glaubhaft, kreativ

Lob der Schöpfung – eine Andacht

Die Andacht enthält Lieder, Bibelzitate und einen thematischen Teil (ähnlich einer Predigt). Sie ist in sich geschlossen, kann jedoch beliebig erweitert und verändert werden. Unter Nennung meines Namens kann der thematische Teil gern direkt vorgelesen werden.

Die Lieder sind dem Buch „Feiern & Loben, Die Gemeindelieder“
aus dem Hänssler Verlag, Holzgerlingen; Bundes-Verlag, Witten
und Oncken Verlag, Kassel und Haan entnommen. Erste Auflage 2003

 

 

1) Als Heranführung an das Thema wird das folgende Gedicht gelesen:

Das sind die Sommertage
von Annegret Kronenberg

In früher Morgenstunde
die Lerche steigt empor.
Sie singt aus vollem Munde,
ihr Lied dringt in mein Ohr.

Vom Himmel strahlt die Sonne;
das Herz klopft laut vor Lust;
die Seele sprüht vor Wonne,
erfüllt mit Freud die Brust.

Das Rauschen grüner Bäume
klingt in mir wie ein Lied,
und unvergessene Träume,
die schwingen leise mit.

Der Seele wachsen Flügel,
sie schwingt sich himmelwärts;
trägt über Tal und Hügel,
was einst bedrückt das Herz.

Das sind die Sommertage,
die spielend dies vollbracht.
Das ist des Vaters Gnade,
die mich so glücklich macht.

 

2)  Um die Stimmung des Gedichtes aufzunehmen, wird das bekannte Lied „Geh aus mein Herz“ gesungen:

Lied 493: Geh aus, mein Herz (Text von Paul Gerhardt)
Strophen 1-3, 6


3) Nun folgen eigene Betrachtungen zur Schöpfung.

Als Einstieg in meine Gedanken möchte ich die Kennzeichen der Natur nennen:

Kennzeichen der Natur

  • Schönheit
  • Ordnung
  • Sinn
  • Vielfalt

Wenn wir die Natur wissenschaftlich betrachten, schauen wir uns vorrangig die Funktion an: Unter welchen Bedingungen leben, entwickeln sich und „arbeiten“ bestimmte Lebewesen? Wie passen sie sich ihrem Lebensraum an? Wie weit reicht die Funktionalität bestimmter Gesetzmäßigkeiten, denen die Tiere unterworfen sind?

Ich finde es großartig, dass in dieser Definition der Blick weit hinaus geht über die reine Funktionsweise eines bestimmten Teils der Natur. Hier geht es um Schönheit, um Vielfalt. Das Leben ist so viel facettenreicher als die Reduktion auf die Aufgabe und Leistung. Gott hat die Welt so geschaffen, dass sich ihr Zauber über das Notwendige hinaus entfaltet.
Lebewesen haben nicht nur eine bestimmte Aufgabe in ihrem Ökosystem, sondern jede Art birgt ein Augenzwinkern in sich:
Die schillernden Schuppen auf den Flügeln des Schmetterlings.
Die knittrige Oberfläche der Mohnblüte, wenn die Knospe aufspringt.
Die Eleganz der Bewegungen einer springenden Gazelle.

Und auch die scheinbar unbelebten Teile der Natur haben Charakter und unvergleichliche Eigenschaften:
Das Geräusch, das Meereswellen am seichten Kieselstrand erzeugen.
Das Gefühl eines Teppichs aus Tannennadeln unter den Füßen.
Der Geruch von Süßwasser, das träge unter den Zweigen der Bäume dahin fließt.

Die Natur ist so viel mehr als sich berechnen und messen lässt. Und deswegen passt für mich das Wort „Schöpfung“ viel besser, weil es über den wissenschaftlichen Aspekt hinaus geht. Es ist eben nicht nur Funktionalität, sondern Schönheit, Ordnung, Sinn und Vielfalt. Diese Merkmale sind Zeichen der Liebe und der Sorgfalt Gottes für seine Schöpfung. Und Zeichen seiner Kreativität und seines Humors, um uns zu erfreuen und uns seine vielfältige Macht zu zeigen.

Und es zeigt mir, welchen Blick Gott auf mich hat. Da ist eine gute Leistung im Sinne von „straffer Organisation, effizienter Arbeit, sauberem Haushalt, politischer Bildung, kulturellem Interesse und Spenden für den guten Zweck“ gar nicht nötig.

Gott schaut mich an und sieht Schönheit. Er sieht die Ordnung, die er vor Augen hatte, als er mich schuf. Er sieht den Sinn, der in meinem Leben steckt. Außerdem sieht er die Vielfalt meiner Möglichkeiten.
Und das einfach so. Ohne Leistungen. Ohne Anstrengungen. Gott hat mein Leben geschaffen, nicht ich. Ich darf mich an seinem Geschenk freuen, an dem Leben freuen, dass er mir täglich gibt. Und ich darf mich an den Spuren freuen, die er hinterlässt – in der Natur, aber auch in meinem Leben.

„Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, dass man neue Landschaften sucht, sondern dass man mit neuen Augen sieht.“ (Marcel Proust)

Gott zeigt sich in meinem Alltag – durch Aufgaben, die mir gut gelingen.
Durch Menschen, die mir mit Großzügigkeit und offenem Herzen begegnen.
Durch materielle Dinge, die ich benötige und plötzlich bekomme – als hätte Gott dafür gesorgt, dass genau ich genau heute das bekomme, was mir fehlt.
Die Frage ist nicht, ob Gott wirkt, sondern ob wir sein Wirken entdecken. In der Natur. Und in uns.

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4)  Wir loben Gott für seine Kreativität, für seine Liebe und seine Macht:

Lied 65: Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte (Text von Carl Boberg / Manfred von Glehn)

Lied 22 und 23: All die Fülle ist in dir, oh Herr (Norbert Jagode)

und direkt im Anschluss Dank sei dir (Steve Smith, deutsch: Jim Mills)

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5) Zum Schluss folgen zwei Bibelstellen, in denen die Schöpfung beschrieben wird:

„Gott breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meeres. Er macht den Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.“
Hiob 9, 8+9

„Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.“
Römer 1, 20

 

6) Wer mag, kann seine Eindrücke und Anliegen nun laut oder leise im Gebet vor Gott bringen.


 

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In der linken, oberen Ecke ist durch Zufall ein Schmetterling („Kleiner Fuchs“) in das Bild geflattert.

5 thoughts on “Lob der Schöpfung – eine Andacht

  1. Danke, deine Andacht ist so schön dass ich sie für meinen Frauenkreis ohne Änderung nehmen kann und jetzt in die Natur gehen darf um sie zu geniessen anstatt eine Andacht darüber zu schreiben. Du bist ein Schatz.

    1. Liebe Beatrix,
      es freut mich sehr, dass meine Gedanken für andere hilfreich sind und zum Weitergeben einladen! Viel Freude mit der Andacht und viele Grüße an den Frauenkreis.
      Gottes Segen euch, Marie

  2. Hallo,
    auf der Suche nach einer Andacht für unsere Weidenkirche, bin ich auf diese gestoßen. Ich finde sie sehr schön, so dass ich mich ihrer gerne bediene, wenn mal wieder Besuchergruppen kommen und eine Andacht wünschen. Vielen Dank.

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