und Herz erreicht, ist das meist nicht – eher oberflächliche Ablenkung.
Die Japaner erfanden „Shinrinyoku“, das Waldbaden. Genau genommen ist es einfach spazieren gehen, klingt aber viel trendiger.

Wer Spaziergänge auch unter dem kosmopolitischen Motto „Shinrinyoku“ beknackt findet, kann sich vielleicht zum Beeren sammeln motivieren:
Das klingt gleich viel produktiver und führt dennoch zu deutlicher Entschleunigung.
Zumindest nach einiger Zeit, wenn die vielen Gedanken in unserem Inneren endlich langsamer kreisen und irgendwann ganz zur Ruhe kommen. Wenn wir nicht mehr möglichst schnell und effektiv pflücken, sondern wirklich aus Spaß am Beerensammeln. Wenn wir zunehmend offen werden für Gerüche und Geräusche um uns und immer weniger an Zecken denken, die vielleicht gerade JETZT in unsere Kniekehle beißen.

Ganz nebenbei stellen wir fest, dass manche Landschaften im guten, alten Deutschland deutliche Einschläge von Skandinavien oder Schottland aufweisen. Und es auch im Corona-Jahr 2020 ganz zauberhafte Ecken in der Nähe unseres Zuhauses gibt, an denen wir uns ganz weit weg fühlen.
Wenn wir dann am nächsten Morgen Blaubeeren mit Naturjoghurt löffeln, kommt der Urlaub fast nach Hause.
Fast.
Und wir finden hoffentlich bald wieder den Weg in den Wald…

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Hamburgs heimliche Höhepunkte: Der Kupferteich in Poppenbüttel

In der Serie „Hamburgs heimliche Höhepunkte“ führe ich zu vielfältigen Zielen in und um Hamburg. Für HamburgerInnen rege ich zu Ausflügen ins Grüne an und verlocke TouristInnen, die Stadt jenseits der City kennenzulernen.


Heute unternehmen wir eine Runde zum Kupferteich in Poppenbüttel, Hamburgs Norden:
Entweder mit dem Fahrrad ab dem Bahnhof Ohlsdorf (Linien S1 und U1 sowie Busse) oder ab dem Bahnhof Poppenbüttel (Linie S1 sowie Busse) zu Fuß oder ebenfalls mit dem Rad.
Wer eine ca. 20km lange Route wünscht, startet in Ohlsdorf mit dem Rad und fährt den Alsterwanderweg immer nach Norden bis zum Hohenbuchen-Park in Poppenbüttel. Wer in Poppenbüttel eine kürzere Runde zu Fuß (ca. 7 km) an der S-Bahn beginnt, läuft den „Heegbarg“ hinab bis zum mehrspurigen „Saseler Damm (Ring 3)“ und folgt ihm bergab. Dort führt eine Brücke über die Alster, hier biegen wir ins Alstertal ein und kommen als erstes an der Poppenbütteler Schleuse vorbei.

Wir folgen dem Alsterwanderweg nach Norden. Am Hohenbuchen-Park halten wir uns links und laufen am Gelände eines inklusiven Bio-Bauernhofs entlang. Wer mag, kauft hier Pflanzen und landwirtschaftliche Erzeugnisse am Stand unter uralten Buchen. Bezahlt wird über eine Vertrauenskasse, der Stand ist durchgehend (auch am Wochenende) bestückt. In einem Halbkreis wandern wir um den Bauernhof, während unter uns die Alster in einer Schleife verläuft. Dann nehmen wir den Weg nach links, um an der Mellingbek (kleiner Bach) auf die „Poppenbüttler Hauptstraße“ zu kommen. Wir überqueren die Straße und gehen in die Wohnstraße „Kupferhammer“, die nach wenigen Metern in einen Park übergeht.
Nun wird es ganz einfach: Wir spazieren den Weg entlang, der uns direkt zum Kupferteich bringt. Dort kühlen wir die Füße im Wasser, lassen den Hund baden oder picknicken auf der Wildblumenwiese.


Wer mag, läuft einmal rund um den Kupferteich und die selbe Strecke wieder zurück.
Ebenso gut lässt sich von hier aus das Wittmoor Richtung Lemsahl-Mellingstedt und Duvenstedt erkunden, dazu folgen wir den Sandwegen Richtung Norden und queren den „Eichelhäherkamp“. Wer mit dem Fahrrad eine ca. 20 km Runde fährt, kann dem „Kupferteichweg“ am Pferdehof entlang folgen, die „Harksheider Straße“ kreuzen und neben der Baumschule wieder in die Natur eintauchen: Hier liegen der Hummelsee und der (sehr grüne) ehemalige Müllberg, von dem aus der Blick bis zur Elbe schweift. Die Tour kann wetterbedingt abgekürzt werden und endet dann an der U-Bahn Kiwittsmoor oder wir bleiben beim ursprünglichen Plan und landen wieder in Ohlsdorf: Dazu den asphaltierten Wegen durch die Hummelsbüttler Wiesen folgen, und die „Hummelsbüttler Landstraße“ bis zu ihrem Ende abfahren.

Wer sich weitere Ausflugsziele in und um Hamburg wünscht:
Das Raakmoor, von Poppenbüttel über Bergstedt nach Farmsen, der Bramfelder See, Gut Karlshöhe, das Museumsdorf Volksdorf, die Vierlande, im Stadtpark, das Wittmoor, am Leinpfad, entlang der Alster in Eppendorf, das Bergedorfer Schloss, das Wellingsbüttler Torhaus, der Norderstedter Stadtpark, Arboretum Ellerhoop.

aufmerksam, feminin

„Garten der Frauen“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Neulich nutzte ich das schöne Wetter, um mit dem Rad auf dem größten Parkfriedhof der Welt unterwegs zu sein.
Den „Garten der Frauen“ habe ich lange nicht besucht, nun kam ich zufällig vorbei. Dieser Schatz ist relativ nahe am Haupteingang in der Cordes-Allee um die Ecke vom Wasserturm zu finden. Hier wird an bekannte HamburgerInnen erinnert, und auf Wunsch können Frauen sich in diesem Areal beerdigen lassen.

Überall warten ruhige Plätze darauf, dass sich jemand setzt, umschaut und austauscht. Wasserdichte Lektüre lagert in Verstecken und lädt zum Nachdenken ein.

Viele Bücher aus Metall stellen die Lebensgeschichten der Frauen dar, gleich daneben finden sich ruhige Sitzplätze rund um Baumstämme.

Außergewöhnliche Lebenswege werden in einer Spirale aus einzigartigen Denkmälern präsentiert, die zum Anfassen und Ausprobieren anregen.

Informationen gibt es im Gewächshaus, das von den Vereinsfrauen betreut wird, die sich um die Pflege des Gartens kümmern.

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Kunst macht glücklich: Spaß mit David Hockney im Museum

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Neulich las ich von einer Studie, die über die positive Wirkung von Kunst auf die menschliche Psyche berichtete.
In Hamburg ist gerade die „Tate Gallery“ in Form von David Hockneys Werken zu Gast und bringt viel gute Laune für das Auge mit. Das Bucerius Kunst Forum ist frisch umgezogen (weiterhin am Rathausplatz) und noch kleiner als zuvor, daher wird nur ein Bruchteil der Bilder ausgestellt.

Bei Hockney dachte ich sofort an die kalifornischen Bilder mit Swimmingpools und duschenden Männern, Motive wie das Gemälde oben.

the lending library: david hockney

Viel spannender und vor allem lustiger sind die Bilder, die in den letzten Jahrzehnten folgten. Sie wirken, als hätte auch ein Kind sie malen können, haben dabei aber eine große Anziehungskraft:
Die Bilder leuchten, ziehen den Blick in die Tiefe, vermitteln Schwung und gute Laune.
Dass David Hockney homosexuell ist und diese Neigung in seiner Jugend nicht ausleben durfte, da es verboten war, spielt inhaltlich zum Glück nur eine untergeordnete Rolle. Endlich ein Künstler, bei dem nicht ständig Tränen, Trauma und Tragödie im Vordergrund stehen. Keiner, der ein mieser Frauenheld war und ständig zwischen Exzess und Zusammenbruch schwankte.
Stattdessen schlau und heiter zugleich: So tut Kunst wirklich gut!
Bevor wegen Corona noch alles endgültig dichtmacht: Schnell in die Ausstellung zischen!

https://www.taschen.com/media/images/960/002_dsc_0155_herv_v_ron_se_centre_pompidou_1810311428_id_1135356.jpg

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Im Winter an die Nordsee: Tipps für einen unterhaltsamen Inselurlaub

Im Winter ans Meer zu fahren, wird immer beliebter.
Theoretisch finde ich es gar nicht gut, weil damit die einzige noch bezahlbare (Nicht-)Saison intensiver nachgefragt wird. Eine Woche Insel im Februar ist genauso teuer wie eine Woche Sommerurlaub in Skandinavien, berühmt-berüchtigt als kostenintensivste Urlaubsländer.
Praktisch kann ich die Flucht ans Meer, selbst im Winter, gut nachvollziehen: Dunkel, nass und stürmisch ist es auch in der Großstadt, warum dann nicht die Kraft der Elemente an der Nordsee erleben?

Die Vorsaison der Vorsaison startet mit dem beeindruckenden Biikebrennen Ende Februar. Überall in Nordfriesland werden riesige Feuer (aus Tannenbäumen, sturmgefällten Bäumen und Heckenschnitt) entzündet. Ursprünglich von den Friesen als Feuer für Wotan entfacht, wurden später damit die Seefahrer und Walfänger ins neue Arbeitsjahr verabschiedet, bis sie im November vor den größten Stürmen zurückkehrten. Der Abschied des Winter spielt dabei natürlich auch eine Rolle, heute ist die Bedeutung der Tradition weitgehend egal.
Die Küste entlang zu schauen und die Feuer auf der eigenen Insel und bei den Nachbarinseln gegenüber brennen zu sehen, ist sehr archaisch und spektakulär.
Da es am 21. Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit nass, kalt und stürmisch ist, sorgen die örtlichen Feuerwehren für Punsch, Grünkohl und einen trockenen Unterstand.

In manchen Orten gibt es zum Biikebrennen neben Fackelzügen auch Ansprachen und Gottesdienste auf friesisch, einer „echten“Sprache, die wirklich für Außenstehende nicht zu verstehen ist. Sehr zu empfehlen!

Die örtlichen Naturschutz- und Kulturvereine stellen selbst im Februar ein abwechslungsreiches Programm mit mehreren Veranstaltungen pro Tag auf die Beine. So zum Beispiel archäologische Führungen zu Hügelgräbern und Funden aus der Steinzeit.
Auch Wattwanderungen zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt, Nachtwanderungen, Bernstein schleifen und Knotenkurse für Kinder werden angeboten. Sogar Wattwanderungen von einer Insel zur nächsten, wie von Föhr nach Amrum, werden im Winter durchgeführt – inklusive ausgeliehenen Wathosen für das Durchqueren der Priele.

Zum Biikebrennen öffnen einige Restaurants und Cafés ihre Türen, bevor sie zurück in den Winterschlaf sinken. Die meisten Lokalitäten öffnen erst kurz vor Ostern, daher lohnt es sich, das Wochenende mit dem Besuch von Friesenstuben und Fischlokalen zu nutzen. Anschließend heißt es wieder Selbstverpflegung und sich mit dem gesamten Rest der Insel zu den kurzen Öffnungszeiten der wenigen Cafés zu drängeln.
Denn wenn etwas geöffnet ist, und sei es nur für drei Stunden am Nachmittag, ist es garantiert knackvoll! Dass die Touristen jetzt auch schon im Winter kommen müssen, schrecklich… (-;

Sogar der Leuchtturm hat an einigen Tage stundenweise geöffnet oder eins der örtlichen Museen:
Naturschutzausstellungen mit Wasserbecken für kleine Tiere, präparierte Walskelette, Ausstellungen über die Seefahrt oder historische Kapitänshäuser gibt es auf den Inseln überall. Auch Vorträge über die Historie und Natur der Insel warten auf neugieriges Publikum.

Ein Spaziergang durch die Inseldörfer mit dem Besuch der abgesoffenen Seeleute historischen Grabstätten, ein Gottesdienst unter schwebenden Viermastern oder ein Konzert in einer Bar bringen zusätzlich Abwechslung.

Wenn gar nichts mehr geht, jedes Quermarkenfeuer schon fünf Mal fotografiert wurde, die Gänse in der Vogelkoje nur noch zum Gähnen anregen, der Strandausritt wegen Sturm abgesagt wird und die Sauna trotzdem nicht lockt:
Müll sammeln für eine saubere Umwelt, gesunde Fische und Vögel sowie weniger Mikroplastik in den Weltmeeren geht immer!

Schon nach einer Woche auf den Inseln ist die Rückkehr nach Hamburg ein intensiver Kulturschock:
Alles so laut, so voll, so unruhig hier!
Umso größer die Sehnsucht, bald wieder Freiheit und Weite an den endlosen Stränden zu finden.

aufmerksam, glaubhaft

Musical „Martin Luther King“ tourt durch Deutschland

© Stiftung Creative Kirche

Spontan war ich gestern Abend im Musical „Martin Luther King: Ein Traum verändert die Welt“, weil eine Freundin noch eine freie Karte hatte.
Wer Gospel und dynamische Songs mag, wird die Stimmung genießen. Ich empfehle, sich vorher einen kurzen Überblick über das Leben des Baptistenpastors und Menschenrechtlers zu verschaffen, um die Handlung besser zu verstehen. Die Rückblenden sollen Aufschluss geben, verwirrten mich aber eher. Grundsätzlich steht der Kampf für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung im Vordergrund, immer verbunden mit dem Vertrauen darauf, dass Gott die Protestierenden stärkt und schützt. Die Konflikte zwischen den Polizisten und den Demonstrierenden, innerhalb der Gruppe und auch zwischen Männern und Frauen werden gut dargestellt. Dennoch ist das Musical relativ gleichförmig, da die primäre Handlung nun einmal der Befreiungskampf ist.

© Stiftung Creative Kirche

Sehr schade fand ich, dass der Chor aus 1346 komplett hellhäutigen Menschen bestand. Hamburg hat so viele internationale und afrikanischstämmige Gemeinden und Chöre – warum hier nicht aktiv um MitsängerInnen geworben wurde, kann ich mir nicht erklären. Denn dass dort zum Mitsingen eingeladen wurde und niemand gekommen sein könnte, ist unvorstellbar. So oder so – ein Musical über die Rechte der farbigen Minderheit kann und soll meiner Meinung nach nicht aus einem Chor ohne eine einzige farbige Person bestehen (Die Hauptdarsteller waren natürlich farbig, aber tausend weiße Gesichter im Background-Chor stimmen doch sehr nachdenklich).
Kritisch erlebte ich auch, dass bewusst stereotype weibliche Themen eingestreut wurden, um Abwechslung zu schaffen. Dass diese weiblichen Themen daran zu erkennen waren, dass sich die Frauen vom gesparten Busstreik-Geld Schuhe kaufen oder Kings Frau Coretta sich angesichts der Nominierung zum Friedensnobelpreis als Erstes fragt, was sie in Oslo bloß anziehen soll, ist komplett unnötig. Klar ist ein bißchen thematische Abwechslung zwischen dem von Selbstzweifel zerfressenen King und dem gewaltbereiten Malcolm X schön, aber dafür Geschlechterklischees zu bemühen – das hätten sich die rein männlichen Autoren und Regisseure besser ausdenken können.

Immerhin sorgten die Szenen um den Besuch in Ostberlin für einige Lacher und die Musik war wirklich gut. Um auch heute für Gerechtigkeit einzustehen, gingen gelbe Wassereimer von „Brot für die Welt“ durch die Reihen. Gegen eine Spende zum Brunnenbau in Kenia durfte man sich eine CD mit zwei Songs des Musicals heraus nehmen, eine unterstützenswerte Aktion.
Bis Mai tourt das Musical durch Deutschland, vom Schuldkind bis zur Oma werden damit alle Familienmitglieder gut unterhalten.

Die Fotos stammen von der Website „Das Chormusical Martin Luther King“, die Rechte der Fotos liegen bei der Stiftung Creative Kirche. Leider lässt sich das weiße Wasserzeichen mit meinem Namen nicht daraus entfernen, dies ist ein Versehen.

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Gemütlich und natürlich: Biohof „Stüffel“ in Hamburg

Der Gärtnerhof am Stüffel in Hamburg-Bergstedt gibt Menschen und Tieren ein Zuhause. Auf dem Biohof arbeiten Menschen mit Handicap, findet therapeutisches Reiten statt und Schulklassen kommen zu Besuch. Schon lange wollte ich mich dort einmal umschauen, schließlich kaufte meine Oma vor Jahrzehnten hier ein. Mit dem Rad in der S-Bahn fuhr ich bis zur Endstation Poppenbüttel, weiter zur Bergstedter Mühle und durch das Naturschutzgebiet Hainesch-Iland. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück über Feldwege bis zum Hintereingang des Hofgeländes.

Die schwarzen Zottelkühe waren nirgends zu sehen, dafür wurden Ponies geputzt und geritten.
Draußen wuchs der Feldsalat und Grünkohl wartete auf die Ernte. Im Hofladen wird ein breites Spektrum Biolebensmittel und Drogerieartikel verkauft, auch im Winter einige eigene Produkte.

Ein großer Fahrradstellplatz hält Räder und Einkaufswagen trocken, nebenan liegen eine Sandkiste und eine überdachte Terrasse: Für Familien, die bei wärmerem Wetter parallel zum Einkaufen die Kinder spielen lassen wollen. Wer mag, genießt dabei einen biologischen Kaffee oder nimmt ein Eis auf die Hand.

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Dörflicher Charme in der Großstadt

Wer im Norden Hamburgs die S-Bahn S1 in Poppenbüttel verlässt und dem Alsterwanderweg Richtung Norden folgt, kommt bald am Hohenbuchenpark vorbei. Wo der Hohenbuchenpark in den Wald übergeht, steht ein Tisch mit buntem Angebot: Gemüse, Obst, Säfte, Blumensträuße und eingetopfte Stauden, Marmeladen und Apfelchips. Je nach dem, was auf dem Biohof „LernOrt Natur Hohenbuchen“ gerade geernet wird. Ein kleiner Abstecher vom „Hauptweg“ an der Alster lohnt sich immer, so habe ich hier eine einjährige Königskerze gekauft, die nächstes Jahr hoffentlich üppig blühen und damit ein Paradies für Hummeln und Bienen sein wird.

So kleine Stände mit Vertrauenskasse finde ich immer charmant, sie erinnern mich an Urlaube in Skandinavien. Freitags von 10 – 12:00 Uhr hat der Hofladen auch „offiziell“ an der Poppenbüttler Hauptstraße 46 geöffnet.